missio-Truck sensibilisiert Twistringer Schüler für das Thema Flucht

„Vertraut keinem“

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Der Eingangsbereich des Trucks stellt einen Markt im Osten Kongos dar.

Twistringen - Von Sabine Nölker. „Es war erschreckend, wie ich lebenswichtige Entscheidungen unter extremen Zeitdruck fällen musste“, erklärt die 17-jährige Julia, Schülerin des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums, als sie gestern Morgen aus dem missio-Truck steigt. „Ich konnte mich genau in die Situation des Flüchtlings hineinversetzen.“

Innerhalb von zehn Minuten wurde sie zum Flüchtling. Zehn Minuten, „die Eindruck und Nachdenklichkeit bei mir hinterließen“, sagt das Mädchen im Nachhinein.

Das Internationale Katholische Missionswerk möchte mit dem missio-Truck Besucher für die Ausnahmesituation Flucht sensibilisieren – am Beispiel von Bürgerkriegsflüchtlingen im Ostkongo. Gestern machte das Fahrzeug am Gymnasium in Twistringen Station.

Zu zweit besteigen Julia und ihre Freundin Lea den Truck und werden von Anna-Lena Dieckmann, Studentin der Kulturwissenschaften, auf einem Markt im Ostkongo begrüßt. Sie dürfen sich eine Person aussuchen, in deren Rolle sie schlüpfen möchten. Lea ist die 22-jährige Irene, die einmal Lehrerin werden möchte. Julia hat sich Falon, eine 18-jährige Verkäuferin, ausgesucht.

Ihre erste Station ist eine Kirche. Dorthin fliehen sie vor den anrückenden Milizen. Von überall dröhnen Gewehrsalven, über Monitore, die hinter den Fenstern realistische Bilder vermitteln, sehen sie, wie die Soldaten immer näher rücken. Die Mädchen werden aufgefordert, nur das Wichtigste mitzunehmen. In Sekunden müssen sie entscheiden, was sie zurück lassen wollen. Im nächsten Raum hängen sich die Mädchen an den Tritt eines Lastwagens. Der Fahrer klärt sie auf, wie sie am sichersten fliehen. „Lauft nachts, tagsüber versteckt euch. Und geht den Soldaten aus dem Weg!“ Er spricht von Vergewaltigung und vielen Toten. „Vertraut keinem. Am schlimmsten sind die Kindersoldaten.“

Julia und Lea haben keine Zeit, das Gehörte zu verarbeiten. Sie landen bei einer Tante in Nairobi. Sie teilen sich mit acht Personen drei Betten. Sie suchen einen Job, erfahren Fremdenfeindlichkeit am eigenen Leib und müssen lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Nächste Station ist ein Treppenhaus. Die Mädchen sind allein, verzweifelt und müssen schlechte Nachrichten von zu Hause verarbeiten. Auch bei Julia und Lea arbeitet es. „Wie kann ich helfen? Was kann ich tun?“ Diese Fragen müssen sie nicht alleine beantworten. An der letzten Station erfahren sie, was auch Besucher tun können.

„Es war cool gemacht, echt krass“, zieht Lea ihr Fazit, als sie aussteigt. Die Bilder haben Eindruck hinterlassen.

Im zweiten Teil des Besuchs lernten die Schüler den von der Elfenbeinküste stammenden Serge Aka kennen. Er ist Mitarbeiter bei missio. Aka klärte über die Situation im Ostkongo auf. Für Unruhen sorgen unter anderem die großen Coltan-Vorkommen, die Rebellen und Milizen anlocken. Dieses Erz werde unter anderem für die Herstellung von Handys benötigt.

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