Landrat Cord Bockhop über B 51, Zentralklinik und Breitband

Noch 15 Jahre bis zur Ortsumgehung – wenn’s gut läuft

Die B51 in Twistringen. Bis der Verkehr nicht mehr mitten durch den Ort braust, wird es noch dauern.
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Die B51 in Twistringen. Bis der Verkehr nicht mehr mitten durch den Ort braust, wird es noch dauern.

Wird das bald was mit der Ortsumgehung? Was gibt’s Neues in Sachen Zentralklinik? Und sind die Schulen im Landkreis digital gut aufgestellt? Landrat Cord Bockhop hat am Mittwochabend auf Einladung der CDU Twistringen bei einer Videokonferenz Fragen von Bürgern beantwortet.

Twistringen - Es war die zweite Auflage des Formats „10 Fragen, 10 Antworten“. Die zentralen Themen im Überblick:

Ortsumgehung

Die Frage nach einer baldigen Ortsumgehung verneint Cord Bockhop. „Bald wäre für mich innerhalb einer Wahlperiode, in fünf, vielleicht sechs Jahren. Hier müssen wir eher von dem Doppelten ausgehen. Das liegt daran, dass bei einer solchen Straße das Planverfahren und der Bau gut 15 Jahre dauern.“

Das Planverfahren hat noch nicht einmal begonnen. Die Ortsumgehung ist zwar im Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf, doch so richtig viel bringt das aktuell nicht. Die Projekte im vordringlichen Bedarf sind laut Bockhop in drei Kategorien unterteilt. Es gibt die Kategorien A und B, mit hoher Priorität, und dann noch C. Die Ortsumgehung gehört zu C und steht somit hinten an.

Es gibt zu wenig Planer, um alle in Deutschland anstehenden Projekt zeitnah in Angriff zu nehmen. „Es ist eine ganz schwierige Situation“, meint Bockhop. Deswegen habe der Kreistag entschieden, vier eigene Planungsstellen im Haushalt des Landkreises zu schaffen. „Die Stellen sind noch gesperrt und können durch den Kreisausschuss freigegeben werden – und zwar in dem Moment, in dem das Land sagt, inwieweit die Planungskosten übernommen werden.“ Sofern sich Landkreis und das Land bei den Kosten einigen, könnten die Planungen also bald beginnen und die 15-Jahres-Prognose zutreffen. Vorausgesetzt, der Landkreis findet Leute.

Eine Ortsumgehung hat nicht nur Vorteile. „Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie viel Fläche dafür versiegelt wird“, sagt der Landrat. Die angedachte Trasse sei 7,7 Kilometer lang. Individualverkehr werde aber auch in Zukunft im Landkreis eine große Rolle spielen, ist sich der Landrat sicher. „Der Spaß soll 25, 5 Millionen Euro kosten“, sagt er. Und fügt mit Blick auf die aktuellen Preisentwicklungen im Bausektor hinzu: „Ich kann schon jetzt sagen: Das wird teurer.“

Zentralkrankenhaus

Gibt es irgendwelche Probleme hinsichtlich der Klinikplanungen? Auch diese Frage verneint Bockhop. „Es klappt, wie man sich das wünscht“, sagt er. „Wir liegen im Zeitplan, im Finanzplan und im politischen Plan.“

Mit Interesse verfolgt er derzeit die Entwicklung der Krankenhauslandschaft in Bremen. Dort ist geplant, die Kinderklinik Links der Weser nach Bremen-Mitte zu verlegen. Dadurch könnte das Krankenhaus in Borwede auch für Patienten oder Ärzte aus Stuhr und Weyhe interessanter werden, glaubt der Landrat. Zwar werde es anfangs keine Kinderklinik in Borwede geben, aber zumindest schon einmal 14 Planbetten in der Geburtshilfe. „Vielleicht ist ein gutes Krankenhaus an einem gut erreichbaren Standort auch ein interessanter Platz, um aus der Geburtshilfe später auch eine Kinderklinik zu machen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

Aktuell sei der Landkreis dabei, das Raum- und Funktionsprogramm mit dem Land abzustimmen, führt Bockhop aus. Parallel laufe der Planungswettbewerb, und auch das Bauleitverfahren schreite voran. Letzteres verantwortet Twistringen. „Schöne Grüße an dieser Stelle an die Stadt und ein herzliches Dankeschön: Das läuft tippi toppi“, lobt Bockhop.

