Clöer stellt „Geklebte Papiere“ in der Galerie Veting

Oma schenkt Picasso-Bücher

„Rrring“ heißt dieses Bild von Nicole Clöer aus ihrer Zeit als Callcenter-Mitarbeiterin. Die Brinkumerin stellt ab 5. Mai in der Galerie Veting in Heiligenloh aus. Im Hintergrund hängen Arbeiten, die nach dem Tod von David Bowie entstanden sind. - Foto: Wilke

Heiligenloh - Von Theo Wilke. Berühmtheiten haben die geborene Bremerin früh geprägt. „Ich habe zwei Vorbilder: Picasso und Heinrich Vogeler aus Worpswede“, erzählt Nicole Clöer, die in Brinkum lebt. Als Fünfjährige mit dem Vater in der Bremer Kunsthalle, hinterließen Bilder von Picasso einen unvergessenen Eindruck. Damals wollte sie schon Künstlerin werden. Heute ist sie international gefragt. Vom 5. bis zum 21. Mai stellt die 47-jährige Clöer insgesamt 31 Werke in der Heiligenloher Galerie Hof Veting aus.

Darauf ist Galeristin Hella Veting ganz stolz: „Zum ersten Mal haben wir in einer Einzelausstellung eine so hochkarätige Künstlerin, die den Schritt in die Provinz wagt“ – mit ihrer Werke-Sammlung „Les papiers collés 2005 bis 2016“. Sie wolle den Menschen die Schwellenangst nehmen, fügt die Brinkumer Künstlerin hinzu. Der Ausstellungstitel bedeute: „Geklebte Papiere“. Sie habe dabei unter anderem Eispapier, Tonkarton, Zeitungen und auch Blattgold verwendet.

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 5. Mai, um 19 Uhr mit Musik von Jano Blase (Gitarre/Akkordeon) an der Alten Dorfstraße. Die Künstlerin wird auch an dem Wochenende sowie am 13. und 14. Mai in der Galerie sein. Nicht nur an den Wochenenden, auch in der Woche dürfen Besucher kommen, wenn sie vorher unter 04246/ 314 bei Familie Veting anrufen.

Nicole Clöer stellte unter anderem in Düsseldorf, Paris, Wien, London und Berlin aus. 2016 wurde sie von der Europa Union in Leverkusen im Rahmen eines Wettbewerbs zur „Europa Künstlerin“ ernannt. Ihre Arbeit „Gebet“, eine Malerei in Öl, mosaikartig angelegt, habe einen ziemlich aktuellen Bezug: viele Glaubensrichtungen, aber ein gemeinsames Europa.

„Ich bin schon als Schülerin und Studentin viel gereist“, schildert die 47-Jährige. Bereits als Kind habe sie sich von Oma Bücher über Picasso gewünscht. Und die Nähe zu Worpswede habe ihr Interesse an den Maler, Architekten, Designer und Grafiker Heinrich Vogeler geweckt. „Meine erste Malerei im Neo-Jugendstil war eine Abrechnung mit den 1968ern.“

Ihre geklebten Papiere gehen auf Pablo Picasso zurück. Während des Studiums hielt sie bereits Vorträge über den spanischen Maler, Grafiker und Bildhauer. Mit dem Kubismus beschäftigte sich Clöer in ihrer Examensarbeit in Münster. Es hat sie fasziniert: ein Bild zerschneiden, aufsplitten und wieder zusammenfügen, dabei unterschiedliche Sichtweisen gewinnen.

2018 zur Biennale nach Italien

Ab 2005 experimentierte sie mit weißem Papier als Vorstufe zu ihrer Malerei. Während ihrer zeitweisen Beschäftigung in einem Callcenter entwickelte sie eine Serie mit buntem Tonkarton, unter anderem das Werk „Rrring“, das mit weiteren Bildern in Heiligenloh ausgestellt wird. „Alle haben viel mit dem Telefonieren zu tun“, erklärt Nicole Clöer.

Die studierte Kunstpädagogin wurde 2010 in der Südsee Ehrenmitglied der Académie des Beaux Arts Saint Louis, Französisch-Polynesien. Seit 2014 lehrt sie an der Delmenhorster Oberschule Süd.

Nach ihrem Abitur 1988 in Ganderkesee und einem Studienaufenthalt mit Sprachdiplom-Erfolg in Paris studierte Clöer Romanistik und Germanistik in Bremen, und Freie Kunst in Münster. Die Meisterschülerin von Professor Kuhna legte zwei Staatsexamen ab.

Künstlerisch angefangen hat sie 1999 mit Kästchenbildern, kleinen eckigen Pinseldrucken in Öl. Gestaltete ein Jahr später ein Wandbild in der Uni-Mensa Münster. Die Liste der Ausstellungsbeteiligungen, auch in Österreich und Polen, ist lang. Bis 2016 war Nicole Clöer auch an einer Ausstellung des Royal College of Arts zugunsten bedürftiger Kunststudenten in London beteiligt.

Für 2018 steht in Clöers Terminkalender unter anderem die sechste Mail-Art-Biennale im italienischen Cosenza.

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