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Wärme in Coronazeiten: Twistringerin verschenkt Körnerkissen vor Testzentrum

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Von: Katharina Schmidt

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Liebt das Rattern der Nähmaschine: Janett Rohe hat 300 kleine Wärmekissen genäht.
Liebt das Rattern der Nähmaschine: Janett Rohe hat 300 kleine Wärmekissen genäht. © Katharina Schmidt

Manchmal muss man erst krank werden, um zu sehen, was im Leben wirklich zählt. Bei Janett Rohe war es so. Am Dienstag will sie in Twistringen vor einem Testzentrum kleine Körnerkissen verschenken. Es soll eine herzliche Geste in Zeiten von Corona sein.

Twistringen – In der Pandemie gilt es, Abstand zu halten und Kontakte zu vermeiden. Janett Rohe wünscht sich, das Miteinander dabei nicht zu vergessen. „Auch in Zeiten von Corona sollten wir darüber nachdenken: Was macht der Nachbar? Geht es ihm gut?“ Um im wahrsten Sinne des Wortes Wärme zu verteilen, hat sie 300 kleine Körnerkissen genäht. Sie will sie am Dienstag, 25. Januar, ab 16 Uhr beim Testzentrum im Sonnenstudio an der Steller Straße in Twistringen verschenken.

Eine herzliche Geste, die den Menschen auf dem Weg ins Testzentrum Freude bereiten soll. Die rechteckigen Wärmekissen, gefüllt mit Weizenkörnern, liegen schon in Janetts Nähstübchen bereit. Mit der kleinen Änderungsschneiderei an der Oberen Delme hat sich die 41-Jährige einen Lebenstraum erfüllt.

Seit ihrer Kindheit wollte sie als Näherin arbeiten. Sie lacht kurz auf und schüttelt leicht den Kopf. „Da musste ich erst krank werden, um zu kapieren, wie kurz das Leben ist, und endlich mein Ding durchzuziehen.“

Nähen gibt Kraft für Kampf gegen Krebs

Krebs. Janett Rohe hat mehrere Metastasen im Körper. „Ich hab sogar Jubiläum. Ich hab jetzt mein zweites Therapieheft. Das schafft kaum einer“, erzählt sie mit einer Portion Galgenhumor. Das Nähen helfe ihr dabei, stark zu bleiben. „Ich möchte nicht aufgeben“, sagt sie. Und sie will andere motivieren, ebenfalls weiter zu kämpfen.

Während sie über ihre Krankheit und ihr kleines Gewerbe redet, sitzt sie mit einem Milchkaffee am Küchentisch. Auf ihrer Tasse rankt sich ein Blumenmuster um den Schriftzug „Irmgard“. Es ist der Name ihrer Oma. Die weckte einst Janett Rohes Leidenschaft fürs Nähen.

„Sie hatte so eine Nähmaschine, die man noch treten musste.“ Rohe denkt gerne daran zurück. Früher war sie in den Ferien immer bei ihrer Großmutter. Von Oma Irmgard lernte sie nicht nur das Nähen, sondern auch Stricken und Häkeln.

„Für die Ausbildung zur Näherin war in meinem Leben immer kein Platz“, führt Janett Rohe aus. Sie sei früh von zu Hause weg. Während einer Ausbildung zur Näherin hätte sie zu wenig verdient, um sich durchzuschlagen, erklärt sie. Sie arbeitete unter anderem als Zahnarzthelferin, half in der Gastronomie, putzte oder zerlegte und vakuumierte Hähnchen in einem Fleischbetrieb. „Ich hab in sämtlichen Berufen gearbeitet. Aber ich habe immer gearbeitet“, so die mehrfache Mutter.

Die kleinen Kissen sind mit Weizenkörnern gefüllt und aus Stoffresten genäht.
Die kleinen Kissen sind mit Weizenkörnern gefüllt und aus Stoffresten genäht. © -

Sie ist in Eisenach geboren, bezeichnet sich selbst als „Kind der DDR“. Über mehrere Stationen, darunter Paderborn, landete sie schließlich 2018 in Marhorst. Der Umzug an die Obere Delme in Twistringen folgte 2021.

In ihrer Nähstube kürzt sie zum Beispiel Hosen oder näht Reißverschlüsse ein. Mit den Wärmekissen, die sie am Dienstag verschenken will, möchte sie auch auf ihr Angebot aufmerksam machen.

Die kleinen Kissen lassen sich kurz in der Mikrowelle erwärmen – etwa eine Minute, nicht länger – und sich dann zum Beispiel an kalten Tagen in den Handschuh, die Jackentasche oder die Hosentasche legen. Rohe hat sie aus Stoffresten gezaubert. Sie versucht, sparsam zu leben, nichts zu verschwenden und Altes zu verwerten. So unterstützt sie auch das „Twistringer Büdel“-Projekt des fair ausgerichteten Twistringer Kaufhauses Fair Kauf, in dem sie ehrenamtlich aus ausgedienten Hemden Beutel näht.

Selbermachen und Wiederverwerten

Sie baut Gemüse an, backt Brot, stellt selber Joghurt her. Außerdem nutzt die Twistringerin Foodsharing-Angebote und rettet Lebensmittel vor der Tonne. Statt mit Strom zu saugen, fegt sie. Die Aufsätze für ihren Wischer – selbst genäht. Vieles hat sie gebraucht gekauft. Wie die Nähmaschinen, mit denen sie die kleinen Geschenke für die Aktion am Dienstagnachmittag gefertigt hat.

Von Katharina Schmidt

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