Kinderaktion, Gutscheine und Online-Weinprobe

Twistringer Einzelhandel kämpft in der Krise: Nach der Schockstarre zu „Stay at Home“

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„Zum Schutz unserer Kunden und für uns“ hat Michael Poehlemann das Beverino im März für vier Wochen geschlossen und inzwischen wieder geöffnet.

Twistringen - Mehr und mehr Geschäfte verschwinden in den Städten von der Bildfläche. Auch in Twistringen. Die Bahnhofstraße, einst von der B51 bis zum Bahnhof mit Einzelhandelsgeschäften „gepflastert“, ist von einer Einkaufsmeile zu einem Mischgebiet aus Wohnhäusern, wenigen Geschäften und Praxen sowie Dienstleistern geworden. Die Konkurrenz des Internets ist einfach zu groß.

Die Schließung der Geschäfte in der Corona-Krise hat sich nochmals negativ auf den Einzelhandel ausgewirkt. Da mussten sich die Inhaber etwas einfallen lassen, um am Ball zu bleiben. Wie Michael Geisler von M.G. Fashion: „Die ersten zwei Wochen befanden wir uns in einer absoluten Schockstarre“, gibt der Familienvater zu. Dann kam ihm eine Idee.

„Ich bot an, dass unsere Kunden Gutscheine bei uns bestellen.“ Ab 50 Euro bekam jeder ein T-Shirt mit der Aufschrift „Stay at Home“ kostenlos dazu. Das Besondere: Wer das Shirt nach Wiedereröffnung beim Einkauf vorlegt, bekommt 20 Prozent Rabatt. Und das bis zum 31. Dezember 2020. Nebeneffekt: Das T-Shirt soll später an diese schwierige Krise und den Zusammenhalt der Menschen erinnern. „Das lief so toll an, dass ich keinen Mitarbeiter entlassen musste“, freut sich Geisler.

Corona-Krise in Twistringen: Michael Geisler muss trotz Erfolgsidee Kurzarbeit anmelden

Zwar musste er seine Angestellten in Kurzarbeit schicken, aber seit der Wiedereröffnung arbeiten alle wieder wie vorher. „Das haben jedoch nur unsere treuen Kunden möglich gemacht.“ Die Gesundheit stehe weiter im Vordergrund. Deshalb darf jeweils nur eine Kundin im M.G. Fashion for Woman sein, und zwei Herren im M.G. Men’s Fashion gleichzeitig. Es sei nämlich nicht die Zeit zum Bummeln, sondern nur, um den Bedarf zu decken.

Der Aufenthalt wird zeitlich begrenzt. Grundsätzlich auf eine halbe Stunde. „Männer, die einen Anzug kaufen, haben eine Stunde“, sagt Geisler. Auf der Homepage www.michael-geisler.com werden auch Fragen beantwortet. „Mit der Stay-at- Home-Aktion haben wir die Krise bisher überstanden und kommen mit einem blauen Auge davon.“

Corona-Krise in Twistringen: Buchhändlerin Schwarze bietet kostenlosen Lieferservice an

Auch für Bettina Schwarze, Inhaberin der Buchhandlung Dauelsberg am Markt, waren die vergangenen Wochen eine Berg- und Talfahrt. Es fiel der Geschäftsfrau nicht leicht, die Mitarbeiterinnen in die Kurzarbeit zu schicken. Trotz der Schließung bot sie einen Rund-um-die-Uhr-Dienst mit kostenlosem Lieferservice an. Die Bestellannahme lief sehr gut, vor allem um Ostern herum.

Bettina Schwarze, unterstützt von ihrer Familie, stellte die Bestellungen zusammen, lieferte aus und schrieb Rechnungen. Gleichzeitig rief sie den Wettbewerb „KiCK! Kinder in der Corona Krise“ ins Leben. Mädchen und Jungen konnten ein Bild gestalten oder eine Situation fotografieren, die sie mit Corona verbinden oder was sie in dieser Zeit erlebt haben. „Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt“, so Schwarze. Die Aktion lief bis zum Wochenende.

Nach der Wiedereröffnung freute sich Schwarze über ihre treue Kundschaft: „Es war ein schönes Gefühl, vermisst zu werden“, denn viele Kunden hätten sie mit den Worten „Endlich habt ihr wieder geöffnet und wir sehen uns wieder“ begrüßt. Bereits in der zweiten Woche holte sie alle Mitarbeiterinnen zurück. Sie sind in zwei Schichten eingeteilt. „So ist der Verkauf auch dann gewährleistet, wenn sich jemand von uns infizieren sollte.“

Corona-Krise in Twistringen: Weinladen Beverino steigt auf Liefer- und Abholservice um

Obwohl es für Michael Poehlemann, Inhaber des Weinladens Beverino, nicht amtlich angeordnet war, schloss der Einzelhändler am 19.  März für vier Wochen sein Geschäft an der Südstraße. „Zum Schutz unserer Kunden und für uns“, erklärt der Weinhändler. In dieser Zeit habe er mit seinen Mitarbeiterinnen den Betrieb auf einen Liefer- und Abholservice umgestaltet sowie intensiv an der Präsenz in den modernen Medien gearbeitet.

Seit dem 20. April ist auch das Beverino wieder geöffnet. „Das Privatkundengeschäft läuft sehr gut“, freut sich Poehlemann. Trotzdem sind drei von vier Geschäftsfeldern bei ihm auf Null runtergefahren: Belieferung der Gastronomie, Teilnahme an Veranstaltungen sowie Weinproben im Geschäft.

Weinhändler Poehlmann: Wer sich Digitalisierung nicht anschließt, hat kaum eine Chance zu überleben

Poehlemann beschreitet nun neue Wege. Es gab bereits die erste Online-Weinprobe mit dem Weingut Russbach, an der zahlreiche Twistringer teilnahmen. „In Kürze biete ich das eigenständig an“, sagt Michael Poehlemann.

Vor der nächsten Weinprobe kaufen sich die Kunden das Weinpaket und schalten sich abends online zu, um zu Hause die Probe zu genießen. „Ich werde das Ganze moderieren“, freut sich Poehlemann. Und: „Ich denke, die Coronakrise wird auch den Einzelhandel noch stärker verändern.“

Digitalisierung werde ein großes Stichwort sein, und wer sich dem nicht anschließe, habe kaum Chancen zu überleben, betont der Weinfachmann. Es werde für den Einzelhandel schwer sein – die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos.

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