Ab dem 1. September im Ruhestand

Pastorin Marikje Smid: Neue Wege gehen

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Pastorin Dr. Marikje Smid und Ehemann Johann Smid-Hüneke in Heiligenloh.

Heiligenloh - Von Ulf Buschmann. Am 1. September ist Schluss. Marikje Smid beendet ihr Dasein als Pastorin der Kirchengemeinde Heiligenloh-Colnrade aus familiären Gründen. Im Gespräch mit der Kreiszeitung zieht sie Bilanz.

Smid war elf Jahre in der bis vor einigen Jahren noch selbstständigen Gemeinde Colnrade und 13 Jahre in Heiligenloh-Colnrade tätig.

Frau Dr. Smid, was waren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit in den vergangenen 28 Jahren?

Marikje Smid: Ganz oben stehen die Seelsorge und natürlich der Gottesdienst. An dritter Stelle stand für mich die Sorge für eine zukunftsfähig aufgestellte Kirchengemeinde, eine große Aufgabe war dafür die Zusammenführung von Colnrade und Heiligenloh, und das damit verbundene Gebäudemanagement.

In meinen letzten Amtsjahren hat mir unser neu gegründeter Krabbelgottesdienst viel Freude gemacht. Besonders erstaunt und gefreut hat mich der dadurch angestoßene Gemeindeaufbau von unten. Und nicht zu vergessen die Kirchenmusik. Sehr am Herzen liegen meinem Mann und mir unsere beiden Posaunenchöre, der Kinderchor unserer Organistin sowie unser Gospelchor. Die Chöre haben auch Strahlkraft über unsere Gemeinde hinaus.

Was war in den von Ihnen genannten Bereichen wichtig?

Smid: Die Seelsorge war es von Anfang an. Es ist das Schöne an meinem Beruf, dass ich den Menschen an besonderen Schwellen im Leben nah sein und Gottes Segen zusprechen kann; bei glücklichen Übergängen zum Beispiel bei Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen, goldenen Hochzeiten und auch bei den Jubiläen unserer Vereine und Feuerwehren, an die ich gerne denke. Ebenso konnte ich in schweren Lebenssituationen wie Trauer und Begleitung im Sterben trösten und ermutigen und bin selbst gestärkt worden. Ich bin sehr dankbar, dass die Menschen mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Die schwierigste Aufgabe war die Gemeindezusammenführung. 

Das Gebäudemanagement hat uns im Vorstand lange beschäftigt. Sehr gern hätte ich noch im Dienst miterlebt, dass unsere Vision eines neuen Gemeinderaums in der Colnrader Kirche Wirklichkeit geworden wäre. Wir sind aber auf einem guten Weg. In Heiligenloh haben wir – auch nach einem langen steinigen Weg und mühsamen Abschied vom alten Gemeindehaus – 2012 ein neues Dorfgemeinschaftshaus bekommen. Ich bin sehr dankbar, dass wir so viel Hilfe bekommen haben.

Thema Seelsorge: Was hat sich für Sie verändert?

Smid: Ja, das hat sie in der Tat. Am Anfang war es so, dass es mehr ein Hin und Her war. Menschen, die ich aufgesucht habe, sind danach zum Gottesdienst gekommen. In der Kirche ergaben sich Gespräche oder wir haben uns wieder verabredet. Heute erlebe ich Kirche so, dass ich auf die Menschen zugehe, dass ich zu ihnen hingehe. Ich überlege mir: Wer kann mich brauchen? Andererseits fällt mir positiv auf, dass die Kirchen unbedingt im Dorf bleiben sollen. Wenn es zum Beispiel um Renovierungs- oder Verschönerungsarbeiten geht, fühlen sich viele angesprochen, bringen sich mit Spenden, Ideen und zupackend ein.

Inwieweit hat sich der Gottesdienst verändert?

Smid: Er ist lockerer geworden. Wir feiern weniger Gottesdienste nach der üblichen Liturgie. Es sind viel mehr Zielgruppengottesdienste geworden. In vielen Gottesdiensten spielt unsere Organistin auch Gitarre. Die Predigt ist kürzer geworden.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Gemeindezusammenführung zurückdenken?

Smid: Das war ein schwieriger und am Ende doch guter Weg. Ich habe Colnrade vor elf Jahren übernommen. Damals gab es bereits Überlegungen, wie die Pfarrstelle erhalten bleiben kann. Ich habe mich dafür stark gemacht, dass es gut ist, wenn wir die beiden dörflich strukturierten Gemeinden zusammenführen. Ich freue mich, dass die Kirchenvorstände diesen Weg mit mir gegangen sind.

Wie hat sich der Prozess der Zusammenführung allgemein gestaltet?

Smid: Für die Colnrader war es schwer – ein schmerzlicher Einschnitt, das auf die Dauer finanziell unhaltbare Pfarrhaus und Gemeindehaus aufzugeben. Für die Zukunft haben wir ein gutes Konzept: Wir konzentrieren uns auf die schöne große Kirche. Wir bauen hinten einen Gemeinderaum ein. Dort treffen sich schon jetzt die Gemeindegruppen, und es ist ein schöner Platz sonntags für den Kirchenkaffee.

Wenn Sie auf 28 Jahre zurückschauen: Welchen Schluss ziehen Sie für die Gemeindearbeit der Zukunft?

Smid: Ich habe noch eine relativ traditionelle Konfirmandenarbeit gemacht. Aber für die Zukunft ist es wichtig, verstärkt mit Teamern zu arbeiten und die Jüngeren und Familien anzusprechen. Wir müssen die Jugendlichen hier binden. Sie sollen lebendigen Glauben erfahren, mit der Kirche tolle Event-Erfahrungen machen und den Segen Gottes spüren, sodass sie das Ganze in guter Erinnerung behalten und bleiben – oder gerne wiederkommen. Und es muss in allen Bereichen der Gemeindearbeit das Bewusstsein wachsen, dass das Engagement von Ehrenamtlichen in Zukunft noch viel stärker gebraucht wird, und dass die Pastorin nicht mehr immer überall dabei sein wird.

Was ist Ihnen zum Schluss noch ganz wichtig?

Smid: Mir liegt sehr am Herzen: Mein Mann und ich waren beide sehr gern in Heiligenloh und Colnrade. Es war eine schöne und erfüllte Zeit für uns beide, und wir blicken froh und sehr dankbar zurück. Wir wünschen uns, dass die Kirchengemeinde Heiligenloh-Colnrade so zugewandt und lebendig bleibt und dass noch mehr Menschen dazukommen – und dass in naher Zukunft unser Traum vom Gemeinderaum in der Colnrader Kirche wirklich wird.

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