Tausende Rückmeldungen

Unternehmer schickt Kassenbons nach Berlin: Von Reaktionen überwältigt

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Fritz Wüppenhorst sammelt kartonweise unerwünschte Kassenbons.

Sowohl bei Kunden als auch Geschäftsinhabern hat die seit 1. Januar geltende Kassenbon-Pflicht Frust ausgelöst. Fritz Wüppenhorst, Unternehmer aus Twistringen und Betreiber einer Tankstelle mit angegliedertem Markt und Bistro, hat unerwünschte Kassenzettel gesammelt – und drei Kartons nach Berlin zu Olaf Scholz geschickt. Die Rückmeldungen waren überwältigend.

Update, 10. Januar: Immer wieder hat der Twistringer Unternehmer Fritz Wüppenhorst (67) Reaktionen auf seine Aktion erhalten, drei Kartons mit den ungeliebten Kassenbons nach Berlin zu schicken. Allein auf der Facebook-Seite von kreiszeitung.de reagierten 1.660 Leser, 348 schrieben Kommentare. „Die meisten waren positiv“, sagt Fritz Wüppenhorst, der jetzt auf eine Antwort aus der SPD-Zentrale in Berlin wartet. 

Denn: „Nur drei bis fünf Prozent unserer Kunden wollen einen Bon“, berichtet der Unternehmer über den Alltag in der Tankstelle mit Compactmarkt und Bistro an der Bremer Straße in Twistringen. 

Belege gehen beim Finanzamt Syke ein

Ziel der neuen Bonpflicht ist es, Steuerhinterziehungen aufzudecken. Aber funktioniert das nicht nur, wenn Kunden dem Finanzamt ihre Bons zur Verfügung stellen? Dass solche Belege beim Finanzamt Syke bereits eingegangen sind, bestätigt auf Anfrage dessen Vorsteher Andreas Beyer. „Aber es sind Einzelfälle.“ Und die habe es vor Einführung des neuen Gesetzes schon gegeben – verbunden mit dem Wunsch von Bürgern, das Finanzamt möge in dem betreffenden Geschäft doch eine Betriebsprüfung durchführen. Unabhängig davon hätten Betriebsprüfer bei Testkäufen schon selbst Kassenbelege bekommen. Die habe es ja vor Einführung des neuen Gesetzes schon gegeben – in Supermärkten, Hotels und Restaurants zum Beispiel. 

Aus Sicht des Finanzamtes schafft die neue Bonpflicht durchaus Klarheit. Denn: „Die Informationen, die auf dem Bon stehen, sind nicht automatisch im System hinterlegt“, betont Andreas Beyer. Gemeinsam mit einer Betriebsprüferin stellt er klar: Solange kein Beleg ausgedruckt sei, könne man nicht sicher sein, was genau in die Kasse eingetippt wurde – womöglich andere Produkte oder andere Beträge. Das könne erst mit dem Bon nachvollzogen werden. Er schafft also Transparenz. 

Weitere Standards für Registrierkassen

Registrierkassen müssen ab 1. Oktober über weitere Sicherheitsstandards verfügen: „Die Seriennummer des Kassensystems und des Sicherheitsmoduls sind verpflichtend.“ Genau das schiebe Manipulationsmöglichkeiten, zum Beispiel durch veränderte Software, einen Riegel vor. Deshalb könne das Finanzamt wesentlich effektiver prüfen. Ohne zusätzliches Personal.

Originaltext, 8. Januar: Twistringen – Fritz Wüppenhorst ist Unternehmer – und Pragmatiker. Seit 1974 betreibt er in Twistringen ein Autohaus mit Werkstatt, zu dem auch eine Tankstelle mit einem gut sortierten Compact-Markt nebst Bistro an der Bremer Straße gehört. 

