„Nicht Fisch und auch nicht Fleisch“

Im Rat: Ergebnis der Bürgerbus-Umfrage

Twistringen - Von Theo Wilke. Macht ein Twistringer Bürgerbus-Angebot Sinn? „Nicht Fleisch und nicht Fisch“, so Stefan Bendriens Fazit am Donnerstagabend im Rathaus. Nach Punkten stehe es zwar 5:4 dafür, meinte der Diplom-Geograf beim Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN). Aber das sei eher grenzwertig. Die Stadt sollte nachbessern.

Das Ergebnis der Umfrage (Ende Mai bis 23. Juni) im Rahmen des Klimaschutz-Aktionsprogramms (Klimafreundlichen Mobilität) war wenig schmeichelhaft für die Befürworter eines Bürgerbusses. Am Ende reagierten 571 von 5 478 Haushalten. Die Antworten wurden vom Regionalmanagement der W.i.N.-Region (Wir im Norden) statistisch ausgewertet.

Die Twistringer hätten sehr verhalten reagiert. Gut zehn Prozent Beteiligung seien zu wenig, so Stefan Bendrien. Normal seien 20 bis 30 Prozent.

In Twistringen lag der weibliche Anteil bei 57 Prozent. Nicht verwunderlich: Häufiger haben Frauen kein eigenes Auto. Und: Knapp 100 Rückmeldungen kamen von Erwachsenen bis 49 Jahren, 167 von 50- bis 64-Jährigen und sogar 263 Antworten von über 64-Jährigen.

Bendrien beschäftigt sich seit 14 Jahren mit dem Thema Bürgerbus. Nicht die Zahl nach der Kommastelle sei wichtig, sondern das Ziel, ein möglichst breites Meinungsbild zu bekommen.

Knapp 60 Prozent (340 Antworter) nutzen das eigene Auto. 11,7 Prozent (67), die bei Verwandten, Nachbarn und Freunden mitfahren, seien eine Zielgruppe für den Bürgerbus, meinte Bendrien. Nur drei Bürger gaben an, dass sie Bus oder Zug nehmen. Dagegen sind 123 Twistringer mit dem Fahrrad unterwegs. 38 Haushalte gaben an, vor allem morgens Beförderungsprobleme zu haben, 82 eher vormittags, 60 nachmittags. Gut 60 Prozent der Antworten lautete; Nein, keine Probleme.

Umfrage ergibt: Nachfrage zu gering

Gefragt wurde auch, wie häufig Interessierte den Bürgerbus zwischen dem Stadtzentrum und den Ortsteilen nutzen würden: 35 Prozent (201 Antworten) bis zu zweimal die Woche, 11,5 (64) bis zu viermal, 8,5 Prozent (47) bis zu zweimal im Monat. „Selten bis nie“ antworteten 216 Twistringer (39 Prozent). „Rechnet man die Rückmeldung auf einen Monat hoch, sind theoretisch 2500 Nutzungen möglich“, betonte Bendrien. „Zu wenig.“

Wann würden Einwohner mit dem Bürgerbus fahren? Das Resultat: 23 Prozent für Einkäufe, 19 Prozent für Arztbesuche, knapp 11 für Freizeit und fast 14 Prozent als Zubringer zu Bus und Bahn in Twistringen. Etwa 54 Prozent der Rückmeldungen insgesamt kamen aus Twistringens Zentrum. Überrascht hat den VBN-Fachmann, dass sich knapp 30 Prozent eine Bürgerbus-Verbindung aus den Ortschaften nach Bassum wünschen, 33 Prozent möchten eine Linie in die Stadt Twistringen. Warum nach Bassum, wollte Bendrien wissen. „Wegen der Ärzte in Bassum“, meldete sich Hedwig Harms vom Seniorenbeirat. Bendrien klärte auf: „Ein direkter Bürgerbus von Twistringen nach Bassum ist nicht möglich.“ Es dürfe keine Konkurrenz zur Bahn entstehen.

44 Twistringer könnten sich vorstellen, den Bürgerbus (Achtsitzer-Kleinbus) in ihrer Freizeit zu fahren, 30 möchten ehrenamtlich mitarbeiten. Am Ende lag aber kein eindeutiges Bild vor. Stefan Bendrien schlug Sondierungsgespräche und einen Workshop vor.

Rubriklistenbild: © Archivbild MK

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