Peter Huber hat 24 Jahre lang die Schullandlandschaft in Twistringen mitgeprägt / Heute feiert er seinen 90. Geburtstag

„Besonderes Völkchen mit Potenzial zum Praktischen“

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Peter Huber feiert heute seinen 90. Geburtstag.

Twistringen - Von Theo Wilke. „Es gibt kaum eine Reform, die wir nicht schon hatten. Schule ist ein Karussell, das verschiedene Bilder des Horizonts abgreift“, beschreibt Peter Huber. Die Schullandschaft ändere sich ständig, das mache es schwierig, Ratschläge zu geben“, sagt der gebürtige Oldenburger, der heute seinen 90. Geburtstag feiert. Bis Ende der 1980er-Jahre hat Huber fast ein Vierteljahrhundert als Schulleiter in Twistringen gewirkt.

Sein Wunsch: „Es wäre schön, wenn in der Schule das Schreiben mehr geübt würde.“ Kritisch verfolgt der Literaturfreund und leidenschaftliche Hobbyfotograf auch die heutige Kommunikation etwa über Handys. Und doch: So ganz ohne Internet geht es nicht mehr, geben Huber und seine aus Schlesien stammende Ehefrau Adelheid (82), ebenfalls pensionierte Lehrerin, zu. Die drei erwachsene Kinder leben nämlich in Hamburg.

Peter Huber wird am 11.April 1925 als Spross einer wohlhabenden Oldenburger Familie mit Sägewerk in Sandkrug geboren, wächst unbeschwert und glücklich auf. Als die Hubers Ende der 1920er-Jahre ihren gesamten Besitz in der Weltwirtschaftskrise verlieren, ernährt der Vater als Buchhalter die Familie. Die Mutter rät Peter: „Werd' man Beamter.“

Schulleiter und Schulrat drängen den 14-Jährigen zur Lehrerausbildung, und der mit der Familie befreundete Dechant Plump aus Delmenhorst möchte Peter kostenlos zum Priester ausbilden lassen. Dem Jungen ist das egal: Fotografieren kann man in jedem Beruf, sagt er sich. Fotografieren wird zu seiner Leidenschaft, die bis ins hohe Alter anhält – bester Beweis dafür sind mehr als 10000 Dias von „extrem vielen Reisen“, die Peter Huber später mit Ehefrau Adelheid kreuz und quer durch Europa unternimmt.

Ab 1940, bis zum Arbeits- und Militärdienst, besucht Peter Huber die Lehrerausbildungsanstalt in Vechta. „Viel Sport, die strenge Zucht dort und der Unterricht bei guten Lehrern haben mir nicht geschadet“, erinnert er sich.

Als 19-Jähriger, in der Wehrmacht „fast noch ein Kind“, wird er zum Flugzeugführer ausgebildet. Es verschlägt ihn bis nach Abbeville, in die französische Picardie an der Kanalküste. Um ein Haar wäre der auf Erkundung geschickte Huber – an seinem 20. Geburtstag – auf einer Rheinbrücke als vermeintlicher „Deserteur“ erschossen worden – von den gefürchteten „Kettenhunden“ der Feldgendarmerie.

Nach seinem Abitur 1947 in Oldenburg schließt er zwei Jahre später die Pädagogische Hochschule in Vechta ab. Als Grund- und Hauptschullehrer unterrichtet Huber ab 1950 Religion, Deutsch und Geschichte in Jever, Zwischenahn und Lohne.

Im Alter von 39 Jahren kommt Peter Huber nach Twistringen. 1964 wird er zunächst Leiter der Katholischen Volksschule. 18 Klassen gibt es, bald darauf 33 mit mehr als 1000 Kindern.

Eine schwere Zeit erlebt Huber, von der er heute sagt, dass er als Schulleiter das Einstecken gelernt und seine Selbstdisziplin verbessert habe. Das gelte aber für jeden, der „vorturnt“.

Ein Twistringer meint anfangs zum neuen Schulleiter: „Herr Huber, hier kommt jeder zurecht.“ Der Zugereiste lernt die Twistringer fortan als „besonderes Völkchen mit einem kreativen Potenzial zum Praktischen und zum Miteinander“ kennen und schätzen.

Bis 1988 sind Volksschule I und die Hauptschule, später mit Förder- sowie Orientierungsstufe im Schulzentrum, seine weiteren Stationen. In seine „turbulente Amtszeit“ fallen auch die Abtrennung der Grund- von der Hauptschule und die Ablösung der Bekenntnisschule durch die Gemeinschaftsschule.

Die 1970er-Jahre, geprägt „vom Geist der 68er-Revolution“, sind Huber als besonders hartes Brot in Erinnerung. Heute freut er sich darüber, „Schule ein bisschen mit in die Richtung kollegialer Leitung und zum Miteinander gedreht zu haben“.

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