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USB-C-Ladekabel für alle Handys

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Von: Sigi Schritt

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Sie hat bereits ein Handy, das per USB-C-Anschluss aufgeladen wird: Louisa Wilkens aus Scharrendorf.
Sie hat bereits ein Handy, das per USB-C-Anschluss aufgeladen wird: Louisa Wilkens aus Scharrendorf. © Sigi Schritt

Künftig muss man nicht wissen, ob das Kabel zum Aufladen des Handys einen Lightning-, einen Micro-USB- oder einen 30-Pin-Anschluss benötigt. Die Europäische Union sowie die EU-Staaten haben sich auf einen USB-C-Anschluss als Standard-Ladebuchse geeinigt.

Twistringen – Bei den Parkplatz-Gesprächen in Twistringen freuen sich Bürger über die neue EU-Regelung, wonach ab Herbst 2024 nicht nur Handys, sondern auch Tablets, E-Book-Reader, Kopfhörer, Digitalkameras und weitere Geräte von einer einzigen Kabel-Art mit Ladestrom versorgt werden.

Das kommt bei Louisa Wilkens aus Scharrendorf gut an. Die 20-Jährige zeigt ihr Nokia-Handy. Es habe bereits jetzt genau jenen Stecker, den künftig alle Mobiltelefone bekommen sollen.

Es ist weltweit das erste Mal, dass der Gesetzgeber Herstellern solche Vorgaben macht. Andere Twistringer schätzen es ebenfalls, dass die sogenannten USB-C-Kabel zum Standard werden. Die Bürger finden ebenso lobende Worte dafür, dass die neue Regelung mithilft, Elektroschrott zu vermeiden. Nach dem Empfinden der Bürger hätte der Gesetzgeber die Regelungen durchaus eher auf den Weg bringen können, so ein Fazit. Schließlich hatte die EU-Kommission eine einheitliche Lösung für das Aufladen von Elektrogeräten bereits seit dem Jahr 2009 thematisiert. Bei den Twistringer Parkplatz-Gesprächen äußern Bürger weitere Ideen, um (Elektro-)Schrott zu vermeiden.

Auf die Marke des Handys komme es bald nicht mehr an, sagt Louisa Wilkens. Die Scharrendorferin schätzt es, wenn wirklich nur ein einziges Kabel notwendig ist, um eine Vielzahl von Geräten mit der Steckdose zu verbinden.

Chantal Kallert: EU-Entscheidung hat Vorteile

In der EU-Entscheidung sieht auch Chantal Kallert aus Twistringen Vorteile. Die 25-Jährige habe künftig weniger Ladekabel in ihren Schubladen. Wenn sie in den Urlaub fährt, werde sie für ihre Geräte weniger mitschleppen. „Ein Kabel für alles ist praktisch“, sagt sie. Vielleicht müsste sie sich maximal ein Neues zulegen, und für ein älteres iPhone würde es sicherlich einen Adapter geben.

Neues Model, neuer Anschluss: „Ich empfinde das als Geldschneiderei.“

Auch Barbara Eilers aus Mörsen kennt die Suche nach dem richtigen Kabel, wenn man – wie sie – mit mehreren Personen in einem Haushalt lebt, die unterschiedliche Geräte unterschiedlicher Marken nutzen. Doch meistens wird die Frau aus Mörsen in einem Zimmer fündig: in dem ihres Sohnes. Die 51-Jährige kritisiert zudem die Hersteller, sich nicht viel eher auf eine Kabel-Art geeinigt zu haben. Und selbst wenn man einer Marke die Treue hält, könne es vorkommen, dass die Anschlussart für ein neues Modell wechselt. Die Folge: Das alte Kabel passt nicht mehr. „Ich empfinde das als Geldschneiderei.“

Problem: „Ich suche ständig das richtige Ladekabel.“

Freya Sudmann aus Mörsen kennt ebenfalls das Problem: „Ich suche ständig das richtige Ladekabel.“ In ihrer Familie gebe es zahlreiche Geräte unterschiedlicher Marken, die allesamt unterschiedliche Anschlüsse haben. Sie ärgert sich darüber, bei einer Suche viel Zeit zu verplempern. Und wenn unterwegs die Akkuanzeige auf zehn Prozent springt, habe niemand ihrer Freunde und Bekannte das entsprechende Ladekabel für ihr Modell parat. Künftig würde das Problem nicht mehr bestehen, sagt sie sich. Allerdings müsste die EU innovativer sein. Einige Hersteller lassen ihre Handys kabellos durch Induktion laden. Auch das könnte vereinheitlicht werden.

