Ökolandbau Niedersachsen stellt Zahlen und Daten von Bio-Betrieben vor

Ein Mehrwert, der bezahlt werden muss

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Hühner in einem Bio-Betrieb haben viel Bewegungsfreiheit. Doch für die Betreiber ist es wichtig, dass sich diese Zugeständnisse für die Tiere auch im Preis widerspiegeln.

Twistringen - Neben sachlichen Fakten und Zahlen, die das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) vorstellte, loderten auch Emotionen bei den Teilnehmern der Veranstaltung am Freitag in Twistringen auf. Das KÖN hat Daten von etwa 30 Öko-Legehennenbetrieben in Niedersachsen ausgewertet und beschäftigte sich mit der Frage, wo das Land in Sachen Bio steht. Dabei wurde deutlich: Öko ist begehrt und kann sich wirtschaftlich lohnen – sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Und eine davon ist der Preis für das Produkt – unter anderem das Ei.

An dieser Stelle platzte einem der Landwirte ein wenig der Kragen: „Wenn ich durch manche Supermärkte gehe und sehe, dass EU-Bio-Eier für über 40 Cent verkauft werden, balle ich die Faust in der Tasche, denn wir bekommen nicht mal die Hälfte. Das kann nicht sein!“

Mit dem „Wir“ sind die Betriebe gemeint, die nach den Verbands-Bio-Richtlinien arbeiten – und das sind im Grunde alle kleineren. Diese Vorgaben sind um einiges härter als die für EU-Bio. Erstere besagen zum Beispiel, dass sechs Tiere auf einem Quadratmeter Stallfläche stehen und einen zusätzlichen Auslauf von vier Quadratmetern haben müssen. Außerdem müssen 50 Prozent des Futters selbst angebaut werden, und es dürfen nicht mehr als 12000 Tiere unter einem Dach sein. Bei den EU-Richtlinien reicht es, einen Stall auf eine Wiese zu stellen und bei 30 000 Tieren die Grenze zu ziehen. Das Bio-Futter kauft man dazu.

Stallgröße für Erfolg nicht entscheidend

Milena Schulz von Naturland, die vor den rund 30 Gästen, die teilweise aus Papenburg, Vechta, Springe und Visbeck angereist waren, in der Domschänke sprach, stimmte dem Einwurf zu. „Der Verband hat einen Mehrwert, und das muss bezahlt werden.“ Er brauche einen Aufpreis gegenüber den EU-Eiern. Die Höhe müsse anhand des Futterpreises berechnet werden, der jedes Jahr unterschiedlich sei.

Schulz stellte auch klar: Die Stallgröße ist für den wirtschaftlichen Erfolg nicht entscheidend, solange die Legeleistung 75 Prozent beträgt, nicht zu viele Tiere sterben, zu viel Futter verbraucht wird und der Arbeitsaufwand durch den Eierpreis finanziert wird. Die Packstellen müssten mindestens 18 bis 19 Cent zahlen. „Die kriegt man aber nicht!“, rief ein Teilnehmer. Aus diesem Grund sind die kleineren Betriebe gezwungen, in die Direktvermarktung zu gehen, die allerdings einen doppelten Arbeitsaufwand mit sich bringt.

Schlechte Zahlen bei Mobilitätsställen

Doch Bio lohnt sich. Von 32 Betrieben verzeichnen nur acht ein negatives Ergebnis. „Das sind allerdings nur Auswertungen von einem Jahr“, betonte Schulz.

Schlechter sehen die Zahlen bei Mobilställen aus. Dort sei der Arbeitsaufwand doppelt so hoch, viele Tiere stürben, es entstünden hohe Kosten, die Direktvermarktung sei zwingend und fünf von neun Ställen machgten ein Verlustgeschäft. „Für Eier muss man bis zu 30 Cent verlangen. Das sollte man sich gut überlegen“, so Schulz.

juk

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