Pfarrei St. Anna: Diakon Bernhard Sauer ist noch nicht so richtig angekommen

Das soziale Auge der Kirche

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Herzliches Willkommen bis vor kurzem noch an der alten Pfarrhaus-Tür: Bernhard Sauer ist der erste ständige Diakon der Pfarrei St. Anna in Twistringen.

Twistringen - Von Theo Wilke. „Ich bin noch nicht so richtig angekommen. Ich vermisse mein Wohnheim immer noch“, gibt Bernhard Sauer zu. Aber der 46-Jährige, seit Anfang 2015 ständiger Diakon der Pfarrei St. Anna, merkt: „Es fühlt sich langsam authentischer an.“ Nach 16 Jahren als Leiter des Lebenshilfe-Wohnheims in Bassum hat Sauer ein neues berufliches Kapitel aufgeschlagen.

Zwei Jahre lang hat Bernhard Sauer nebenberuflich als Diakon gewirkt, ist 2012 zum Ständigen Diakon geweiht worden. Dass er nun ein Hauptamtlicher ist, verdankt der Bassumer dem Zweiten Vatikanischen Konzil – und Twistringens Pfarrer Arnold Kuiter. Denn der hatte im Mai 2014 den Bassumer gefragt, ob er sich vorstellen könne, hier der erste ständige Diakon im Dekanat zu werden.

Nach intensiven Gesprächen mit Ehefrau Angelika, die er beim Sozialpädagogik-Studium kennengelernt und 1996 geheiratet hatte, sowie den gemeinsamen vier Kindern hat sich Sauer für St. Anna entschieden. Dabei spielte auch die Befürchtung mit, irgendwann „betriebsblind oder müde“ zu werden.

Im konservativ-liberalen Elternhaus im hessischen Seligenstadt groß geworden, ist der junge Sauer „ziemlich frei auch im Denken aufgewachsen“. Nicht so sehr geprägt durch den Vater, einen Atomphysiker, Wissenschaftler und Skeptiker, was Religion angeht, sondern durch die Mutter, Buchhalterin von Beruf. Vorgezeichnet wurde sein Weg auch durch die Jugendarbeit in einer traditionellen Dorfgemeinschaft, Freizeiten und nach dem Abitur durch den Zivildienst mit spastisch-gelähmten Menschen in Darmstadt. „Das hat mir gut gefallen“, erinnert sich Bernhard Sauer.

Der studierte Sozialpädagoge und Theologe: „Priester zu werden, wäre eine Option gewesen.“ Aber er lernte seine spätere Frau kennen. Nach dem Studium engagierte er sich zwei Jahre als stellvertretender Leiter der Rummelsberger Anstalten in Unterfranken. Da seien sie aber nicht so richtig heimisch geworden.

Schwerer Abschied vom

Bassumer Wohnheim

Zum richtigen Zeitpunkt bot sich die Heimleiterstelle in Bassum an. Das bedeutete: mehr Zeit für den Sozialbereich und für etwa 50 Menschen. Die 16 Jahre als Heimleiter des Lebenshilfe-Wohnheims waren so intensiv, dass „mir der Abschied viel schwerer gefallen ist, als ich vorher gedacht habe. Aber Zweifel habe ich nicht an meiner Entscheidung“.

Erst seit einigen Tagen sitzt Sauer nun in seinem neuen Büro im sanierten Küsterhaus an der Steller Straße in Twistringen. „Meine Tür ist immer offen, wie in Bassum. Das brauche ich. Wer Rat oder Hilfe benötigt, soll nicht klingeln müssen. Ich möchte auch eher das soziale Auge der Kirche sein. Zukunft von Kirche bedeutet, sich mit Menschen guten Willens auf den Weg zu begeben“, betont der Diakon.

Auf die Frage, wie sich der neue Job jetzt anfühle, meint er: „Ganz anders. Jetzt trage ich deutlich weniger Verantwortung für Personal und Einrichtung – dafür mehr Prozessverantwortung in Einzelsituationen.“ In der Pfarrei funktioniere Teamarbeit anders als im Wohnheim, wo das gemeinsame Arbeiten im großen Team sicherstelle, dass Einrichtung und Betreuung gut laufen.

Ganz unterschiedlich sind seine Aufgaben für die Pfarrei. Ein Beispiel: morgens eine Beerdigung, nachmittags eine Taufe. „Ich lerne immer noch Menschen kennen.“ Und viele soziale Felder habe er noch gar nicht erschlossen, erzählt Diakon Sauer, dem die Ökumene besonders am Herzen liegt.

Der 46-Jährige geht die Zukunft optimistisch an: „Ich bin belastbar, kann strukturieren und Menschen begleiten, bei Konflikten moderieren – und das ist gut für meine Arbeit hier.“

Zur Person

Bernhard Sauer, geboren 1969 in Karlsruhe, verheiratet, vier Kinder.

1990-1994: Sozialpädagogik-Studium , Katholische Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern – dort 1990-1996 auch Theologie, Diplom-Abschluss.

1996-1998: Förderstätten- und Vize-Heimleiter Rummelsberger Anstalten, Unterfranken.

1998-2014: Heimleiter, Lebenshilfe Syke, Wohnheim Bassum, und Seniorenbetreuung.Seit Januar 2015: Ständiger Diakon der Pfarrei St. Anna im Dekanat Twistringen.Tätigkeiten: Liturgie mit Beerdigungen, Taufen, Trauungen, Predigtdienst, Gottesdienste in Altenheimen. – Ausschüsse: Diakonie auf Pfarrei-Ebene, Ökumene. – Sozialdiakonie: Vernetzung mit Caritas (Sozialberatung, Wohnungslosenhilfe) – Mitarbeit in der „Willkommenskultur“ (Flüchtlingsarbeit) – Notfallseelsorge, Öffentlichkeitsarbeit – Pastoralpraktische Wochen im Rahmen einer zweijährigen Weiterbildung für Ständige Diakone in Heiligkreuztal (Biberach).

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