Rohstoffknappheit im CDU Expertentalk

Unternehmer erwarten Wandel der Baubranche: „Man wird vorsichtiger werden“

Ein Harvester zersägt Bäume im Wald.
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Er ist allgegenwärtig und auf dem Baustoff-Markt doch hart umkämpft: der Rohstoff Holz.

Landkreis – Was haben die neue Drei-Kind-Politik Chinas und die deutsche Baubranche miteinander zu tun? Bislang zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung recht wenig. Doch das ändert sich derzeit rapide. Ein Expertentalk des CDU-Kreisverbands zeigt: Innenpolitische Entscheidungen Chinas können mitunter zu Kostenexplosionen bei Baustoffen in Deutschland führen.

Dass die Ursachen für den aktuellen Rohstoffmangel samt Preissteigerung aber noch komplexer sind, wurde in der Online-Veranstaltung mit Politikern, Experten und Unternehmern aus der Baubranche schnell deutlich. Während Thomas Roess von der Twistringer Roess Nature Group stark gestiegene Preise bei verzinkten Blechen beklagt, kämpft das Unternehmen von Phillip Leymann seit Anfang des Jahres mit einer Vervierfachung der Preise bei Dachlatten.

Es sei eine „paradoxe Situation“, so Leymann: Die Auftragsbücher vieler Unternehmen seien voll, aber es gebe keine Materialien. Oliver Böhm, Inhaber einer Palettenfabrik, stellte in dem Zusammenhang eine „Verlässlichkeitslücke“ fest. Rohstofflieferanten gäben Liefertermine an, die sie dann nicht einhalten würden.

„Solche Preissprünge: Ich kann mich nicht erinnern, dass wir sowas schon mal hatten“, zeigte sich Heino Hildebrand von HTI Cordes & Graefe schockiert. Thomas Roess vermutet gar eine Blase, die ähnlich wie bei der Finanzkrise bald platzen werde.

Für einen Blick in den Maschinenraum der Wirtschaftspolitik war Elisabeth Winkelmeier-Becker als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsministerium zugeschaltet. Sie bestätigte die Wahrnehmung der Unternehmer. Vor allem beim Holz seien die Preise durch die Decke gegangen. „Holz ist das gravierendste Problem, würde ich sagen, weil hier verschiedene Dinge zusammenkommen“, sagte Winkelmeier-Becker.

Elisabeth Winkelmeier-Becker, Parlamentarische Staatssekretärin beim Wirtschaftsministerium.

Die CDU-Politikerin sieht vor allem eine starke Rohstoff-Nachfrage aus den USA und China als Ursache. Heruntergefahrene Kapazitäten in der Corona-Pandemie hätten ihr Übriges getan.

Statt auf eine Lösung für die akuten Probleme fokussierte sich Winkelmeier-Becker auf Absicherungen für die Zukunft: Recycling, die Verwendung lokaler Rohstoffe, aber auch genossenschaftliche Zusammenschlüsse, um die Materialversorgung selbst in die Hand zu nehmen, seien eine Möglichkeit.

Das häufig diskutierte Thema Exportstopp erfuhr von den meisten Teilnehmern derweil eine Absage. „Davon kann man nur abraten“, so der Ökonom Gerald Mann mit Blick auf mögliche Gegenreaktionen anderer Staaten. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig, der die Runde moderierte, zeigt sich eher abgeneigt.

Ulrich Scheffler, Geschäftsführer des Freizeitgeräteherstellers Kaiser & Kühne aus Eystrup, schloss sich im Nachgang der Konferenz gegenüber der Kreiszeitung einer Aussage der Staatssekretärin an: Die Situation wird sich auf einem hohen Niveau wieder beruhigen. Bis dahin seien eine ruhige Hand und Augenmaß bei der Unternehmensführung erforderlich, so Scheffler. Von Hamsterkäufen zu horenden Preisen hält er wenig. Für die Zukunft prognostiziert er aber: „Man wird vorsichtiger werden, vielleicht wird es etwas mehr Lagerhaltung geben.“ Der Tenor, auch der anderen Konferenzteilnehmer: Die Zeiten des Überflusses sind womöglich bald Geschichte.

Ulrich Scheffler, Geschäftsführer des Freizeitgeräteherstellers Kaiser & Kühne aus Eystrup.

Schefflers Unternehmen hatte bislang nach eigener Aussage nicht mit Engpässen und Lieferverzögerungen zu kämpfen. „Wir sind da gut durchgekommen. Auch weil wir langfristige Lieferverträge haben“, so der Geschäftsführer. Aufgrund hoher Qualitätsstandards habe Kaiser & Kühne seine Zulieferer schon immer gut im Blick.

Mit Blick auf die aktuelle Rohstoffkrise ist der Unternehmer überzeugt: „Es ist nicht so, dass man nichts machen könnte.“ Eigene Lieferketten aufzubauen sei ein Schritt, der zwar viel Geld koste, aber auch mehr Sicherheit biete.

Während viele Bau-Unternehmer dieser Tage schauen müssen, wie sie mit den Rohstoff-Engpässen umgehen, kommen aus dem Wirtschaftsministerium viel Verständnis, aber auch beruhigende Signale. Die Staatssekretärin betonte zwar: „Ich denke, das wird sich in wenigen Wochen nicht zur Zufriedenheit verändern.“ Von einem Abteilungsleiter des Wirtschaftsministeriums hieß es jedoch in der Videokonferenz: „Das Thema ist zurecht auf der Agenda und wir arbeiten an verschiedenen Stellen daran.“

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