Gegen Lebensmittelverschwendung

Restlos glücklich – auch an Weihnachten

Aus Lebensmittelresten lässt sich Leckeres zaubern.
+
Aus Lebensmittelresten lässt sich Leckeres zaubern.

Weihnachten naht, und damit die Zeit des Genießens. Ob Würstchen mit Kartoffelsalat, Raclette oder Festtagsbraten: Der Tisch ist in vielen Familien reich gedeckt, immerhin geht Liebe bekanntlich durch den Magen. Nur: Dort landen viele Lebensmittel gar nicht. Stattdessen wandern sie in den Müll. Der Verein „Restlos Glücklich“ mit Sitz in Berlin kämpft gegen Lebensmittelverschwendung. Die erste Vorsitzende ist die gebürtige Twistringerin Leoni Beckmann.

  • Verein „Restlos Glücklich“ kämpft gegen Lebensmittelverschwendung
  • Eine zweite Chance für 48,88 Tonnen Nahrung
  • Was jeder einzelne tun kann, damit weniger im Müll landet

Twistringen – Weltweit landen jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel im Müll. Das schildert Wenke Heuts, die bei dem Verein „Restlos Glücklich“ im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig ist. „Das Paradoxe ist: Ein Drittel davon wäre noch einwandfrei genießbar“, sagt sie. In Deutschland würden Jahr für Jahr rund 18 Millionen Tonnen weggeschmissen. „Das ist so viel, dass man damit eine Lastwagen-Karawane von Berlin bis nach Kapstadt befüllen könnte.“ Heuts bezieht sich auf die Studie „Das große Wegwerfen“ des WWF (World Wide Fund For Nature).

Zu krumm, abgelaufen oder falsch etikettiert

Gründe für die Verschwendung gibt es viele. Mal liegt es am Mindesthaltbarkeitsdatum, mal sind die Lebensmittel falsch etikettiert oder einfach nur krumm.

In den Augen von Leoni Beckmann, erste Vorsitzende von „Restlos Glücklich“, sollte Nahrung mehr wertgeschätzt werden. Daher hat die gebürtige Twistringerin 2015 zusammen mit ihrer Mitstreiterin Anette Keuchel und vielen ehrenamtlichen Helfern im Berliner Bezirk Neukölln das Lokal „Restlos Glücklich“ eröffnet. Laut Wenke Heuts war es das erste Lokal in Deutschland, in dem mit aussortierten Lebensmitteln gekocht wurde.

Die Gründerinnen Anette Keuchel und Leoni Beckmann

Das kleine Restaurant gibt es nicht mehr. Doch der Verein „Restlos Glücklich“ ist aktiver denn je. Knapp 30 Ehrenamtliche und zwölf Hauptamtliche engagieren sich dort.

„Noch immer werden mehrmals wöchentlich Lebensmittel wie krummes Gemüse, Brot vom Vortag oder falsch etikettierte Ware von kooperierenden Supermärkten gerettet und zu extravaganten Menüs verarbeitet – allerdings sind diese nun nicht mehr einer zahlenden Kundschaft vorbehalten“, berichtet Heuts. Um das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln zu stärken, habe sich der Verein in den vergangenen Jahren zunehmen auf Bildungsarbeit fokussiert.

Kochen mit geretteten Lebensmitteln

Die Mitglieder kochen bei Workshops mit dem geretteten Lebensmitteln und geben Tipps zur richtigen Lagerung. Der Verein bietet zudem Team-Events oder Vorträge zu Lebensmittelwertschätzung und klimaverträglicher Ernährung an. Dabei muss manches aktuell auf digitalem Weg stattfinden – Corona lässt grüßen.

„Von 2015 bis heute haben wir durch direkte Bildungsarbeit wie Workshops und Aktionen etwa 4 0.000 Menschen erreicht, ein Vielfaches über unsere Social-Media-Kanäle sowie Presse-Berichterstattung“, so Wenke Heuts. Sie hat noch weitere Erfolgszahlen parat: „Seit unserer Gründung haben wir 48,88 Tonnen Lebensmitteln eine zweite Chance gegeben. Ein weiter positiver Effekt sind die 2652 Kilogramm CO2, die in einem Jahr eingespart werden. Das entspricht 18 980 Autokilometern.“

Das ambitionierte Ziel des Vereins sei, gesunde, klimafreundliche Ernährung aus der Öko-Nische herauszuholen. „Lebensmittelwertschätzung soll Mainstream werden – doch bis es so weit ist, ist es noch ein weiter Weg.“

