Der Natenstedter Holger Barjenbruch ist selbstständiger Hufschmied / Gute Zukunftsaussichten

Kraftakt mit Fingerspitzengefühl

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Holger Barjenbruch rundet den Huf von „Flocke“ mit einer Raspel ab.

Natenstedt - Von Maik Hanke. Bereitwillig gibt „Flocke“ den vorderen rechten Huf her. Holger Barjenbruch klemmt ihn sich zwischen die Oberschenkel. Mit einem Messer schneidet er die Sohle des Hufs aus, mit einer Zange knipst er den Rand ab, mit einer Raspel rundet er ihn ab. „Flocke“ schnauft nicht, „Flocke“ meckert nicht, „Flocke“ wehrt sich nicht – für das Pferd ist das wie Fingernägelschneiden. Denn Barjenbruch weiß genau, was er wie zu tun hat, ohne dass es dem Tier wehtut. Seit fünf Jahren ist der 33-jährige Natenstedter selbstständiger Hufschmied.

Ein Hufeisen wird „Flocke“ heute nicht aufgeschlagen – es gibt nur die Pflegeeinheit. Sonst hätte Barjenbruch in Minutenschnelle den Schmiedeofen angeschmissen, um das Eisen heiß und formbar zu machen. Der Ofen befindet sich in seinem Auto, das direkt neben dem Pferd auf dem Hof steht.

In dem Kleintransporter hat sich Barjenbruch eine mobile Schmiede eingerichtet. Damit ist er praktisch ständig zu Hausbesuchen unterwegs. Er hat alles dabei, was er braucht, inklusive Schmiedeofen, Schweißbrenner, Amboss und natürlich unzähligen Hufeisen in verschiedenen Größen.

Auch wenn der Beruf des Hufschmieds aus der Mode gekommen scheint: Er hat immer noch Zukunft, sagt Barjenbruch. Solange es Pferde gibt, braucht es Hufschmiede. Weil es aber nur wenige Profis gebe, hat Barjenbruch „mehr als genug zu tun“.

Und es ist ein Job, den nicht jeder machen will. „Das ist kein ungefährlicher Beruf“, erklärt Barjenbruch. Er hat im Laufe der Jahre schon viele Pferde in Augenschein genommen, und so friedlich wie „Flocke“ sind nicht alle: Manche wehren sich, manche versuchen ganz gezielt, den Hufschmied wegzutreten. „Das ist stellenweise ein richtiger Kraftakt“, sagt der Profi. Gleichzeitig müsse man zwingend Ruhe bewahren. Respekt vor dem Tier sei ganz wichtig. Wer aber Angst hat, ist in diesem Beruf fehl am Platz.

Bevor Barjenbruch Hufschmied wurde, hatte er als Berufssoldat sein Geld verdient. Dort war er unter anderem Diensthundeführer. Doch als er vor ungefähr zehn Jahren mit seiner heutigen Ehefrau zusammenkam, brachte sie ihm die Tiere näher.

2007 stieg Barjenbruch bei der Bundeswehr aus, weil ihm die Richtung nicht gefiel, in die sie sich entwickelte. In seinem ursprünglich gelernten Beruf als Zentralheizungs- und Belüftungsbauer wollte er allerdings nicht zurück; den Job hatte er nie gemocht.

Der handwerklich begabte Natenstedter entschied sich für die Fortbildung zum Hufschmied. Eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung ist Voraussetzung. Vier Wochen besuchte Barjenbruch zunächst eine staatlich geprüfte Hufbeschlagschule, dann fuhr er zwei Jahre bei einem etablierten Hufschmied als Assistent mit, ehe er einen viermonatigen Lehrgang mit staatlicher Abschlussprüfung absolvieren musste.

Ein unbequemer, aber wichtiger Weg. Es gibt genug Pfuscher, die den Beruf des Hufschmieds nie gelernt haben, aber trotzdem darin arbeiten, weiß Barjenbruch. Er appelliert an alle Pferdebesitzer, nur staatlich geprüfte Meister ans Pferd zu lassen.

Nur so jemand wisse, wie der richtige Beschlag für ein Huf aussieht und wo der Nagel wie in den Huf eindringen darf, um das Tier nicht zu verletzen. Das erfordere nicht nur Kraft, sondern auch Erfahrung und mehr als eine Prise Fingerspitzengefühl. „Sparst du am Hufschmied, steckst du irgendwann das Doppelte in den Tierarzt.“

Bevor Barjenbruch Hand an ein Pferd anlegt, lässt er sich das Tier vorführen: Wie sieht der Bewegungsablauf aus? Gibt es irgendwo Probleme?

Der Hufschmied hat längst einen geschulten Blick entwickelt. „Wenn ich ein Pferd sehe, geht der Blick immer als erstes nach unten.“ Wie bei einem Zahnarzt, der bei Menschen immer zuerst auf die Zähne schaut, oder einem Polizisten, der bei einem Auto automatisch auf die Tüv-Plakette linst.

Hufeisen schützt

vor Verschleiß

Barjenbruch überlegt, im kommenden Jahr einen Auszubildenden einzustellen, der ihn zwei Jahre begleitet. Aber er weiß: „Es gibt nur wenige Menschen, die diese körperliche Herausforderung auf sich nehmen wollen – gerade in der Ausbildung.“

Übrigens: Nicht jedes Pferd braucht Hufeisen, vor allem aber die, die übernatürlicher Belastung ausgesetzt sind und deren Hufe vor dem Verschleiß geschützt werden müssen. Zum Beispiel Sport- und Kutschpferde, die auf Stein und Asphalt laufen. Manche Pferde brauchen Hufeisen auch zu orthopädischen Zwecken. Barjenbruch: „Wenn der Huf nicht funktioniert, funktioniert das ganze Pferd nicht.“

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