Orgelherbst-Auftakt: Andreas Schmidt-Adolf zeigt den Zuhörern die heitere Seite der Orgel

Tatort-Atmosphäre in St. Anna

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Andreas Schmidt-Adolf an der Twistringer Orgel.

Twistringen - Von Ilka Rickers. Heitere Tanzmusik schallt durch die Twistringer St.-Anna-Kirche. Aber keiner tanzt. Alle sitzen auf ihren Bänken. Einige mit geschlossenen Augen, einige wirken nachdenklich, andere amüsiert. Andreas Schmidt-Adolf demonstriert in seinem Orgelkonzert „Die heitere Königin“, dass Orgelmusik auch fröhlich sein kann.

Der Künstler ist schon öfter in Twistringen gewesen. Seine Frau stammt von dort. Jetzt leben beide gemeinsam in Hannover. Doch heute ist er nicht zu Besuch: Schmidt-Adolf gibt ein Orgelkonzert in der katholischen Kirche. „Ich habe angefragt, ob es möglich ist, ein Konzert zu geben. Denn diese Orgel ist eine sehr gute Orgel“, freut sich der 57-Jährige, während er vor dem Konzert noch schnell seine letzten Noten sortiert. Die Orgel in der Twistringer Kirche sei einer Silbermann-Orgel nachempfunden – dem Mercedes unter den Orgeln.

Das besondere an dem Konzert: Er demonstriert eine andere Seite der Orgelmusik. „Die Orgel ist die Königin der Instrumente. Sie ist mächtig, aber sie kann auch fröhlich sein“, sagt der Hannoveraner.

Über 50 Leute sind in die Kirche gekommen, um den Klängen zu lauschen. Gleich beim ersten Stück fällt auf: Etwas ist anders. Zunächst erfüllen mächtige, düstere Töne den Kirchenraum – ein Klangerlebnis, das aus Gottesdienst-Stücken bekannt ist. Aber dann wechselt die Stimmung. Schmidt-Adolf spielt ein Sonett. Beschwingt, leicht, mit hellen, kurzen Melodiefolgen. Es erinnert an alte Filme, auf denen beim Königshaus auf einem Ball getanzt wird.

In einem weiteren Stück lädt er zu einer Italienreise ein. Beim Schließen der Augen erinnern die warmen und weichen Töne an einen Sommertag. Die Gedanken sind frei und die Umgebung de alten Kirchenmauern wird vergessen.

Wenig später hält die Hochspannung Einzug im Kirchenschiff. Es kommt einem vor, als wäre es Viertel nach Acht, und der „Tatort“ beginnt. Mord in Twistringen? Schmidt-Adolf erzeugt durch schnell wechselnde tiefe und hohe kurze Töne Spannung, wie in einem Krimi. Danach geht die Mördersuche los. Helle Töne erklingen – temporeich, voll Energie.

Kurz darauf sind die Polizeibeamten an einen Punkt angelangt, an dem sie nicht weiter wissen. Dunklere, langgezogene Töne bringen ihre Stagnation zum Ausdruck. Aber als ihnen die Erleuchtung kommt, verfolgen die Ermittler eine heiße Spur. Schnelle, laute und dunkle Töne erklingen. Tempo! Und dann, am Ende, der Höhepunkt – die Verhaftung. Mächtige, dramatische Klänge dröhnen durch die Kirche – das Stück ist zu Ende.

Schmidt-Adolf malt Bilder, erzählt Geschichten, erzeugt Spannung und Heiterkeit durch die Königin der Instrumente. Durch seine ausgewählten Stücke hat er es geschafft, eine ganz andere Seite der Orgelmusik zu demonstrieren.

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