Mitunter braucht es einen unwahrscheinlichen Zufall, um Sammler zu werden

Der Blitz ins Glück

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Briefmarken sammeln ist ein schönes, aber aussterbendes Hobby.

Twistringen - Von Michael Walter. Manchmal lohnt es sich, zu schnell zu fahren: In ganz seltenen Fällen hat man nach dem Blitzer mehr Geld in der Tasche als vorher. Heinz Derix ist das vor vielen Jahren passiert. Und nur deshalb saß er gestern beim Groß-Tauschtag des Briefmarken- und Münzsammlervereins im Twistringer Gymnasium.

Wer in der Schweiz schon mal geblitzt worden ist, weiß: Tempoverstöße sind bei den Eidgenossen richtig teuer. 95 Franken sollte der Twistringer damals bezahlen. Er gab einen Hunderter und bekam eine Fünf-Franken-Münze als Wechselgeld zurück. Die behielt er als Andenken.

„Erst Jahre später hab ich mir die mal genauer angesehen“, erzählt Derix. Und da traf ihn fast der Schlag. Laut Münzkatalog gab es von dieser einen Prägung aus dem Jahr 1968 nur ganze zehn Stück. Wahrscheinlich hatte er die einzige bekommen, die überhaupt noch im freien Umlauf war. „An dem Tag hab ich angefangen, Münzen zu sammeln.“

Den seltenen Fünfer hatte Derix gestern nicht dabei. Dafür hat der Katalogwert auch eindeutig zu viele Nullen. „Die Münze liegt bei meiner Bank im Tresor.“

Insgesamt 15 Sammler boten gestern Münzen, Briefmarken und Ansichtskarten zum Tausch und zum Verkauf. Und die Resonanz war ganz beachtlich. „In den ersten zwei Stunden ist der Andrang am größten“, weiß Heiner Kastens, der Vorsitzende der Twistringer Briefmarkensammler. Wer zu solchen Tauschbörsen geht, ist auf der Suche. Nach dem einen Stück, das in der Reihe noch fehlt. Und da fängt eben nur der frühe Vogel den Wurm. Denn die anderen suchen ja auch. Und mit einiger Wahrscheinlichkeit nach den gleichen fehlenden Stücken.

Seit über 30 Jahren richten die Twistringer Sammler einmal jährlich diesen Tauschtag aus. Früher in Gaststätten, seit fünf Jahren am Gymnasium. „Das ist immer ganz gut besucht“, sagt Kastens. „Ein paar Aussteller könnten es mehr sein.“

Aber das Problem haben fast alle. Briefmarken sammeln ist ein aussterbendes Hobby. „Es kommen kaum neue Sammler nach“, weiß Kastens. „Und die alten sterben weg. Kinder oder Enkel führen die Sammlungen meist nicht weiter. Viele wollen verkaufen.“ Aber der Kreis der Abnehmer wird kleiner. Siehe oben. Und das drückt die Preise. Kastens: „Für gute Stücke bekommt man noch 30 bis 40 Prozent vom Katalogwert.“

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