Flüchtlingskinder lernen spielend im Sprachcamp in Twistringen / Thema Zirkus

„Plötzlich ganze Sätze“

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In Kleingruppen geht es um Zirkus und Familie.

Twistringen - Von Theo Wilke. „Wir reden über Tiere, heute über die Elefantenfamilie. Das macht Spaß“, erzählt begeistert die zehnjährige Madlen Seifu im alten Pfarrzentrum in Twistringen. Madlen ist eines von 22 Flüchtlingskindern im Alter von acht bis dreizehn Jahren, die sich am Sprachcamp des Welthauses Barnstorf beteiligen.

„Einige Gesichter erkenne ich aus dem vergangenen Jahr wieder. Es ist schön zu sehen: Manche Kinder, die damals kaum deutsch sprechen konnten, bilden heute ganze Sätze. Madlen zum Beispiel spricht schon viel deutsch“, freut sich Camp-Koordinatorin Manuela Wiese vom Welthaus in Barnstorf.

Madlen möchte noch mehr erzählen: „Wir sprechen deutsch, wir reden auch über Zahlen.“ Mit ihren Eltern und drei Geschwistern ist sie aus Syrien geflohen. Die Familie wohnt in Bassum. Fällt das Stichwort Clown, leuchten sofort Madlens Augen. Für die Zehnjährige und ihre Schwester Maluz (9) macht das spielerische Lernen sichtlichen Spaß.

Isabelle Gerken, Zirkuspädagogin im Barnstorfer Zirkus Barbarella und seit ihrem achten Lebensjahr mit dem Zirkus verbunden, hilft den Kindern dabei, in andere Rollen zu schlüpfen, in einen Clown oder einen Löwen. Und Manuela Wiese ergänzt: „Gerade bei den Flüchtlingskindern brauchen wir fachkundige Hilfe. Und der Zirkus ist ideal dafür, dass die Kinder im Rollenspiel ihre Vergangenheit für diese Zeit hinter sich lassen.“ Die Jungen und Mädchen würden die Gruppengemeinschaft spüren. Durch Spaß und Bewegung falle ihnen die deutsche Sprache leichter. Auch beim Essen würden plötzlich ganze Sätze gesprochen.

Im Mittelpunkt steht die Integration

Im Mittelpunkt steht die Integration. „Es werden auch Gefühle vermittelt. Dabei erfahren die Kinder: Ich bin gewollt, ich bin angekommen“, sagt die 54-jährige Wiese. Die Kinder würden zwischendurch auch von ihren schlimmsten Erlebnissen während der Flucht erzählen. Oder was sie heute noch stark beschäftigt, sie belastet. Es sei ebenfalls ein Camp für Kinder mit ausländischen Wurzeln, die schon länger hier leben.

In diesen Ferien treffen sich die Kinder zum Teil mit Eltern sowie Studenten und Aktiven des Barnstorfer Zirkus Barbarella mit Manuela Wiese zum ersten Mal in Twistringen. Die Jungen und Mädchen, die im Pfarrzentrum in großer Runde sitzen, betrachten auf der Leinwand Zirkusbilder und erzählen, was ihnen dazu einfällt. Sie kommen aus Syke, Bassum, Affinghausen und Twistringen und beschäftigen sich anschließend in Kleingruppen mit dem zentralen Thema Familie. Zum Beispiel: die Elefantenfamilie im Zirkus. Was gibt es noch im Zirkus? Die Kinder melden sich eifrig und rufen herüber: Jonglage, Clownerie, Akrobatik und auch Löwen.

Die Twistringerin Wiese koordiniert für den Trägerverein zur Förderung ganzheitlicher Bildung (VGB) jedes Jahr Sprachcamps, gefördert vom „Zirkus macht stark“ mit Sitz in Berlin. Sie lobt auch die Kooperation mit der Caritas und der Twistringer Flüchtlingsinitiative (FiT).

Das Camp endet am Freitag, 21. Juli. Dann gibt es eine öffentliche etwa 45-minütige Zirkus-Vorstellung. Beginn ist um 11.30 Uhr. Das nächste Sprachcamp plant Manuela Wiese für die Herbstferien, vom 9.  bis zum 13. Oktober.

www.welthaus-barnstorf.de

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