Gästeführung im Sitzen im Twistringer Ratssaal erneut ein voller Erfolg

Von Mühlen, Molkereien und Hochzeiten

Hedwig Harms alias Alwine informierte die Gäste über Fränzi Behrens. Foto: Nölker

Twistringen - Von Sabine Nölker. Erstmalig begrüßte die neue Tourismusexpertin der Stadt Twistringen, Silke Perin, die Anwesenden der Gästeführung im Sitzen. Der Ratssaal war voll besetzt. „Die Veranstaltung war sehr schnell ausverkauft“, so Perin. Man hätte locker noch 50 weitere Karten verkaufen können. Für Vorgängerin Heike Harms war es die erste entspannte Gästeführung, konnte sie sich doch ganz auf die insgesamt fünf Geschichten konzentrieren.

Mit Gabi Wessels, die davon berichtete „Als der Milchmann noch durchs Dorf zog“, nahm der Abend seinen Anfang. „Die junge Generation liebt die Milchschnitte und so mancher glaubt an die Lila Kuh“, stieg sie in ihren Vortrag ein.

Informativ ging es weiter. Hubert Beckmann habe am 1.  Januar 1948 als Milchfuhrmann in Stelle seinen Dienst angetreten. „Das wurde ihm in die Wiege gelegt. Denn sowohl sein Großvater als auch sein Vater waren Milchfuhrmänner“, so Wessels weiter. Seit 1901 sei die Familie in diesem Geschäft unterwegs gewesen. Sein erstes Gehalt war für Beckmann viel Geld. 485 Deutsche Mark bekam er monatlich von der Molkerei, musste jedoch Fuhrwerk und Pferde stellen und selber für die Reparaturkosten und den Hufschmied aufkommen.

Des Weiteren wusste die Gästeführerin zu berichten, dass die Molkerei in Twistringen 1887 gegründet wurde und fast 100 Jahre später, 1985, mit einer anderen Molkerei zusammengelegt wurde, was für Twistringen das Aus bedeutete.

Am 1. Februar 1978 steuerten die letzten drei Milchfuhrmänner die Höfe an, danach fuhr nur noch der Milchtankwagen – „ein LKW ersetzte sechs Gespanne“.

Alwine aus Marhorst alias Hedwig Harms berichtete über Fränzi Behrens – Ein Leben für die Strohindustrie. Die Geschichte dazu fand sie in dem Buch von Gabriele Ullrich „Aufbrüche“, das von Frauenbildern aus vier Jahrhunderten zwischen Weser und Dümmer handelt.

Mit „Verliebt, verlobt, verheiratet“ war Marion Urbanski die dritte Rednerin des Abends. Auf dem Kopf einen im Strohmuseum gefertigten Hochzeitshut – was schon für einige Ah’s und Oh’s bei den Gästen sorgte. Sie rief alte Hochzeitsbräuche in Erinnerung.

Danach ging es mit Lydia Skripalle und „Von der Mühle zum Brot“ weiter. Skripalle berichtete, dass sich 14 Wind- und Wassermühlen auf dem jetzigen Twistringer Stadtgebiet befanden. Wie die Henckemühle, die Essemühle, die Knochenmühle sowie Griemes Windmühle in Rüssen.

Bis 1994 betrieb Müller Surmann in Abbenhausen an der Delme eine Wassermühle. Bereits 1711 war auf einer Karte die Vorläuferin der Bottermannschen Mühle an der heutigen Bahnhofstraße eingezeichnet. Damals die „Tauke Mühle“. 1851 wurde dort eine moderne Holländermühle errichtet, die seit 1866 bis zum Großbrand am 19.  April 1980 der Familie Bottermann gehörte. Von den Mühlen ging die Gästeführerin über zum bäuerlichen Brotbacken und zu Backhäusern, von denen einige noch funktionieren.

„Das Beste im Leben sind doch die Feiern“, fand Maria Thamm als letzte Rednerin. Anhand vieler Fotos von der 100-Jahr-Feier des TV Heiligenloh und der 800-Jahrfeier der Ortschaft Natenstedt konnten sich die Anwesenden davon überzeugen.

Nach jedem Vortrag gab es eine kleine Köstlichkeit. Vom Cracker mit Frischkäse-Dip über „Twusterlinge“ und Liebeslikör bis zu Häppchen vom selbst gebackenem Sauerteigbrot mit Butter und Butterkuchen.

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