Weiter führt sie aus: „Weil Essen auch politisch ist, haben wir mit unseren Partnerorganisationen ,Too Good To Go‘, ,Sirplus‘ und ,Foodsharing‘ das Bündnis Lebensmittelrettung initiiert. Als starke Stimme für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln wollen wir den öffentlichen Diskurs mitgestalten.“

Auch in Schulen und Kitas aktiv

Der Verein arbeitet auch mit Schulklassen. In den vergangenen drei Jahren hat er an 78 Schulen 2076 Schüler zu Lebensmittelrettern ausgebildet. In Kitas und Vorschulgruppen sind Mitglieder ebenfalls aktiv. In diesem Zusammenhang ist auch ein Kinderbuch entstanden. Es erscheint im Februar und trägt den Titel „Benja & Wuse – Essensretter auf großer Mission“.

Darüber hinaus tourte der Verein im Herbst im Rahmen einer Berliner Infokampagne mit dem „Restlos Rad“ durch Berlin. An der mobilen Fahrradküche gab es klimaverträgliche Köstlichkeiten und Tipps, wie sich jeder im Alltag abfallreduziert ernähren kann. Weitere Aktionen sind geplant.

Mit diesen und weiteren Projekten ist der Verein vor allem in Berlin aktiv. Bei den derzeitigen digitalen Workshops nehmen aber Menschen aus der ganzen Welt teil. So gab es zum Beispiel Onlineworkshops mit Gruppen aus Taiwan und Südafrika.

Mit Spaß bei der Sache: Die Mitglieder des Teams von „Restlos Glücklich“ wünschen sich mehr Wertschätzung für Lebensmittel.

All das Engagement bleibt nicht unbeachtet. 2017 hat „Restlos Glücklich“ den Bundespreis von „Zu gut für die Tonne“ gewonnen. In diesem Jahr war er wieder nominiert. Außerdem wurde er vom „Land der Ideen“ mit der Urkunde der Initiative „#beyondcrisis – Zeit für neue Lösungen“ sowie dem #reducefoodwaste education award 2019 ausgezeichnet. Beim Roman Herzog Preis 2020 gab’s den zweiten Platz.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Vereins Restlos Glücklich

Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Was kann man im eigenen Haushalt tun, damit weniger Essen im Müll landet? Der Verein „Restlos glücklich“ gibt folgende Tipps:

- Kühlschrank leer? Einkaufslisten minimieren die Impulskäufe

- Wenn oft Reste verderben: Kleinere Verpackungsgrößen wählen

- Lebensmittel richtig lagern – so bleiben sie länger frisch

- Lebensmittel möglichst komplett verwerten – vom Blatt bis zur Wurzel

- Essensreste weiterverarbeiten, zum Beispiel altes Brot zu Croûtons und Obst zu Marmelade

- Obstreste portionsweise als Püree einfrieren – perfekt für schnelle Smoothies

- Nicht zu sehr ans Mindesthaltbarkeitsdatum klammern, sondern ruhig den eigenen Sinnen vertrauen. Riecht es gut, sieht es gut aus, ist es auch gut. Wirklich ernst nehmen sollte man das Verbrauchsdatum

- Verschenken statt wegschmeißen! Vor dem Urlaub bei den Nachbarn klingeln oder Verteil-Plattformen nutzen

- Reste-Box ins Restaurant (wenn sie denn wieder öffnen dürfen) mitnehmen

- Fermentiertes Gemüse hält sich lange, schmeckt und ist gesund.

- Welke Salatköpfe in Zuckerwasser oder in kaltes Wasser mit einer Kartoffelscheibe legen, bis sie wieder knackig sind

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

So fährt es sich im Ford Mach-E

So fährt es sich im Ford Mach-E

Desserts mit Gemüse zubereiten

Desserts mit Gemüse zubereiten

Meistgelesene Artikel

Zufälle gibt’s: Lotto-Spieler gewinnt knapp 10 Millionen Euro

Zufälle gibt’s: Lotto-Spieler gewinnt knapp 10 Millionen Euro

Zufälle gibt’s: Lotto-Spieler gewinnt knapp 10 Millionen Euro
Twistringerin kritisiert fehlende Wertschätzung für pädagogisches Personal

Twistringerin kritisiert fehlende Wertschätzung für pädagogisches Personal

Twistringerin kritisiert fehlende Wertschätzung für pädagogisches Personal
Stadtwerke-Kunden: 68 Prozent müssen nachzahlen

Stadtwerke-Kunden: 68 Prozent müssen nachzahlen

Stadtwerke-Kunden: 68 Prozent müssen nachzahlen

Kommentare