Neue pflegeleichte Bestattungsarten auf dem evangelischen Friedhof

Nur nicht zur Last fallen

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Pastorin Petra Rauchfleisch (r.) und Annemarie Behring zeigen das neue Partnergrab.

Twistringen - Von Maik Hanke. „Ich werde dich nie vergessen.“ Das steht auf vielen Grabdekorationen. Doch oft genug passiert dann genau das – der Tote gerät in Vergessenheit und keiner kümmert sich um das Grab. Das hat der Friedhofsausschuss der evangelischen Kirche in Twistringen in den vergangenen Jahren immer häufiger festgestellt. Jetzt reagiert er darauf: mit neuen Grab-arten, um die sich Angehörige nicht zu kümmern brauchen.

„Den Trend zu pflegeleichten Gräbern haben wir genauso wie die Städte“, sagt Pastorin Petra Rauchfleisch. Auch auf dem Land löst sich die Familienbindung, die jungen Menschen werden mobiler, beschäftigter. Und die alten Menschen wollen ihren Angehörigen nicht zur Last fallen, wenn sie einmal tot sind.

„Unter 45-Jährige, die noch ein Grab pflegen, sind sehr selten“, sagt Friedhofsgärtner Michael Bartels. Der Trend geht zur Einäscherung: Im vergangenen Jahr waren bereits 60 Prozent der Beerdigungen Urnenbestattungen.

Anderthalb Jahre hat sich der Friedhofsausschuss der evangelischen Kirchengemeinde Gedanken gemacht, wie er auf diese Trends reagieren kann – und Lösungen gefunden. Ab sofort gibt es Partner- und Baumgräber für Urnen.

Das Prinzip bei beiden Varianten: Man zahlt einmal für das Grab – und muss sich fortan nicht mehr um die Pflege kümmern. Das übernimmt der Friedhofsgärtner. Die Partnergräber kosten 3250 Euro, die Baumgräber 1400 Euro. Dabei handelt es sich aber nicht um anonyme Gräber – Name und Lebensdaten stehen auf Steinplatten gemeißelt. Und so sehen die Grabarten aus: Bei den Partnergräbern ist auf einer quadratischen Fläche Platz für vier Paare. Auf jeder Teilfläche können dann zwei Urnen nebeneinander liegen.

Die Baumgräber sind „nicht zu verwechseln mit einem Friedwald“, erklärt Petra Rauchfleisch. Stattdessen wird großflächig um einen Baum ein Kranz von 30 Steinplatten gesetzt. Hinter jedem Stein kann eine Urne beerdigt werden. Zwei griechische Zitrusbäume sind bereits gepflanzt.

Wer sich für ein solches Grab entscheidet, muss sich zwar um nichts mehr kümmern, kann dann allerdings auch nichts mehr selber gestalten. Das Grab wird 25 Jahre lang versorgt.

Alle, die weitere Fragen haben, laden Petra Rauchfleisch und Annemarie Behring vom Friedhofsausschuss für Freitag, 16. Oktober, zu einem Infonachmittag ein – von 14 bis 17 Uhr im Gemeindehaus.

Rauchfleisch und Behring weisen auch darauf hin, dass zum 1. September eine neue Gebühren- und Friedhofsordnung im Kraft getreten ist. „Wir mussten die Gebühren nach oben anpassen“, sagt Rauchfleisch. Zum einen, um auf gestiegene Energie- und Entsorgungskosten zu reagieren. Andererseits auch wegen der steigenden Zahl der Freiflächen auf dem Friedhof: „Je mehr Grabflächen zurückgegeben werden, desto mehr müssen wir pflegen.“

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