Nachhaltigkeit im Fokus

Plastikverzicht und Youtube: Fleischerei Behrens ist am Puls der Zeit

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Volker Behrens ist in der fünften Generation der Inhaber des Twistringer Unternehmens, das inzwischen auch sechs weitere Standorte bedient. 

1903 gründete Johann Heinrich Behrens in Twistringen eine Fleischerei. Damals standen noch Hausschlachtungen im Fokus der Arbeit. Und obgleich das Unternehmen auch jetzt, 116 Jahre später, in der fünften Generation von „einem Behrens“ geleitet wird, sieht der Arbeitsalltag inzwischen komplett anders aus.

  • Die Twistringer Fleischerei Behrens ist am Puls der Zeit
  • Inhaber Volker Behrens legt Wert auf Nachhaltigkeit und Transparenz seiner Arbeit
  • Er begrüßt Plastikverzicht an der Theke und betreibt einen eigenen Youtube-Kanal für seine Fleischerei

Twistringen - Die Fleischerei ist mit ihren Aufgaben gewachsen. Und zwar nicht nur räumlich mit inzwischen sieben Standorten, sondern auch was die Produkte, die Verarbeitung und die Vermarktung (siehe Text unten) angeht. Eines der derzeit größten Themen für die Fleischerei ist die Reduzierung von Plastikmüll. Und so kommt es, dass jetzt immer mehr Menschen Fleisch und Wurst an der Theke in mitgebrachte Gefäße legen und auf umweltschädliche Umverpackungen verzichten können.

Am leichtesten ließ sich das Problem des Transports des gesamten Einkaufs lösen. „Zum Tragen dient in der Regel eine dünne Hemdchentragetasche.“ Gerade dafür benennt Behrens eine simple und gute Alternative: „Mir ist es am liebsten, wenn die Kunden ihre eigenen Tragetaschen mitbringen.“ Familie Meyer aus Wildeshausen hat schon versucht, ob und wie man auf Plastikmüll verzichten kann.

Kunden können eigene Tupperdose mitbringen

Komplizierter wird es bei der Schutzverpackung. Eine Option gibt es aber: „Die Kunden können ihre eigene Tupperdose mitbringen.“ Dabei gebe es zwar einige rechtliche Regularien zu beachten, doch im Rahmen dieser, sei bei Behrens alles erlaubt. „Wir dürfen die Gefäße nicht anfassen“, erklärt der Fleischer. „Der Kunde müsse es auf ein Tablett stellen. Das Ganze wird gewogen, dann kommt die Ware in den Topf und es wird erneut gewogen.“ Anschließend wird das Tablett wieder auf den Tresen gestellt. „Zumachen muss der Kunde den Topf dann selbst.“ 

Der Vorgang höre sich zunächst nicht kompliziert an, Behrens weist aber klar darauf hin, dass es damit nicht getan ist. „Es sei denn, man isst die Ware direkt auf. Das ist am leichtesten“, sagt er lächelnd. Ansonsten gibt es mehrere Schritte, die er den Kunden mit auf den Weg gibt, um Keimbildung zu vermeiden.

Fleisch und Wurst hochempfindliche Lebensmittel

Zunächst die Lagerung: „Es handelt sich bei Fleisch und Wurst – im Gegensatz zu Reis oder trockenen Nudeln – um hochempfindliche Lebensmittel.“ Diese würden bei der richtigen Gelegenheit ein Vergnügungspark für Keime sein, erzählt er lächelnd. Daher sei besondere Vorsicht geboten. Eine Option: Die Tupperdose geöffnet in den Kühlschrank legen. Man müsse nur darauf achten, dass nichts von oben rein tropft. Die Probleme dabei: Die Ware riecht, was nicht jeder mag, und die Ware wird mitunter schneller schlecht. Eine andere Option: Etwas saugfähiges Küchentuch mit in die Tupperdose legen.

Behrens rät: Vorsichtiger Umgang mit rohem Fleisch

Ist Fleisch oder Wurst aufgegessen, dürfen die Menschen zudem nicht sofort wieder mit dem Gefäß an die Fleischtheke laufen. Erst die richtige Reinigung, eliminiert zahlreiche Risiken, berichtet Behrens. Das Gefäß müsse sehr heiß gewaschen, getrocknet und offen gelagert werden. „Dabei ist darauf zu achten, dass keine kleinen Fliegen oder Ameisen an die Gefäße kommen.“ Das sei laut Behrens „alles machbar“, doch bei einem typischen Einkauf in der Fleischerei bräuchte der Kunde eventuell viele Tupperdosen, da verschiedene Fleischsorten nicht in ein Gefäß sollten.

Ihm ist es wichtig, diese Infos mit auf den Weg zu geben, da mit rohem Fleisch vorsichtig und bedacht umzugehen sei. Er erinnert an jüngste Vorfälle mit Listerien.

Damit wäre im Miteinander von Kunde und Fleischtheke schon sehr viel geschafft. Doch wie sieht es mit den Waren aus, die für die Selbstbedienung ausgelegt werden? Aus Schutzgründen wird dort viel Plastik verwendet. Dem Nachhaltigkeitsgedanken widerspreche außerdem, dass die meisten Angebote größere Mengen umfassen. Da könne es gut passieren, dass etwas übrig bleibt und weggeschmissen werden muss. Nachhaltig ist das nicht. Eine Patentlösung dafür fehlt auch Behrens noch.

Noch einmal zurück zur Theke: Wie denkt Volker Behrens über die strengen Regularien, die Anbieter und Kunden so viel Aufwand abverlangen? Sie seien im Bereich der Fleischverarbeitung sinnvoll. Und zuletzt müsse jeder für sich entscheiden, wie er vorgehen möchte.

Fleischerei Behrens: Online-Marketing auf Youtube

Fleischerei-Inhaber Volker Behrens setzt für die Vermarktung seiner Produkte auf einen eigenen Youtube-Kanal. Und dabei gibt er sich größte Mühe, dem Anspruch der Kunden gerecht zu werden – sowie seinem ganz persönlichen.

Für Volker Behrens ist ein wichtiges und brisantes Thema die Vermeidung von Plastikmüll beim Einkauf. „Das ist kein Modethema. Das wird bleiben. Und zwar zu Recht“, sagt Behrens. Er möchte deshalb in Form von Videos differenziert darüber sprechen, wie sich möglichst umweltbewusster Einkauf beim Fleischer gestalten lässt. Alle Vor- und Nachteile, beleuchten, ohne jemandem vorzuschreiben, wie er sein Kaufverhalten anzupassen hat. Das bliebe immer dem Kunden selbst überlassen. Er betont jedoch: „Bei uns ist alles möglich.“

Videos sollen Einblicke in Behrens‘ Arbeit geben

Mit seinen Videos verfolgt er weiterhin die Absicht, transparent zu arbeiten, zu zeigen, was in seinem Unternehmen alles getan, geleistet und produziert wird. „Das macht total Spaß“, betont er. Ihn erfülle die Arbeit, neue Speisen und Zusammensetzungen zu kreieren und nah am Kunden zu sein. Sowohl hinter dem Tresen, als eben auch beim Videodienst Youtube.

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