Workshop mit Carlos Martinez

Pantomime im Selbstversuch: Geschichten erzählen ohne Worte

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Emotionen spiegeln sich im Gesicht wieder: Als Übung sollen die Workshopteilnehmer sich vor etwas fürchten. Das gelingt ihnen unterschiedlich gut. (Bild bitte vergrößern)

Twistringen - Von Anika Bokelmann. Carlos Martinez ist ein Meister der Pantomime. Im Zusammenhang mit einem Auftritt in Twistringen (wir berichteten) bot der 62-jährige Spanier auch einen Workshop an. Unsere Mitarbeiterin Anika Bokelmann wagte den Selbstversuch.

Texte merken konnte ich mir noch nie. Um die Theater-AG in der Schule habe ich daher immer einen großen Bogen gemacht. Auch zu diesem Workshop gehe ich mit gemischten Gefühlen. Wer wohl die anderen Teilnehmer sein werden? Und haben sie vielleicht schon Erfahrungen im Reden ohne Worte? Werde ich mich blamieren?

Schnell zeigt sich, dass jegliche Ängste unbegründet sind. Die sechs Teilnehmer im Alter von 13 bis 65 Jahren verstehen sich auf Anhieb. „Pantomime ist Imitation. Und die Basis dafür ist eine gute Beobachtungsgabe“, erklärt Carlos Martinez. Der Spanier gewinnt schnell unsere Sympathie. Seine Ausstrahlungskraft und Offenheit sorgen für eine lockere Atmosphäre.

Zur Einführung sitzen wir im Forum des Twistringer Gymnasiums zusammen. Geredet wird auf Englisch. „Der wichtigste Part kommt ohne Worte aus“, sagt Martinez. Körpersprache ist universell.

Workshop mit drei Abschnitten

Der Workshop gliedert sich in drei Abschnitte: Füße – damit wird in der Pantomime-Kunst der Charakter dargestellt; Hände – damit werden Gegenstände gezeigt; und schließlich das Gesicht, mit dem die vielen Facetten der Gefühlswelt ausgedrückt werden. Die richtige Kombination aus allen drei Aspekten macht am Ende die Pantomime perfekt. Aber dafür muss man lange üben.

Wie geht eine Person? Dass jeder innerhalb der kleinen Gruppe sich durch seinen Gang von den anderen unterscheidet, das lernen wir in unserer ersten Übung. So laufen wir mal als Carlos, dann als Anika oder auch Ulrike durch den Raum. Zwar komme ich mir anfangs noch ein bisschen komisch vor, da aber alle mitmachen und auch über sich selbst lachen können, fühle ich mich immer mehr in die Situation ein. Gehen, ohne sich fortzubewegen, Reden, ohne zu sprechen – bei der Pantomime geht es stets um Imitation und die Gedankenwelt.

Nach einer Pause lernen wir, nicht gegenständliche Dinge zu greifen und wieder abzustellen – und fischen in der Luft herum. Was sicherlich lustig aussieht, bedarf hoher Präzision. Schließlich erwartet das Publikum von einem Pantomime Unterhaltung und Denkanstöße für die eigene Fantasie.

Der Klassiker: „Die Wand“

Immer wieder gibt uns Martinez Tipps, wie unser fiktiver Supermarkt-Besuch noch echter aussieht. Er greift dabei auf 35 Jahre Bühnenerfahrung und Tätigkeit als Theaterlehrer in der ganzen Welt zurück. Natürlich darf eine Übung in dem Workshop auf keinen Fall fehlen: die Wand. Hand, Fuß, Fuß, Hand – und dabei stets darauf achten, dass alles in der richtigen Reihenfolge und korrekten Abständen passiert. Bei jeder Aufgabe, die unser spanischer Pantomime-Lehrer uns aufträgt, ist vollste Konzentration gefragt, sieht es auch noch so leicht aus.

Die Zeit vergeht wie im Flug und es bleibt kaum noch welche übrig, um sich mit den Gesichtsausdrücken zu beschäftigen. Wir beschränken uns daher auf die vier Hauptemotionen Freude, Trauer, Furcht und Ärger.

„Wir imitieren die menschliche Seele“, schließt Carlos Martinez nach zwei Stunden die Einheit und lädt alle zu einem Wochenendseminar ein, um noch tiefer in die Welt der Gesten einzutauchen.

Das Theater – und sei es auch ohne Texte – ist nach wie vor nicht mein Metier. Spaß hat mir der Workshop aber trotzdem gemacht, und sicherlich werde ich zuhause – wenn mich niemand sieht – mal auf der Stelle laufen oder mich an einer imaginären Wand durchs Wohnzimmer bewegen.

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