Johann Beuke ist für Ökologischen Jagdverein im Einsatz

Als „Öko-Jäger“ allein auf weiter Flur

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Johann Beuke wünscht sich Lichtblicke, wenn es um die Jagd geht: „Wir brauchen ein Umdenken!“

Twistringen - Von Anke Seidel. „Jeder Jäger will doch einen Sechsender an der Wand“, meint Johann Beuke. Der 62-jährige Twistringer hat selbst einen Jagdschein. Aber er betrachtet die Jagd aus einem völlig anderen Blickwinkel.

Beuke ist der einzige organisierte „Öko-Jäger“ im Landkreis Diepholz und hat beim Ökologischen Jagdverein (ÖJV) Niedersachsen-Bremen den stellvertretenden Vorsitz übernommen. Darin sind landesweit 150 Mitglieder organisiert. Zum Vergleich: Der DJV (Deutscher Jagdverband) vertritt nach eigenen Angaben landesweit rund 6 000 Jäger.

„Die konservativen Jäger beherrschen das Revier-System“, so Beuke. „Denn sie sind fast ausschließlich Inhaber der Reviere.“ Deshalb hätten Öko-Jäger in Niedersachsen kaum eine Chance, die Jagd auszuüben. Das sei in Baden-Württemberg und Bayern anders: „Da gibt es Öko-Jäger-Reviere.“

Völlig andere Philosophie

Was unterscheidet diese alternativen Waidmänner von den klassischen Jägern? Beuke stellt klar: Es sei eine völlig andere Philosophie sowie eine völlig andere Definition von Hege. Beim Schalenwild – in der Region also Rot- und Damwild – zum Beispiel: „Das Schalenwild muss unserer Meinung nach stärker bejagt werden, weil es Schäden im Waldbau verursacht“, sagt Beuke. Die klassischen Jäger allerdings würden es hegen, um eine Abschuss-Gelegenheit und später besagte Wandtrophäe zu haben.

Beim Niederwild – Hase, Rebhuhn und Fasan – sei das völlig anders, sagt der pensionierte Eisenbahn-Beamte: „Da findet die klassische Hege mit Büchse, Flinte, Falle und Baujagd statt.“ Er meint damit das gezielte Ausschalten der tierischen Konkurrenz. Erlegt würde viel zu oft „alles, was spitze Krallen und scharfe Zähne hat“. Sprich Füchse, Greifvögel sowie Marder und Dachs – Arten, die sich vom Niederwild ernähren. Genau die würden kurz gehalten, „damit Jäger möglichst viele Hasen, Rebhühner und Fasane zum Abschuss haben“, so Beuke. Er will bei Weitem nicht alle Jäger über einen Kamm scheren und weiß, dass viele ihre Aufgabe verantwortungsvoll ausüben.

Aber, davon ist der 62-Jährige fest überzeugt: „Treibjagden sind doch noch immer eine gesellschaftliche Verpflichtung.“ Und dabei würden immer wieder auch Hasen zur Strecke gebracht, obwohl es immer weniger dieser Tiere gebe.

Eigentlich müssten Jäger bezahlt werden

Wie würde er persönlich den Jagdrahmen gestalten? „Eigentlich müssten Jäger für ihre Arbeit bezahlt werden – oder für das Wild, das sie schießen.“ Denn Aufgabe der Jäger müsse es sein, den Wildtierbestand in der Natur ohne eigene Interessen zu regulieren und auszugleichen.

Der 62-Jährige hat als Kind seine ersten Eindrücke von der Jagd erhalten. Damals habe er in einer Gaststätte – dem Elternhaus seiner Mutter – gespielt: „Plötzlich flog die Tür auf. Ein Jäger kam herein und hängte einen erlegten Hasen und einen Fasan an den Garderobenständer im Flur.“ Dann habe der Mann lautstark einen Schnaps geordert. „Die Augen dieser toten Tiere habe ich nie vergessen. Das hat mich geschockt“, so Beuke.

Obwohl dem Jungen tote Nutztiere durchaus vertraut waren: „Ich bin auf einem Bauernhof mit Schlachten und allem Drum und Dran aufgewachsen, hab sogar selbst Kaninchen geschlachtet.“ Das Thema Jagd ließ Beuke nicht los. Vor 15 Jahren machte er den Jagdschein. Seine Motivation: „Ich habe mich im Laufe der Jahre zu einem Jagdkritiker entwickelt.“ Dazu habe nicht zuletzt ein Erlebnis als Jugendlicher beigetragen: „Damals hat mich in einem Waldstück ein Jäger mit einer Flinte bedroht.“

Viel in der Natur unterwegs

Noch heute ist Beuke viel in der Natur unterwegs. Der Pensionär fährt mit Auto oder Moped durch den gesamten Landkreis und selbst bis zur Küste, wenn ihn eine Entwicklung oder Diskussion besonders interessiert. Was ist aus seiner Sicht für den Natur- und Wildtierschutz dringend notwendig? „Wir brauchen natürliche Wiesen in einem Zusammenhang“, antwortet der 62-Jährige, „nur durch wirkliche Biotop-Veränderungen und extensive Bewirtschaftung können wir etwas erreichen“. In kleinen Schutzgebieten – mit Inselcharakter sozusagen – könne sich nachhaltig nichts entwickeln.

Und wie bewertet Beuke die Rückkehr des Wolfs? „Sie ist zu begrüßen.“ Denn der Wolf sei auch der Feind des Fuchses, dessen Bestand er auf natürliche Weise regulieren könne: „Heute schlagen Menschen Jungfüchse in ihrem Bau tot. In welcher Welt leben wir eigentlich?“

Selbstredend müssten Nutztierhalter, die beruflich von der Viehhaltung leben, angemessene Zuschüsse für Schutzmaßnahmen gegen den Wolf erhalten, lautet die Botschaft des „Öko-Jägers“.

Wann hat er selbst zuletzt ein Wildtier erlegt? „Ich schieße keine Tiere, weil ich keine Jagdgelegenheit habe“, antwortet er. Das sei bei vielen Jagdschein-Inhabern so, denn die Reviere seien begrenzt. „Aber man darf Waffen haben, wenn man einen Jagdschein hat – auch ohne eine Jagdgelegenheit zu haben. So ein Irrsinn!“

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