Mit dem Pilgerpass zur Kathedrale

Bernhard Buschmann und Heinrich Harms fahren den Jakobsweg

Heinrich Harms (l.) und Bernhard Buschmann in Santiago de Compostela.

Twistringen/Santiago de Compostela - Von Sabine Nölker. Seit mehr als 1000 Jahren pilgern Menschen zum Grab des Apostels Jakobus in der spanischen Stadt Santiago de Compostela. Sie gehen den Jakobsweg, den Camino Frances, durch Nordspanien – von den Pyrenäen bis zur weltberühmten Kathedrale, wo das Grab des Apostels Jakobus Anfang des 9. Jahrhunderts gefunden wurde. Diesen Weg pilgerten vor Kurzem auch Bernhard Buschmann (69) und sein Freund Heinrich Harms (79) aus Twistringen – allerdings mit dem Fahrrad.

„Ein außergewöhnlicher Urlaub, den ich bestimmt nicht das letzte Mal gemacht habe“, erklärt Buschmann. Für Harms war es bereits die dritte Pilgerreise. „Und die letzte“, allerdings mit der Einschränkung: „Außer wenn meine Frau Hedwig sie noch einmal mit mir machen möchte“.

Harms erwanderte 1994 und 1999 den über 700 Kilometer langen Weg zu Fuß. In diesem entschieden sich die rüstigen Senioren für die Fahrräder. Der Jüngere nahm sein Elektrorad, der Ältere eines ohne Elektroantrieb. „Allerdings ließ ich dafür die Pässe aus und wechselte auf Bus und Taxi“, sagt Harms.

Nachdem man im Auto über Twistringens Partnerstadt Bonnétable gestartet war, erreichte das Duo nach 1750 Kilometern Pamplona in Nordspanien.

Die unendliche Weite ist beeindruckend

Als sie auf ihre Fahrräder stiegen, lagen 711 Kilometer vor ihnen – und das in einer Hitzeperiode und bei 35 Grad Celsius. 58 Kilometer legten sie bis Estella zurück. Die anstrengende Etappe bescherte ihnen harte und lange Steigungen. Es gab kaum Schatten. „Die unendliche Weite war jedoch beeindruckend“, erinnert sich Bernhard Buschmann. „Wir konnten von den Bergen kilometerweit ins Land schauen“.

Erschöpft erreichten sie am Abend ihre erste Pilgerschlafstätte, übernachteten in einem Schlafsaal mit bis zu 20 Etagenbetten. Aber anstatt sich sofort ins Bett zu legen, mussten erst die verschwitzten Klamotten gewaschen und zum Trocknen aufgehängt werden. „Wir konnten ja nicht viel Gepäck mitnehmen“, erläutert Buschmann.

Zum Essen mussten sie Lokale oder Bäckereien aufsuchen.

„Die Pilgerherbergen bieten lediglich frische Bettwäsche und eine Waschgelegenheit“, fügt Heinrich Harms hinzu. Zum Essen mussten sie Lokale oder Bäckereien aufsuchen. „Aber die Menüs mit Vorsuppe oder Salat, Hauptgericht und Nachtisch sowie eine Flasche Wein kosten dort nur acht bis zehn Euro.“ Die Dörfer und Städte entlang des Pilgerwegs hätten sich auf die vielen Touristen eingestellt, mit sehr humanen Preisen. „Am Ende haben wir mehr für Getränke als für Essen und Übernachtungen ausgegeben“, sagt Harms.

Ohne Vorbereitung stoßen Pilger an ihre Grenzen

So näherten sich die Twistringer Tag für Tag ihrem Ziel. Immer im Gepäck den „Credencial“, den Pilgerpass, ausgestellt in Aachen. In jedem Ort oder in jeder Herberge erhalten die Pilger einen Stempel. Nur wenn man genügend Stempel gesammelt hat und die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer ohne längere Unterbrechung mit dem Rad zurückgelegt hat, erhält man am Ziel die Compostela-Urkunde.

Buschmann und Harms hat die Vielzahl an Menschen überrascht, die sie täglich überholten. Die Pilger hatten als Erkennungszeichen die Jakobsmuschel an Rucksäcken, Kleidung oder am Fahrrad. „Wir haben auch Leute getroffen, die aufgeben mussten“, erzählen die beiden. Man müsse ein geübter Wanderer oder Radfahrer sein.

„Einfach so loslaufen, da stoßen viele an ihre Grenzen“, so Harms. Deshalb ließ er die ganz harten Etappen der Reise aus. Zum Beispiel zwei Bergpässe, bei denen mehr als 1 600 Höhenmeter überwunden werden mussten. Das sei nur mit dem Elektrorad möglich, da es über 20 Kilometer nur bergauf geht. „Ich habe die Abfahrten dann richtig genossen und musste aufpassen, nicht schneller als 50 Stundenkilometer zu fahren“, erinnert sich Buschmann. War er allein, dachte er viel nach. „Ich kam richtig zur Ruhe und fühlte mich wunderbar“.

Die Räder fahren mit dem Kurier zurück, die Pilger mit der Bahn

Am 14. Tag erreichten die Twistringer die Kathedrale in Santiago de Compostela. „Beeindruckend, denn es ist nicht nur eine Kathedrale, sondern eine ganze Stadt, ähnlich wie die Vatikanstadt in Rom“, schildert Buschmann immer noch begeistert.

In der Kathedrale erlebten die beiden Freunde einen italienischen Gottesdienst in einer Seitenkapelle. „Aber die Statue des Heiligen Jakob haben wir nicht umarmt“, zu groß sei der Andrang gewesen.

Am nächsten Tag reisten sie gemeinsam nach Finisterre, dem äußersten Punkt Spaniens am Atlantik. „Hier warfen früher die Pilger ihre durchgewanderten Schuhe ins Meer“, so Harms. „Ein wunderschöner Abschluss unserer Reise“, meint Buschmann.

Am Ende gab es noch ein Problem: Die spanische Eisenbahn nimmt Fahrräder nur im zerlegten Zustand mit. Von einem Bekannten erfuhren sie, dass ein internationaler Kurierdienst „unsere Räder bis vor die Haustür transportiert, und das für wenig Geld“. Eine Woche habe das gedauert.

Einer von vielen Tipps, die Harms und Buschmann gerne an alle weitergeben, die sich auf den Jakobsweg begeben möchten.

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