Der Riese ist zurück an der Hünenburg

Der Hünenburg-Riese war zwei Wochen in Pflege. Jetzt strahlt er wieder in der historischen Schuzwallanlage. Dafür sorgten Stefan Meyer mit Sohn Bennet, Manfred Feldmann (hinter der Figur) und Tessa Feldmann mit Tochter Jule (v.l.). Foto: Theo Wilke

Stöttinghausen - Von Theo Wilke. Renoviert und aufgehübscht: Seit Kurzem thront der Riese etwa 3,50 Meter hoch am Rande des Innenhofes der Stöttinghauser Hünenburg, gegenüber vom Backhaus und Unterstand. Ehrenamtliche des Heimatvereins haben dafür gesorgt, dass die sagenhafte Gestalt wieder farbenprächtig zu einem Hingucker geworden ist.

In Zeiten der Corona-Krise ist es auch still geworden in und um die historische Schutzwallanlage am Rande des Twistringer Stadtgebietes. „In den vergangenen Wochen waren wir aber nicht untätig. Wir haben den Riesen auf der Hünenburg abmontiert. Er war für gut zwei Wochen in ,Quarantäne“, erzählt Manfred Feldmann. Der Vorsitzende des Heimatvereins Scharrendorf-Stöttinghausen zur Hünenburg zeigt in die Runde. Das Gelände sei vorbereitet worden auf die eigentliche Eröffnung der Ausflugssaison zum 1. Mai. Aber die Corona-Pandemie habe den Start verhindert.

Man habe die veranstaltungsfreie Zeit genutzt und unter anderem die Hüneburg-Figur grundsaniert, neu verleimt, ihr einen neuen Anstrich verpasst und die Oberfläche lasiert, damit der Riese nun wieder für lange Zeit der Mittelpunkt der Anlage ist.

Vor gut zehn Jahren sei der Hüne schon einmal farblich aufgehübscht worden, erinnert sich Manfred Feldmann. Damals habe sich Tessa Feldmann darum gekümmert. „Dieses Mal war die Erneuerung besonders dringend. Die Farben waren ziemlich verblichen, auch der hölzerne Untergrund war nicht mehr gut“, erklärt Tessa Feldmann.

Der Vorsitzende brachte das Kunstwerk für drei Tage zu Stefan Meyer in die Werkstatt. Der Hobbykünstler, der bekannt ist für seine kreativen Arbeiten aus altem Eisen und Fundholz, machte sich daran, die Platte des Riesen zu überarbeiten, verpasste ihr einen wasserfesten Leim sowie ein wetterbeständiges Harz. Sohn Bennet (4) half fleißig mit.

Für den nächsten Schritt erklärte sich wiederum Tessa Feldmann bereit. „Vor zehn Jahren sah der Riese wie ein Jüngling aus. Nun sollte er wieder etwas ernster aussehen und auch älter“, war ihre eigene Vorgabe.

Damals benutzte die Hobbymalerin Lackfarben, in diesem Jahr Acrylfarben, „weil sie feiner sind und man mehr ins Detail gehen kann“. Drei Tage brauchte sie. Auf der eigenen Terrasse wurde die Riesen-Platte zunächst abgeschliffen, dann vorgrundiert und schließlich die Figur des Riesen mit neuen Farben herausgearbeitet, auch die Feinheiten für den Faltenwurf. Dabei half Tessa deren Tochter Jule (7). „Ich hab einen Riesen flachgelegt. Kommt auch nicht oft vor, dass man so einen auf der Terrasse hat“, scherzt die Malerin, als der Riese wieder an seinem angestammten Platz steht.

Die Sage vom Riesen in der Stöttinghauser Hünenburg gebe es inzwischen schon in mehreren Versionen, erzählt Manfred Feldmann. Nachzulesen sind sie unter anderem im Twistringer Sagenbuch und in Veröffentlichungen der Stadt Twistringen.

Diese Geschichte handelt vom hemmungslosen Hünen, der die Menschen drangsaliert – solange, bis Angst und Schrecken in Wut und Empörung umschlagen und sich die Unterdrückten befreien.

Unmengen von Getreide hat das „riesenhafte Monstrum“ zuvor den Dorfbewohnern abgepresst, zentnerschwere Brotlaibe in seinen Backofen geschoben. „Als er wieder einmal vollgefressen und satt in seinem Ofen lag und schnarchte, rotteten sie sich zusammen, verkeilten den Einstieg, warfen Reisig und Stroh auf dieses Gefängnis und heizten gewaltig ein (...).“ Im Twistringen-Buch schreibt Historiker Bernhard Fies weiter: „Wie von einem mächtigen Scheiterhaufen schlugen die Flammen in den Himmel (...). Zu Tode erschrocken und mit letzter Verzweiflung gelang es dem ach so großen Herrn, ein Loch in die Mauer zu stoßen und einen Arm freizubekommen.“

Aber da sind die Borweder zur Stelle, mit langen Forken häufen sie erfolgreich neues Brennmaterial auf und verdienen sich so ihren Namen „Brovwehr“. Der Backofen stürzt in sich zusammen und begräbt den schrecklichen Riesen, der in den Flammen umkommt.

Dies dürfen sich Ausflügler und Besucher auch in Zukunft erzählen lassen, wenn städtische Gästeführungen wieder erlaubt sind. Noch steht Corona dagegen.

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