Montags ist es am extremsten

„Es geht um die Sicherheit der Kinder“: Busfahrerin wünscht sich mehr Rücksicht im Verkehr

Busfahrerin Elke Bischoff hat Freude an ihrem Job. Allerdings ärgert sie, dass sich viele Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln halten würden.
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Busfahrerin Elke Bischoff hat Freude an ihrem Job. Allerdings ärgert sie, dass sich viele Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln halten würden.

Twistringen – Der Schulbus hält, die Tür öffnet sich. Endlich ab nach Hause! Flugs steigt das Kind aus und sattelt seinen Ranzen auf, um auf die andere Straßenseite zu rennen, wo die Mama schon wartet. Der Autofahrer, der genau in dem Moment mit Schmackes zum Überholen des Busses ansetzt, kann das aber nicht sehen …

Es sind Situationen wie diese, bei denen Fahrerinnen und Fahrern des Twistringer Busunternehmens Borchers immer wieder der Atem stockt. Eine von ihnen ist Elke Bischoff. „Viele Autofahrer fahren nicht so, wie sie es in der Schule gelernt haben“, kritisiert sie. „Montags ist es am extremsten.“

Steht ein Bus mit Warnblinklicht an einer Haltestelle, dürfen andere Verkehrsteilnehmer nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbei – egal, aus welcher Richtung sie kommen. Sie dürfen Fahrgäste nicht behindern und müssen im Zweifel warten. So steht es in der Straßenverkehrsordnung. „Da hält sich keiner dran“, berichtet Bischoff aus ihrem Berufsalltag.

Eine der wichtigsten Lektionen in ihrer Ausbildung war, vorausschauend zu fahren. Als Busfahrerin erlebt sie dennoch auch immer wieder Situationen, in denen ihr aufgrund des Verhaltens anderer keine andere Wahl bleibt, als zu bremsen.

Geht ein Busfahrer in die Eisen, kriegen die Fahrgäste das deutlich zu spüren. Anke von der Lage-Borchers, die das Busunternehmen zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn leitet, erklärt: „Wenn wir mit Stehplätzen fahren, was ja auch erlaubt ist, oder die Kinder sich nicht an die Regeln halten und wir bremsen müssen, dann knallen die im Zweifel durch den ganzen Bus. Der Bus steht sofort.“

Im Linienverkehr gebe es keine Anschnallpflicht. „Wir können den Kindern nur sagen, dass sie es tun sollten“, sagt von der Lage-Borchers. Zudem könnten Busfahrer nicht ununterbrochen schauen, was hinten im Bus los ist. Schließlich müssten sie auf den Verkehr achten.

„Vielen ist auch nicht bewusst, das der Bus die Kurve schneiden muss“, führt sie mit Blick auf die Standardlänge von zwölf Metern aus.

Noch so eine Regel, die laut ihr und Elke Bischoff gerne ignoriert wird: Setzt ein Bus an einer Haltestelle den Blinker, hat er Vorrang. Andere müssen ihm ermöglichen, sich einzugliedern. „Die geben stattdessen noch Gas, um noch schnell vorbeizukommen“, berichtet Bischoff.

„Es geht um die Sicherheit der Kinder“, verdeutlicht sie. „Hinter den Steuern der entsprechenden Autos sitzen auch viele Mütter und Väter, oft sogar mit Handy in der Hand, die ihre Kinder zur Schule bringen.“ Gerade denen müsste doch an der Sicherheit von Kindern gelegen sein, sagt Bischoff. Andere Verkehrsteilnehmer seien vielleicht Omas und Opas, Tanten, Onkel. „Es könnte das eigene Familienmitglied sein, das im Bus sitzt“, gibt die Busfahrerin zu bedenken.

Nur ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit, schon können gefährlichen Situationen entstehen. Und Sekunden sind es laut Bischoff und von der Lage-Borchers meist auch nur, die ein Bus braucht, um ein paar Schulkinder an einer Bushaltestelle herauszulassen. Trotzdem: Manche Autofahrer quetschen sich ihnen zufolge selbst an den engsten und unübersichtlichsten Stellen vorbei.

„Wir werden als Verkehrshindernis gesehen“, sagte Elke Bischoff. Dass Busfahrer tagtäglich Kinder zur Schule bringen und somit eine wichtige Aufgabe erfüllen (und die Straßen ohne sie noch voller wären), scheinen viele zu vergessen.

Stellen, an denen es laut den beiden Frauen besonders haarig ist, sind an der Feldstraße, an der Grundschule am Markt und bei der Abzweigung von der B 51 in die Kirchstraße (beim Centralplatz). „Und dann ist da die Verkehrssituation am Gymnasium, da läuft alles durcheinander.“ Der Parkplatz dort soll in den Sommerferien umgestaltet werden.

Von Katharina Schmidt

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