Corona verhindert Debatte im Ortsrat / Katholische Kirche „sehr abwartend“ vor Senioren-Neubauplanung

Mehrgenerationsplatz: Hochzeitswald aus dem Spiel?

Entscheidung verschoben: Hier könnte der Mehrgenerationsplatz entstehen. Fotos: Theo Wilke

Twistringen - Von Theo Wilke. Der viel diskutierte Twistringer Mehrgenerationsplatz scheint für den Hochzeitswald an der Brunnenstraße aus dem Spiel: Die Stadtverwaltung soll Alternativen zur Belebung des Hochzeitswaldes entwickeln, lautet der Vorschlag aus dem Rathaus für den Ortsrat. Und der sollte eigentlich diese Woche tagen. Aber aufgrund der Corona-Krise bewegt sich kommunalpolitisch zurzeit kaum noch etwas.

Dringende Entscheidungen wird fortan der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss treffen, aber noch nicht zum Mehrgenerationsplatz. Das Thema wird also irgendwann den Ortsrat erneut beschäftigen. Das Projekt soll, wie berichtet, in Abstimmung mit der Kirchengemeinde St.  Anna auf dem Gelände zwischen der geplanten Senioreneinrichtung, St.-Annen-Straße, und dem katholischen Kindergarten, Steller Straße, entstehen.

Auf Nachfrage erklärte Pfarrer Joachim Kieslich, die Kirchengemeinde sei „sehr abwartend“, was das eigene Neubauvorhaben angehe. Zurzeit könne er nichts Konkretes sagen. Natürlich sehe die Kirche eine Verantwortung gegenüber der Stadt und der Pfarrgemeinde sei daran gelegen, im Bereich der Seniorenpflege etwas zu tun. Ausgelöst habe die Überlegungen Landrat Cord Bockhop vor einiger Zeit. Er habe gefragt, wie das kircheneigene Grundstück in Zukunft genutzt werde. Bekanntlich steht schon fest, dass das ehemalige Altenheim-Gebäude (Annenstraße), zuletzt Schwestern-Konvent, abgerissen wird, wenn die Kirchengemeinde neu baut.

Nun darf man gespannt sein, wie das Thema Mehrgenerationsplatz im Ortsrat diskutiert wird – vor dem Hintergrund, dass die Umsetzung im Hochzeitswald ein städtisches Workshop-Ergebnis vom September 2016 im Rahmen der Erarbeitung eines seniorenpolitischen Aktionsplanes war.

Eine Planungsgruppe aus Vertretern des Seniorenbeirates, des Ortsrates sowie Heimat- und Bürgervereins Twistringen, begleitet vom Fachbereich Familie und Soziales im Rathaus, traf sich erstmalig im Sommer 2018 und befasste sich mit den Zielsetzungen: Ein Ausflugsziel für alle Twistringer, ein Ort für alle Generationen, zentral gelegen und auch Alternative zu einem Spielplatz. Die Zielgruppe: aktive Großeltern mit Enkelkindern, Mütter mit Kindern, Tagesmütter und Familien am Wochenende.

Darauf folgten unter anderem Firmen-Infos, Bereisung verschiedener Plätze außerhalb Twistringens und der erste Entwurf für die städtischen Beratungen. Gleichzeitig äußerten Anlieger des Hochzeitswaldes Befürchtungen über zukünftige Störungen. Deren Beschwerde wurde allerdings abgelehnt.

Inzwischen hat sich eine Alternative abgezeichnet: die Grünfläche zwischen der Kita St. Josef und der Krankenhausimmobilie. „Die Lage im Stadtzentrum ist für die Aufstellung der Spielgeräte ebenso geeignet, auch wenn die Lage zur zukünftigen Senioreneinrichtung und zum bestehenden Kindergarten nicht ausschlaggebend ist. Zielgruppe sind immer eher die in dem Quartier lebenden Einwohner, die dieses Angebot nutzen sollen“, heißt in der Sitzungsvorlage für den Ortsrat.

Die Verwaltung wirft auch die Frage auf, ob diese generationsübergreifenden Spielplätze in der Menge dazu geeignet seien, Menschen in den Hochzeitswald zu locken, um dort mehr Leben und Bewegung zu generieren. Der Hochzeitswald sei ein Park für die Naherholung. Parkplätze seien nicht vorhanden. Dabei müsse man nach der Idee der Arbeitsgruppe gezielt Senioren mit Enkeln aus dem gesamten Stadtgebiet anzusprechen, davon ausgehen, dass diese im Auto anreisen. Und die Brunnenstraße könnte bei zunehmendem Verkehr ein Problem werden. Letztlich seien dann einzelne Events eher geeignet, den Hochzeitswald zu beleben – etwa offene Gottesdienste, Konzerte und Aufführungen am Wochenende.

Der Mehrgenerationenspielplatz sollte laut Verwaltung „eher in den Innenstadtbereich gelegt werden, da hier im Umfeld die größere Zahl an Personen, die zur Zielgruppe gehören, wohnen und auch eher die Möglichkeit besteht, Zielverkehre aufzunehmen. Die Kooperation der Kirche zur entsprechenden Nutzung des Platzes sollte eingegangen werden“. In den weiteren politischen Beratungen sollte eine Abwägung zwischen beiden Standorten vorgenommen werden.

Im Hochzeitswald könnte die Stadt auf eigenem Grund investieren, der Entwurf der Arbeitsgruppe liegt vor, Haushaltsmittel sind vorhanden, und das Projekt kann zeitnah umgesetzt werden.

Die Fläche zwischen Kita St. Josef und Krankenhaus gehört der Kirche. Die Beplanung des Geländes steht noch aus. „Die Umsetzung wird sich noch einige Jahre hinziehen“, heißt es aus dem Rathaus. Und: Seniorenbeiratsvorsitzende Hedwig Harms betonte vor Kurzem bei der Sitzung im Jugendhaus: Wenn der Mehrgenerationsplatz nicht im Bereich Hochzeitswald umgesetzt werde, „dann bin ich raus“.

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