125 Jahre evangelische Kirchengemeinde in Twistringen

Nach dem Krieg Zuwachs durch Flüchtlinge

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Pastorin Christina Ernst beim Schützenkommers: „Ich habe mich gut eingelebt. 

Twistringen - Von Theo Wilke. Eigentlich beginnt alles im Jahr 1873 mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie in Twistringen. Mehr und mehr Menschen zieht es in die Delmestadt, was die Kaufleute natürlich auch freut. Und unter den Neubürgern sind viele lutherisch-evangelischen Glaubens – und das in einer katholischen Hochburg! Im Jahre 1891 gründet sich die evangelische Kirchengemeinde Twistringen, drei Jahre später folgt der Kirchenbau. 125 Jahre später nun wird das Gründungsjahr im Rahmen eines großen Gemeindefestes am Sonntag, 7.  August, an der Bernhardstraße gefeiert.

Fast 200 Jahre zuvor gibt es lediglich 112 Lutheraner in Twistringen, dagegen 1.946 Katholiken. Mitte des 18.  Jahrhunderts nur noch 61 evangelische Gläubige, der katholische Anteil klettert auf 2.400. Im Jahr 1895 weist die Statistik schon 291 Lutheraner und 4 .218 St.-Anna-Gläubige aus. Zu der Zeit müssen sich die Lutheraner schon nicht mehr auf den Kirchgang nach Heiligenloh oder Bassum machen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wächst die evangelische Gemeinschaft deutlich weiter an. 1950 sind es 1.350, auf katholischer Seite bereits 7500 Gläubige.

Martin Luther und die frühgotische Kirche an der Bahnhofsstraße in Twistringen. 

Stadtarchivleiter Friedrich Kratzsch schreibt im Twistringen-Buch von 1999: „Es sollte bis 1889 dauern, ehe konkrete Überlegungen zum Bau einer evangelischen Kapelle und zur Anlegung eines Kirchhofs angestellt wurden.“ 17  evangelisch-lutherische Einwohner versammeln sich im November 1889 unter der Leitung von Superintendent Hermann Mehliß aus Bassum, um über die Gründung einer Kirchengemeinde zu beraten. Eineinhalb Jahre gehen dann noch ins Land bis zur Entscheidung – bis zum 16. Mai 1891, dem Gründungstag.

Drei Jahre später wird die Martin-Luther-Kirche an der Bahnhofsstraße eingeweiht. Turm und Kirche sind schlicht gebaut, im frühgotischen Stil. Die Backsteine kommen von der Sunderschen Ziegelei. „Mit 300 Gemeindegliedern fing es hier an. Sie kamen aus Twistringen, Scharrendorf, Abbenhausen, Mörsen, Marhorst, Köbbinghausen und Stelle“, steht im evangelischen Gemeindebrief „Das Portal“.

Gottesdienst mit Taufe und Abendmahl feiern ist anfangs aber gar nicht so leicht. Kein Abendmahlsgerät, kein Taufgeschirr, kein Geld. Da freuen sich die Twistringer Lutheraner über die Unterstützung aus anderen Kirchengemeinden. So tun sich junge Christen aus Breslau und Börlitz zusammen, um den „Brüdern und Schwestern in der Diaspora“ zu helfen. Sie schenken der neuen Twistringer Gemeinde eine silberne Taufkanne, ein Taufbecken, einen Abendmahlskelch und eine Kanne für Wein (heute wird daraus Traubensaft getrunken). Auch Pathene (liturgische Schale) und Hostienbehälter für die Oblaten werden in der Martin-Luther-Kirche heute noch benutzt.

Der erste Pastor ist 1896 Otto Enkelstroth (bis 1911). Zwei Jahre später wird für ihn das Pfarrhaus errichtet. Die evangelische Gemeinde wächst. Der Ruf nach einer eigenen Schule folgt, gebaut wird sie von 1908 bis 1914 an der heutigen Bernhardstraße. Seit 1961 befindet sich dort das Gemeindehaus.

Der zweite Pastor wird 1912 Wilhelm Büning (bis 1927), danach Friedrich Woltmann (bis 1956), Günter Kunert (bis 1974) und Peter Leuchtmann (bis 1993). Ab 1994 dürfen Frauen Pastorin werden: Dorothea Haspelmath-Finatti (bis 2001), Petra Rauchfleisch (bis Herbst 2015) und seit Frühjahr 2016 Christina Ernst.

Seit einigen Jahrzehnten haben sich evangelische und katholische Kirchengemeinde angenähert und pflegen eine regelmäßige Ökumene.

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