40 Jahre Landkreis Diepholz: Heinfried Schumacher bringt Ehemalige zusammen

Mindestens 220 Jahre Kreistagspolitik am Tisch

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Historisches Treffen in Twistringen: (vordere Reihe sitzend, v.l.) Hermann Bokelmann, Friedrich Öhlschläger, Mareile Windhorst, Werner Beckmann und (mittlere Reihe v.l.) Franz Vogeler, Karl Sandvoß, Peter Würtz, Ingeburg Sandvoß, Waltraud Schaub, Wolfgang Heere, Dagmar Voss, Friedrich Nordmann sowie (hintere Reihe v.l.) Walter Huntemann, Bernd Richter, Heinz-Wilhelm Schmidt, Heinfried Schumacher, Jürgen Müller und Helmut Engels.

Twistringen - Von Anke Seidel. Das gibt es nicht alle Tage: 220 Jahre Kreistagspolitik holte Heinfried Schumacher am Dienstag in der Twistringer Penne an einen Tisch. „Ungefähr“, sagte der Sozialdemokrat aus Syke schmunzelnd.

Denn wie lange sie genau im Kreisparlament für Bürgerbelange gekämpft hatten, daran konnten sich manche Ehemalige spontan nicht genau erinnern. Aber selbstverständlich an die Kreisreform, aus der vor vier Jahrzehnten der Landkreis Diepholz hervorgegangen war, und die Anlass dieses historischen Treffens war.

Einer, der zum Zeitpunkt der „Zwangsheirat“ zwischen dem Kreis Grafschaft Hoya und dem Kreis Diepholz schon 13 Jahre im Hoyaer Kreisparlament saß, ist Hermann Bokelmann aus Harpstedt. „Ich bin Zwangs-Oldenburger geworden“, stellte er während der lockeren Begrüßungen unter den ehemaligen Abgeordneten fest – und deutete auf seine Krawatte: ein schwarzes Schaf auf rotem Grund, umgeben von einer ausschließlich weißen Herde. Denn sein Heimatort war vor vier Jahrzehnten aus dem Kreis Grafschaft Hoya herausgerissen und dem Landkreis Oldenburg zugeordnet worden. Der „Zwangs-Oldenburger“ vertrat weiterhin Bürgerinteressen im Kreistag – und wirkte ein Jahrzehnt, von 1991 bis 2001, sogar als Landrat. Aber er setzte ebenso als Bürgermeister in Harpstedt Maßstäbe.

Heinz-Wilhelm Schmidt erlebte Gebietsreform mit

Auch Heinz-Wilhelm Schmidt aus Stuhr erlebte die Gebietsreform damals hautnah mit – auf Gemeindeebene und als Bürgermeister von Brinkum. Bis 1996 saß er im Diepholzer Kreistag, war zwei Perioden lang stellvertretender Landrat. Wer Bürgermeister ist, gehört auch in den Kreistag – das galt einst als ungeschriebenes Gesetz. Andere empfahlen sich durch enormes kommunalpolitisches Engagement für das Kreisparlament.

„Aber ich habe nie im Kreistag gesessen“, sagte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Peter Würtz schmunzelnd. „Der kam damals ja eingeflogen“, so ein Zwischenruf aus der heiteren Runde. Denn die Sozialdemokraten hatten den damals 29 Jahre alten Würtz als Kandidaten in den Landkreis Grafschaft Hoya geholt – und den „Fremden“ versprechen lassen, als Kandidat sofort in die damalige Grafschaft zu ziehen. Würtz hielt Wort – und war 21 Jahre lang ihr Bundestagsabgeordneter.

Sowohl Kreistags- als auch Landtagserfahrung hatte Helmut Engels aus Drebber. Er erlebte die Kreisreform aus dem Blickwinkel des Landkreises Grafschaft Diepholz mit. Engels arbeitete insgesamt 37 Jahre im Kreisparlament mit.

Nur vier Frauen unter den Gästen

Unter den 18 Gästen waren am Dienstag allerdings nur vier Frauen. Drei von ihnen hatten einen Sitz im Kreistag gehabt. Ingeburg Sandvoß aus Bruchhausen-Vilsen war fünf Jahre lang Kreistagsabgeordnete, und zwar Seite an Seite mit ihrem Ehemann Karl, der darin 14 Jahre mitwirkte. „Wir waren bisher das einzige Ehepaar im Kreistag“, erinnerte sie sich strahlend.

Keine Kreistagserfahrung – aber großes Engagement für die SPD hatten Werner Beckmann als jahrzehntelanger Unterbezirksgeschäftsführer und seine Mitarbeiterin Mareile Windhorst bewiesen. Deshalb schwelgten sie in der Twistringer Penne mit in den Erinnerungen an eine politische Zeit, die sich vor vier Jahrzehnten deutlich von der heutigen unterschied. Kurzer Draht über E-Mails, Whats-App oder eine elektronische Aktenmappe? Fehlanzeige. Stattdessen gab es nächtelange politische Diskussionen in verräucherten Gaststätten – nicht selten bei Bier und Korn.

In Twistringen war es ein gemeinsames Essen, das den Rahmen für den manchmal humorvollen und manchmal melancholischen Rückblick bildete. Der einzige am Tisch, der den Bogen in die Gegenwart spannte, weil er seit 1977 bis heute im Kreistag ist, war Heinfried Schumacher – der Gastgeber selbst.

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