Twistringer Freiwilligen-Forum hilft den Schwächeren

Ein Nachtquartier für durchreisende Obdachlose

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Wenn Menschen in Not sind, helfen Waltraud Schlake und Hermann Brackmann weiter.

Twistringen - Von Theo Wilke. Kurz vor dem Jahreswechsel irrt ein junger Mensch durch die Stadt, weiß nicht mehr wohin, ist orientierungslos. Die Polizei greift ihn auf. Das Freiwilligen-Forum Twistringen (FFT) hilft. Die Ehrenamtlichen kümmern sich allerdings vor allem um obdachlose „Durchreisende“, sagt Hermann Brackmann. Und die kämen schon mal aus Minden oder Bassum, aber viele aus der ehemaligen DDR. Sie suchten vorübergehend ein Dach über dem Kopf – gerade auch in der Winterzeit, ergänzt FFT-Organisatorin Waltraud Schlake. Für Hilfesuchende gibt es die städtische Übernachtungsstelle.

Im vergangenen Jahr sei die Übernachtungsstelle insgesamt 72 Mal genutzt worden, berichtet Twistringens Fachbereichsleiter Carsten Werft auf Nachfrage. An der Lindenstraße, hinter dem Jugendhaus, in einem Wohnblock mit Sozialwohnungen der Stadt, bringt das Freiwilligen-Forum Obdachlose unter. Dies geschieht auch in Zusammenarbeit mit der Caritas. Dort holen sich die Bedürftigen vormittags ihr Tagesgeld ab und können nachmittags oder gegen Abend in die Übernachtungsstelle. An Wochenenden klopfen sie eher an die Tür des Pastors.

In der Regel dürfen Wohnungslose bis zu drei Tagen übernachten. Nur länger, wenn sie erkrankt sind und einen „gelben Schein“ mitbringen. An der Lindenstraße steht eine Wohnung mit zwei bis drei Betten sowie einem Zimmer extra für Frauen zur Verfügung.

Es hat sich viel bewegt

In den vergangenen Wochen habe sich viel bewegt, so Waltraud Schlake. Zudem gebe es zunehmend Bedürftige, die in Twistringen auf Wohnungssuche seien.

Seit Dezember 1997 gibt es das Twistringer Freiwilligen-Forum, die Übernachtungsstelle seit 1999, zunächst am Mörsener Kirchweg. Brackmann, Schlake und Ute Hellmann sind die Ansprechpartner im Forum. Und wie wichtig die Obdachlosenhilfe inzwischen ist, zeigt eine Zahl: In sieben Jahren gab es mehr als 2 000 Übernachtungen. „Das Freiwilligen-Forum stellt – von vielen unbemerkt – die Aufnahme und Versorgung der im Übernachtungsheim an der Lindenstraße einkehrenden Durchreisenden sicher“, heißt es.

Fahrdienste zu Fachärzten und Krankenhäusern

Das ehrenamtliche Team unter dem Dach der katholischen Kirchengemeinde St. Anna hat seine Anlaufstelle im früheren Küsterhaus an der Steller Straße. Laut Brackmann und Schlake braucht das FFT noch mehr Freiwillige, um die vielfältigen Aufgaben bewältigen zu können. In der Woche sind es bis zu zehn Aktive, im Sommer weniger.

Im Sozialwohnungsblock hinter dem Jugendhaus befindet sich eine Übernachtungsstelle. Sie wurde 2017 insgesamt 72 Mal genutzt.

Neben der Obdachlosen-Betreuung organisiert das Forum zum Beispiel Fahrdienste zu Fachärzten oder Krankenhäusern, wenn Betroffene keinen Führerschein haben oder nicht wissen, wie sie ans Ziel kommen. Vier oder fünf Helfer sind dafür im Einsatz.

Gemeinsam statt einsam

Das FFT bietet auch Einkaufshilfen und Besuchsdienste für Senioren, wenn jüngere Angehörige nicht zu Hause oder berufstätig sind. Das Team beteiligt sich an der Basta-Gruppe (Gemeinsam statt einsam) und hilft bei Behördengängen.

„Es gibt ältere Menschen, die wollen nicht ins Heim“, betont Hermann Brackmann. Und Waltraud Schlake macht deutlich: Es fehlen Ehrenamtliche, die für Senioren einkaufen. Man brauche auch jemanden, der mit Älteren spazieren gehe oder Behinderte im Rollstuhl schiebe.

Ehrenamtliche werden weiterhin gesucht

Das Freiwilligenforum möchte sein Angebot auch gerne um einen Ansprechpartner für Behinderte und Angehörige erweitern. „Der Bedarf ist da“, weiß Schlake. Es bereitet ihr Sorgen, denn „es gibt bis heute auch keinen Austausch zwischen Angehörigen behinderter Kinder.“

Wer sich engagieren möchte, meldet sich einfach: jeden ersten Dienstag zwischen 16 und 18 Uhr im alten Küsterhaus, oder direkt bei Waltraud Schlake (04243/ 1222) und Hermann Brackmann (04243/ 1528).

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