„Meine Clique wird sich wiedererkennen“

Junger Filmemacher aus Twistringen bringt „Nirgendwo“ in die Kinos

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Regisseur Matthias (links) hofft zusammen mit seinem Bruder Thomas Starte auf einen Erfolg.

Twistringen - Von Heiner Büntemeyer. Um die Befindlichkeiten von Jugendlichen dreht sich ein Film, der am 27. Oktober bundesweit in die Kinos kommt und einige Parallelen zu dem legendären „Zur Sache, Schätzchen“ hat, der 1968 aufgeführt wurde und kurze Zeit später schon Kultstatus genoss.

Werner Enke und Uschi Glas spielten seinerzeit die Hauptrollen. Für Uschi Glas war der Film das Sprungbrett für eine große Karriere. Die Regisseurin war damals May Spils aus Twistringen.

Fast 50 Jahre später kommt „Nirgendwo“ in die deutschen Kinos. Ein Film, in dem wieder ein Regisseur aus Twistringen die Befindlichkeiten seiner Generation aufgreift. Matthias Starte heißt der junge Regisseur und Drehbuchautor. Er studierte Filmwissenschaften mit dem Schwerpunkt Regie. Parallel dazu lernte er autodidaktisch das Schreiben von Drehbüchern.

Fast sechs Jahre hätten zwischen seinen ersten Ideen und dem fertigen Film „Nirgendwo“ gelegen, berichtet Starte. „Für einen Kinofilm brauchst du einen langen Atem“, hat er dabei festgestellt, und das klingt angesichts dieser Zeitspanne fast noch untertrieben.

Junge Leute und das Erwachsenwerden

Protagonisten dieses Films sind sieben junge Leute, die sich nur schwer entschließen können, erwachsen zu werden. Sie stammen aus wohlsituierten Familien, haben keine Existenznöte, brauchen auf nichts zu verzichten und haben trotzdem große Probleme. – Wohl auch deshalb, weil sie echte Sorgen nicht kennen und sie deshalb erst sehr spät erwachsen werden. Das Abitur liegt schon längst hinter ihnen, aber berufliche Perspektiven fehlen ihnen noch. Im Freundeskreis treffen sie sich wieder, pflegen ihre Macken und Vorurteile, reflektieren über ihre Erfahrungen und machen eine erste Bestandsaufnahme ihres Lebens.

„Nirgendwo“ ist ein Generationenportrait, das von der deutschen Filmbewertungsstelle bereits das Prädikat „wertvoll“ erhielt. Am 26. September hat der Film in Zürich Weltpremiere, wo er am 12. Zürcher Filmfest-Wettbewerb teilnimmt.

Eigentlich sollte dieser Film in Twistringen gedreht werden, denn die meisten Motive entstanden dort und sind dort auch zu finden. „Viele aus meiner Clique werden sich wiedererkennen“, meint Starte.

Doch aus finanziellen Gründen schied Twistringen als Drehort aus. Da die Herstellungskosten für den Film etwa eine Million Euro betrugen, waren Starte und die Produktionsfirma „Pictures in the Frame“ auf Zuschüsse angewiesen. Aus dem bayerischen Film-Förder-Fonds erhielten sie eine Debütförderung, mit der fast ein Viertel der Produktionskosten finanziert war. Voraussetzung war allerdings, dass der Film auch in Bayern gedreht wurde.

Bis zu drei Ortswechsel am Tag

Nur selten ging es in den fast sechs Jahren von der Idee bis zum Drehbeginn kontinuierlich voran. „Es gab vor allem wegen der Finanzierung resignative Phasen“, erinnert sich Matthias Starte. Als dann aber alle Hürden überwunden waren, war der Film innerhalb von sechs Wochen mit insgesamt 28 Drehtagen im Kasten.

Gedreht wurde an 36 unterschiedlichen Standorten. Manchmal waren bis zu drei Ortswechsel am Tag erforderlich, wozu bis zu 60 Mitarbeiter und das gesamte Equipment bewegt werden mussten. Bei dieser logistischen Herausforderung wurde der junge Regisseur von seinem Bruder Thomas Starte unterstützt. Er studiert Medienwissenschaften und konnte bei seiner Mitarbeit wertvolle Erfahrungen für seine eigene berufliche Karriere sammeln.

Ab dem 27. Oktober läuft „Nirgendwo“ mit 60 Kopien in den deutschen Kinos an, darunter auch in der Schauburg in Bremen. Wichtig ist für die Produzenten die erste Woche, denn danach werden die Besucherzahlen addiert. „Wenn die nicht stimmen und mein Film floppt, dann verschwindet er aus den Kinos“, so Starte.

Er hofft allerdings, dass die Besucherzahlen stimmen werden und der Film einigen Produzenten gefällt, die ihm dann weitere Chancen bieten – vielleicht auch für eine Fernsehproduktion.

Vom 3. bis zum 6. November läuft „Nirgendwo“ übrigens auch im Cinema in Twistringen. Für die Auftaktvorstellung am Donnerstag, 3. November, sind die Eintrittskarten allerdings bereits vergriffen.

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