Förderphase beendet

Städtebauförderung in Twistringen: Millionen für die „gute Stube“

Attraktiv: Spalierbäume am Parkplatz am Markt.
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Attraktiv: Spalierbäume am Parkplatz am Markt.

Twistringen - Die zentralen Plätze, ein Schulhof, die Vechtaer Straße oder auch sanierte Stadthäuser haben die Attraktivität Twistringens gesteigert und Quartiere aufgewertet. Länger als zunächst geplant hat die Delmestadt seit 2001 vom Städtebauförderprogramm des Bundes und Landes profitiert. Mehrfach wurde das Programm verlängert. Nun ist das Programm beendet. Zurzeit sind noch Abschlussrechnungen in Arbeit. Deshalb liegt noch nicht die endgültige Bilanz über das gesamte Investitionsvolumen vor.

Allein mehr als 6,5  Millionen Euro an privaten Investitionen für Modernisierungen und Instandsetzungen sind in den vergangenen 18 Jahren in die „gute Stube“ Twistringens geflossen und steuerlich gefördert worden. Der kommunale Beitrag macht ebenfalls mehrere Millionen Euro aus.

Stadtplaner Christian Gelhaus hat in den Ratsgremien die umgesetzten Sanierungsziele im Bereich der Innenstadt erläutert. Er betonte dabei, dass seit 2001 „doch einiges bewegt“ werden konnte. Vor Kurzem hat der Stadtrat die Verfahrenssatzung über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes „Innenstadtsanierung Twistringen“ auf rund 56 Hektar aufgehoben. Dazu gehörte auch die komplette Bahnhofstraße. Die Schlussabrechnung und Abschlussdokumentation liefert die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft in Hannover (DSK) , die Anträge auf Sanierungs- und Förderfähigkeit prüft. Nun kann die Stadt einen Haken hinter dieses Förderprojekt machen.

Der Centralplatz wird 2014 umgebaut.

Die Sanierungsziele werden laut Stadtplaner zu großen Teilen erreicht. Nachfolgend einige geförderte Maßnahmen:

August 2010

Die Zeit der großen Überflutungen ist vorbei: Für 320  000  Euro (ohne die Kanalkosten von 2009/2010) hat die Stadt die Vechtaer Straße zwischen Verkehrskreisel und Wildeshäuser Straße saniert – zwei Drittel der Kosten tragen Bund und Land. Zuvor ist die Langenstraße bereits erneuert und der Einmündungsbereich zur Wildeshäuser Straße aufwändig umgestaltet und verkehrsmäßig entschärft worden.

Land unter auf der Langenstraße ist Geschichte.

Mai 2011

Der umgestaltete Pausenhof der Grundschule am Markt wird eingeweiht. Auf rund 3100 Quadratmetern investiert die Stadt etwa 100 000  Euro. Besonders auffällig sind das „Tanzpodest“, das Baum-Mikado, und das grüne Klassenzimmer.

Mai 2014

Die Umgestaltung der zentralen Plätze startet. Rund 1,2  Millionen Euro sind dafür veranschlagt, gut 800 000 Euro sollen aus dem Topf der Städtebauförderung fließen. Im Vorfeld hat der OOWV (Wasserverband) für rund 170 000 Euro alte Trinkwasser- und Schmutzwasserrohre an den zentralen Plätzen erneuert. Im August gerät der Umbau des Parkplatzes am Markt kurzzeitig ins Stocken. Bauarbeiter entdecken eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie kann nicht entschärft werden, Hunderte Einwohner werden evakuiert, dann wird die Bombe an der Fundstelle gesprengt. Unerwartete Mehrausgaben: fast 6000  Euro. Im Mai 2015 werden die zentralen Plätze eingeweiht.

Herbst 2015

 Mehr als eine Million Euro steckt Investor Eckhard Schwarze in die Sanierung seines etwa 110  Jahre alten Stadthauses am Markt 5 (Buchhandlung Dauelsberg und Twister) – ein Beispiel für den Erhalt historischer Gebäude.

April 2017

An der Bahnhofstraße wird das seit Jahren leer stehende Bottermannsche Wohnhaus, von der Firma Castellum aus Bassum übernommen, entkernt und zu einem modernen Gebäude mit acht kleinen Mietwohnungen ausgebaut. Private Geldgeber investieren einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag – mit öffentlicher Förderung, angeregt durch die Stadt im Rahmen der verlängerten Innenstadtsanierung.

Dies motiviert die Castellum 2019 für ein zweites Projekt, diesmal ohne öffentliche Förderung: Bis zum Mai dieses Jahres entsteht hinter dem Bottermannschen Haus auf dem Gelände „Alte Müllerei“ ein neues Mietshaus mit elf Wohnungen.

Weitere Projekte

In den ersten Förderjahren wird auch die Langenstraße erfolgreich umgestaltet. Überflutungen sind heute Geschichte. Ganz früh erhält die Georgstraße vor dem Bahnhof ein neues, verkehrsberuhigendes Gesicht, und der Parkplatz am Krankenhaus zeigt sich moderner. Der seinerzeit neu gestaltete Bahnhofsvorplatz ist allerdings heute wieder häufiger in der Kritik, weil nicht mehr zeitgemäß. Da hat die Stadt inzwischen aber schon nachgebessert. Das Bahnhofsgebäude in Privathand treibt Rat und Verwaltung weiter um.

Der Bahnhofsvorplatz ist immer wieder in der Kritik.

Zwei Gutachten

Die Stadt Twistringen bringt, um die Sanierungsziele zu erreichen, auch Gutachten, etwa das Einzelhandelskonzept und das Vergnügungsstättenkonzept, auf den Weg. 2010 heißt es, die Stadt sei ausgefördert, aber die Kommune erreicht mehrfach eine Verlängerung des Förderprogramms. Und nach der Aufhebung der Satzung ist die Stadt nun „über die Anwendung des allgemeinen Städtebaurechtes weiterhin in der Lage, die Entwicklung im Gebiet ,Innenstadtsanierung Twistringen’ in zufriedenstellender Weise zu steuern“, heißt es.

Dies hängt allerdings davon ab, ob der finanzielle Spielraum der Stadt dies in den kommen den Jahren überhaupt zulässt. Vielleicht führt eines Tages auch die in der Vergangenheit oft gestellte Frage nach einer Sanierung der Brunnenstraße zu einer auch für die Anlieger zufriedenstellenden Lösung. Rat und Verwaltung wollen zumindest keine Brunnenstraße als Abkürzung, Ausweichstrecke oder auch schnell befahrene Verbindungstrasse.

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