Seit 1. Januar, seit dem Start der Kassenbon-Pflicht, ist der Handwerksmeister gefrustet: „Das kann ich so nicht durchgehen lassen. Ein absoluter Schildbürgerstreich!“, ärgert sich der 67-Jährige – und hat bereits gehandelt: „Drei Kartons voll mit Bons habe ich schon nach Berlin geschickt.“

Kassenbons gehen per Post an Vizekanzler Olaf Scholz

Adressiert hat er sie an die SPD-Zentrale, weil der sozialdemokratische Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz das Zettel-Gesetz verteidigt hat. Fritz Wüppenhorst dagegen meint: Es ist absolut sinnlos. „Wenn jemand zum Beispiel 7,60 Euro bezahlen muss, dann steht dieser Betrag auf dem Display der Kasse. Da schaut der Kunde hin – und dieser Betrag wird auch verbucht!“

Trotzdem sei es Pflicht, den Kunden den ausgedruckten Bon an die Hand zu geben. „Die meisten lachen drüber“, beschreibt Fritz Wüppenhorst deren Reaktion. Nur Einzelne würden ihn mitnehmen, andere die Kassenzettel wiederum achtlos auf den Hof werfen – was dem Unternehmer noch mehr Arbeit macht: „Die müssen wir dann wieder zusammenfegen.“

Kunden können Kassenbons in die Tonne werfen

Nach den ersten Erfahrungen dieser Art hat Fritz Wüppenhorst eine Tonne aufgestellt, in die sowohl die Kunden als auch er und seine Mitarbeiter die ungeliebten, abgelehnten Kassenzettel werfen.

Deren Inhalt reichte bisher für drei stattliche Kartons, die der 67-Jährige postwendend auf die Reise in die Bundeshauptstadt schickte. „Dort sind sie auch angekommen und angenommen worden“, stellt der Unternehmer fest. Selbstverständlich hat er die Paketlieferung verfolgt – und nicht umsonst für jedes elf Euro Porto bezahlt.

Im Schnitt nutzen rund 500 Kunden pro Tag die Tankstelle mit Compact-Markt nebst Bistro, berichtet Fritz Wüppenhorst. Öffnungszeiten: rund um die Uhr an fast 365 Tagen im Jahr. Nur Heiligabend und Silvester ist von 18 Uhr bis 7 Uhr geschlossen. Jeweils zwei Mitarbeiter arbeiten in vier Schichten.

Bon-Pflicht: Unternehmer braucht drei Rollen Spezialpapier pro Tag

Kunden bekommen bei Wüppenhorst nicht nur Treibstoff für ihre Fahrzeuge, sondern auch Getränke, Süßwaren und eine große Auswahl an Snacks. Außerdem ist das Angebot an Lebensmitteln gut sortiert – selbst Mehl ist zu haben, wenn für eine spontane Backaktion in der heimischen Küche keines mehr vorhanden ist. Und: Grillkohle gibt es auch im Winter. Die sei gerade in der Weihnachtszeit stark nachgefragt gewesen, verrät Fritz Wüppenhorst.

Etwa drei Rollen Spezialpapier braucht der Unternehmer pro Tag, um alle Kassenbons auszudrucken: „Eine Rolle kostet 98 Cent“, rechnet der 67-Jährige vor – also pro Jahr ein Betrag von mehr als 1 000 Euro. Viel entscheidender sind für ihn aber die Inhaltsstoffe des Papiers. Zwar dürfen Thermorollen für Kassenbons laut EU-Vorgabe nicht mehr die gesundheitsschädliche Chemikalie Bisphenol A enthalten.

Trotzdem kann sich Fritz Wüppenhorst gut vorstellen, wie in einem Bäckereifachgeschäft zum Beispiel der unsichtbare Staub aus dem Druckvorgang der Kassenbons langsam über die Brötchen rieselt.

Unternehmer wartet auf Antwort aus SPD-Zentrale

Der 67-Jährige hat längst ausgerechnet, dass er an der Wüppenhorst-Tankstelle bis Mitte Februar einen 16-Tonner voller Kassenbons gesammelt haben wird. Jetzt wartet er auf Antwort aus der SPD-Zentrale zum frustrierenden Gesetz: „Ich will wissen, warum?!“

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