Bezüglich möglicher Emissionen sieht der Landrat keine Probleme. „Wenn man heute ein modernes Haus baut, ist man bei öffentlichen Gebäuden dicht am Passivhaus-Standard. Da sind die Fenster zu, da arbeitet man mit Lüftungssystemen.“

Digitalisierung

Bis Mitte nächsten Jahres soll der Breitband-Ausbau in den weißen Flecken im Landkreis (bis auf spezielle Sonderfälle) abgeschlossen sein. Mit genauen Aussagen dazu, wann genau die einzelnen Haushalte angeschlossen werden, hält sich Bockhop aber zurück. Der Grund: Er kann es noch nicht mit Bestimmtheit sagen. In den nächsten Wochen erfolgen ihm zufolge erste Probeanschlüsse, „um zu sehen, wo es technisch noch hakt“.

Die Twistringer interessierte es auch, ob die weiterführenden Schulen im Landkreis im digitalen Bereich gut versorgt sind. Gibt es überall die Möglichkeit, Videokonferenzen anzubieten? „Es können nicht überall gleichzeitig Videokonferenzen stattfinden, das ist schade, aber tatsächlich, ganz ehrlich, finden die auch nicht statt“, sagt der Landrat. Er wisse, dass diese Aussage verallgemeinert sei und entschuldigt sich bei allen Lehrern und Schulen, bei denen es anders läuft. Aber häufig würden fürs Home-Schooling einfach Hausaufgaben per E-Mail rumgeschickt.

In den letzten Jahren stellte der Landkreis jährlich um die 200 000 Euro für interaktive Tafeln bereit. „Ich will jetzt nicht behaupten, dass einige der Tafeln noch jungfräulich sind. Aber die Betriebsstunden bei einigen treiben einem die Tränen in die Augen.“ Um Lehrer affiner für moderne Technik zu machen, müsse sich auch bei der Ausbildung was ändern.

Im nächsten Jahr sollen alle Schulen mit Breitband versorgt sein. „Ich weiß, für einige ist das zu spät.“ Für weitere moderne Technik wie Laptops, Software und Server sowie den nötigen Support hat der Landkreis von 2020 bis 2024 14,5 Millionen Euro eingeplant.

Impfen

Zum 1. Mai werden im Landkreis Diepholz laut Landrat Cord Bockhop voraussichtlich gut 60 000 Impfdosen verabreicht worden sein, 15 000 davon als Zweitimpfungen. Dezentrale Termine in Turnhallen, Sälen und Schulen des Landkreises haben maßgeblich zu dieser Bilanz beigetragen.

In den kommenden zwei Wochen sollen 700 bis 800 Dosen pro Tag dezentral gespritzt werden, und die gleiche Anzahl nochmal zentral im Bassumer Impfzentrum. Das Verhältnis liegt also bei Fünfzig-Fünfzig. Den Fokus noch stärker auf kommunale Termine zu legen, sei aktuell nicht möglich, sagt Bockhop. Und erklärt: „Das Land hält immer noch am zentralen Impfen fest.“ Zunehmen könnten jedoch die Immunisierungen bei Hausärzten.

Größere Gruppen wie Lehrer oder Feuerwehrmitglieder sollen, so der aktuelle Plan, auf das Impfzentrum Bassum und den Nebenstandort Rehden aufgeteilt werden. „Vielleicht werden wir sogar einen zusätzlichen Standort machen, je nachdem, welche Kapazitäten wir bekommen. Und die Kapazitäten fangen an mit Impfstoff“, sagt Bockhop.

Der dezentrale Weg ist ein Kraftakt. Rathausmitarbeiter müssten die Daten der zu Impfenden per Hand in eine Excel-Tabelle einpflegen. Derzeit laufe die Suche nach einer technischen Lösung, um das Prozedere zu vereinfachen, so der Landrat. Das Team des DRK müsse zudem bei den Terminen immer wieder alles auf- und abbauen, und auch Ehrenamtliche seien im Einsatz. Selbst wenn vieles eine Nummer komplizierter und aufwendiger ist als im festen Impfzentrum: Der Landkreis will weiterhin auch dezentral impfen.

Kritik übt Bockhop daran, dass das Land die Impfliste nicht konsequent abbaue. Zu viele Kapazitäten würden über die Hotline oder das Impfportal im Internet freigegeben, und immer neue Personengruppen würden berechtigt, während Leute auf der Impfliste stehen und warten. „Ich werde da auch der Ministerin persönlich schreiben. So geht das nicht.“

Von Katharina Schmidt

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