„Es ist eine gute Sache, wenn der Elektroschrott wegfällt.“

Sebastian Rauner (23) aus Twistringen begrüßt ebenfalls, dass künftig gleichermaßen für Handys wie für Spielekonsolen nur ein einziges Kabel benötigt wird. „Es ist eine gute Sache, wenn der Elektroschrott wegfällt.“

Das sieht Nicole Klose aus Colnrade ebenso. Die 34-Jährige schätzt den praktischen Effekt. „Wer sein Kabel vergessen hat, kann überall fragen, wenn der Akku fast entladen ist. Sicherlich auch in Gaststätten.“

Verena Nowacki aus Barnstorf kennt den Kabelsalat: „Ich habe eine Schublade zu Hause, in der sind sämtliche Kabel drin.“ Die 24-Jährige ergänzt: „Auch von älteren Geräten, die gar nicht mehr im Einsatz sind.“ Dazu kommen noch die vielen Kabel der Geräte, die ihre Kinder benutzen, zumal so manches Spielzeug ohne eine Kabelverbindung nicht auskomme. Die Barnstorferin wünscht sich, dass Steckdosen mit USB-C-Anschluss in jeder Wohnung zum Standard gehören, um Stecker mit kleinen Trafos ebenfalls zu ersetzen. Auch das verringere nach ihrer Ansicht den Elektroschrott.

Barbara Eilers: Mobiltelefone länger nutzen

Barbara Eilers plädiert außerdem dafür, Mobiltelefone länger zu nutzen. Man müsse nicht immer die neueste Version haben. Das findet auch Louisa Wilkens. Die 20-Jährige benutze ihr Handy ganz lange. Und falls sie sich für ein Neues entscheidet, werde das alte Handy verkauft. So vermeide sie, dass ihr Gerät auf den Elektroschrott--Berg kommt. Weiterhin plädiert sie dafür, sich nur elektrische Geräte zu kaufen, die eine bessere Qualität haben. Dass sie reparierbar sind, sollte ein Argument beim Kauf sein.

Verena Nowacki kauft sich ebenfalls erst dann ein neues Handy, wenn das alte absolut nicht mehr benutzbar ist. Sie verzichtet auf Verträge, die es ermöglichen, in kurzen Abständen neue Geräte zu verlangen. Das spare Geld.

Nicole Klose wünscht sich zudem Drucker, die ihre Garantiezeit deutlich überleben. „Sie gehen nach zwei Jahren urplötzlich kaputt.“ Die 34-Jährige ärgert sich, dass ein Drucker meint, es sei keine Farbe mehr in den Tintenpatronen, obwohl das nicht stimmt.

Sebastian Rauner würde es wie Louisa Wilkens vorziehen, Dinge zu kaufen, die nicht nur länger halten, sondern reparierbar sind.

In diese Kerbe haut Walter Luckas aus Twistringen. Der 77-Jährige war KFZ-Meister und kritisiert insbesondere Autohersteller, die Teile ihrer Neuwagen lieber verkleben als verschrauben. Man müsse einen ganzen Komplex ausbauen, weil man an ein defektes Teil nicht herankommt. „Für den Austausch einer Birne muss man den ganzen Kotflügel abmontieren. Das sollte nicht sein.“

Louisa Wilkens: Jeder kann etwas tun, um Elektroschrott zu vermeiden

Jeder kann etwas tun, um Elektroschrott zu vermeiden, ist sich Louisa Wilkens sicher. Die Scharrendorferin teilt sich zum Beispiel ein Elektroauto mit einem anderen Familienmitglied. Die Batterie des Wagens wird von einer Solaranlage aufgeladen. Die Scharrendorferin: „Wir haben nur diesen einen Planeten. Wenn wir mit zukünftigen Menschen darauf leben wollen, müssen wir alles tun, um ihn zu erhalten.“

Von Sigi Schritt

Barbara Eilers aus Mörsen
Barbara Eilers aus Mörsen © Sigi Schritt
Nicole Klose aus Colnrade
Nicole Klose aus Colnrade © Sigi Schritt
Walter Luckas aus Twistringen
Walter Luckas aus Twistringen © Sigi Schritt
Sebastian Rauner aus Twistringen
Sebastian Rauner aus Twistringen © Sigi Schritt
Verena Nowacki aus Barnstorf
Verena Nowacki aus Barnstorf © Sigi Schritt

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