Berliner verschenkt Kunstsammlung

Strohmuseum: Neue Vorsitzende und neue Schätze

Heike Paul ist die neue Vorsitzende des Strohmuseums.
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Heike Paul ist die neue Vorsitzende des Strohmuseums.

Der Verein des Strohmuseums in Twistringen hat mit Heike Paul eine neue Vorsitzende. Sie freut sich über ihre neuen Aufgaben - und über die großzügige Spende eines Kunstsammlers aus Berlin.

Twistringen – Stroh zu Gold zu spinnen, das vermag wohl nur das Rumpelstilzchen im Märchen. Auf Strohbildern, sogenannten Intarsien, glänzen die Getreidehalme aber fast ebenso schön. Der Berliner Kunstsammler Ingraban Dietmar Simon hat eine beeindruckende Sammlung solcher Werke. Um sie in guten Händen zu wissen, schenkt der 84-Jährige sie dem Twistringer Museum der Strohverarbeitung.

China, Russland, Mexiko … – die Bilder stammen laut Heike Paul aus aller Welt. Die neue Vorsitzende des Museumsvereins freut sich sichtlich über die Spende aus Berlin. Neben den Intarsien überlässt Ingraban Dietmar Simon den Twistringern noch Strohpuppen und Schatullen.

Intarsien und Strohpuppen gibt es derzeit schon im Museum. Bald kommen viele weitere Kunstwerke hinzu.

All das soll in einer umfassenden Sonderausstellung im Sommer zu sehen sein, wenn das Museum sein 30-jähriges Bestehen feiert. Um die Sammlung dauerhaft in Gänze zu zeigen, ist sie zu groß. Natürlich soll sie aber trotzdem auch in der Dauerausstellung Berücksichtigung finden. Dem Team vom Museum schwebt vor, einzelne Stücke zu präsentieren und immer mal wieder durchzutauschen.

Heike Paul engagiert sich seit Jahren im Strohmuseum

In ihrer ersten Zeit als Vorsitzende hat Heike Paul somit schon einiges auf dem Zettel. Die Arbeit im Strohmuseum ist für die Ehrenamtliche kein Neuland. Sie engagiert sich seit Jahren im Vorstand und leitet die Nähstube.

Das handwerkliche Geschick liegt ihr im Blut. Ihr Vater führte ein Baugeschäft mitsamt Werkstatt. Dort konnte sie als Kind stundenlang basteln und bauen. „Ich war ständig mit in der Werkstatt. Das war immer meins.“ Ihre Mutter war gelernte Näherin. „Mit der Nähmaschine war ich also auch schon ziemlich früh vertraut“, erzählt Heike Paul.

Ebenso lernte sie von klein auf die Gemeinschaft in Vereinen kennen und schätzen. Sie kommt aus einem Dorf in der Nähe von Bad Bederkesa. Zur Schule ging sie in Otterndorf. Über ein paar Umwege führte ihr Weg sie nach Bremen. Dort traf sie ihren späteren Mann, einen gebürtigen Twistringer. 1996 zogen die beiden gemeinsam in die durch die Strohverarbeitung geprägte Stadt.

Es war ein Stand auf einer Messe in Twistringen, der Heike Pauls Interesse am Nähen von Strohhüten weckte. Sofort war ihr klar: Das will ich ausprobieren! Als die Volkshochschule kurze Zeit später einen entsprechenden Kurs anbot, zögerte sie nicht lange.

2008 fing sie an, in der Nähstube des Museums zu helfen. Schnell sah die damalige Leiterin Fränzi Behrens in Heike Paul eine potenzielle Nachfolgerin. In jenen Tagen noch zu viert, zaubern heute zehn Mitglieder Strohhüte, Taschen und mehr für den Museumsshop. Kann man das Nähen von Stroh und Stoff eigentlich vergleichen? „Nein“, sagt Heike Paul und schmunzelt. „Das ist ein himmelweiter Unterschied!“ Das fange mit den unterschiedlichen Maschinen an. Insofern sei keine Näherfahrung nötig, um das Hütenähen zu lernen, ermutigt sie.

Auch was außerhalb der Nähstube im Museum los ist, fand Heike Paul schon immer spannend. „Mich hat das Große und Ganze interessiert, das alte Handwerk, die Malotten … Von daher bin ich ziemlich schnell in den Vorstand gerutscht, als Beisitzerin.“ Die Entscheidung, nun den Vorsitz zu übernehmen, scheint der zweifachen Mutter nicht schwergefallen zu sein. „Mir macht das Organisieren Spaß“, so die 55-Jährige. Das sei schon in ihrem früheren Beruf als Vertriebsassistentin der Geschäftsführung einer Firma in Bremen so gewesen.

Aktuell sind 50 Ehrenamtliche im Strohmuseum aktiv

„Und mit Menschen zusammenarbeiten, das ist mir ganz wichtig“, fügt sie hinzu. „Der Verein lebt von dem Miteinander – es ist mit ganz wichtig, das am Leben zu erhalten“. Das Strohmuseum kommt aktuell auf 50 Aktive.

Die Coronakrise macht es dem Museumsteam aktuell nicht leicht. Die großen Reisebusse voller Gäste fehlen. Normalerweise kommen im Schnitt 7000 Besucher pro Jahr. 2021 waren es gerade einmal 500. „Und davon können wir nicht leben“, verdeutlicht Heike Paul. „Wir müssen Wege finden, Einzelbesucher noch mehr anzusprechen.“ Das soll zum Beispiel durch Ausstellungen gelingen – etwa mit den von Ingraban Dietmar Simon gesammelten Strohintarsien.

Von Katharina Schmidt

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