Unternehmer starten Kampagne

„Mein Ja habt ihr!“ – für die Zentralklinik in Twistringen

Die ersten Ja-Aufkleber der GUT-Kampagne heften Twistringer am Dienstagabend an das große Banner, das jetzt vor dem Rathaus hängt.
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Die ersten Ja-Aufkleber der GUT-Kampagne heften Twistringer am Dienstagabend an das große Banner, das jetzt vor dem Rathaus hängt.

Twistringen – Im Foyer des Gymnasiums hing ein blaues, ungewöhnliches Banner: „Mein Ja habt ihr! Zentralklinik Standort Twistringen“, war darauf zu lesen. Es war der Startschuss zur Unterstützungskampagne der Twistringer Unternehmen (GUT) für die Klinikansiedlung. Ein ernstes Thema, das am Dienstagabend auch ein bisschen Heiterkeit auslöste: Bei der Auftakt-Infoveranstaltung der Stadt schnitt Moderator Horst Wiesch „Opa Heini“ Korte aus Wagenfeld mehrmals das Wort ab, als der bei der Fragestunde seinen Leserbrief vortragen wollte. Den hatte unsere Zeitung bereits veröffentlicht.

Exakt 90 Zuschauer waren aufgrund der Corona-Abstandsregeln im Schulforum zugelassen. Wer noch am beschlossenen Klinikstandort Borwede zweifelt, dem erklärte Horst Wiesch, ehemals Interimsbürgermeister in Twistringen: „Ich bin Sulinger Bürger. Und ich bin fest überzeugt, dass das, was diesen Prozess ausmacht, absolut objektiv gelaufen ist.“ Gemeint ist das Standort-Auswahlverfahren.

Bürgermeister Jens Bley kündigte den Auftaktabend, dem viele Infoveranstaltungen folgen sollen, als „Twuster Talk“ an. Er beschwor nicht zum ersten Mal den Gemeinschaftssinn der Twistringer. Vor einem Jahr habe man sich als Stadt erstmalig mit dem Thema beschäftigt. In diesem Jahr die Bewerbung um den Klinikstandort mit drei Flächenangeboten auf den Weg gebracht.

Mehr als 3000 Seiten an Unterlagen für Standortsuche ausgewertet

Uwe Lorenz, Geschäftsführer der Kliniken Landkreis Diepholz, berichtete von insgesamt 16 Grundstücksoptionen kreisweit, mit vielleicht vier habe man gerechnet. Mehr als 3000 Seiten an Unterlagen im Rahmen der Sichtung der Bewerbungen seien bis zum 4. Juni ausgewertet worden. Lorenz erläuterte, warum am Ende nicht Mörsen sondern Borwede auf Platz 1 gelandet ist. Mörsen bietet zwischen der Wohnbebauung und mit einem nur eingeschränkten Geländezuschnitt ein Konfliktpotenzial. „Eine Klinik macht schon ganz schön Lärm“, betonte er. Viele Alarm- und Patientenfahrten, Hubschrauber-Landungen und mehr. Borwede verfüge dagegen über einen idealen Zuschnitt. Das Grundstück mit 11,5 Hektar, biete sogar eine Erweiterungsmöglichkeit.

Landrat Cord Bockhop beschrieb die Gründe für ein Zentralklinikum. Die bisherigen Krankenhäuser in Bassum, Sulingen und Diepholz seien für sich nicht zukunftsfähig. In zehn Jahren werde man ein Drittel der Beschäftigten verlieren. Natürlich könne man weiter zuschauen und nichts tun. Aber letztlich führe kein Weg an einer zentralen Lösung vorbei. Schließlich brauche der Landkreis die klare Entscheidung vor allem in Richtung Landesministerium, um die nötige Förderung für das rund 200 Millionen-Projekt zu bekommen.

Zentralklinik in Twistringen würde nicht auf Moor gebaut werden

Viel gefragt wurde am Dienstag nach den Redebeiträgen nicht. Da ging es etwa um das Zeitfenster. Worauf der Landrat meinte, die Zentalklinik solle in fünf bis sechs Jahren ihren Betrieb aufnehmen. Bis 2022 müsse alles vorgeplant sein, um den Förderbescheid vom Land zu bekommen. Dann könnten die Gewerke europaweit ausgeschrieben werden. „Selbstverständlich wünsche ich uns wieder eine Geburtshilfe – und gerne auch eine Kinderklinik“, so Bockhop.

Nach Bodenuntersuchungen steht fest: Die Klinik würde nicht auf Moor gebaut. Bürgermeister Bley möchte Bedenken ausräumen, indem er regelmäßig und viel öffentlich informiert. Auf die Frage nach dem Öffentlichen Nahverkehr hieß es: Es sei auf jeden Fall ein Shuttle zum Bahnhof geplant, in welcher Form, müsse der Bedarf zeigen.

Interessant war die Antwort des Landrats auf die Frage nach dem schon lange von Ortsrat Mörsen und Stadtrat Twistringen geforderten Kreisverkehr im Bereich der B 51 und der Nienburger Straße. Bürgermeister Bley erinnerte daran, dass die Straßenbehörde des Landes einen Kreisel im Vorfeld der B 51-Sanierung abgelehnt habe. Wenn aber die Klinik kommt, sieht Landrat Bockhop eine neue Verkehrssituation. Er sagt Twistringen Unterstützung zu. Als Klinik-Verursacher sei man auch Partner der Stadt, hieß es.

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