Gern, aber nicht vor meiner Tür!

Mehrgenerationenplatz am Hochzeitswald: Beschwerde der Anwohner abgelehnt

Der angedeutete Weg nach rechts bricht einfach ab: Anwohner haben den Ausbau verhindern können. Foto: Silinger
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Der angedeutete Weg nach rechts bricht einfach ab: Anwohner haben den Ausbau verhindern können.

„An sich eine schöne Idee, aber nicht hier!“, klagen einige Anwohner des Twistringer Hochzeitswaldes. Sie versuchen, sich gegen die Pläne der Stadt zu wehren, die dort einen Mehrgenerationenplatz anlegen möchte.

Update vom 31. August: Beschwerde abgelehnt

Als unbegründet zurückgewiesen hat der Twistringer Stadtrat die Beschwerde von Anliegern des Hochzeitswaldes, sie seien bei der Planung eines Mehrgenerationenparks an der Brunnenstraße nicht angehört worden. In den noch folgenden Abwägungsprozess für die Standortwahl und die Ausstattung in weiteren öffentlichen Sitzungen sollen die Anwohner laut Rat einbezogen werden.

In der Sitzung am Donnerstagabend im Rathaus erklärte Bürgermeister Jens Bley unter anderem, die Beschwerde sei geprüft worden. Daraufhin votierte der Rat einstimmig dafür, dass die Beschwerde zur Kenntnis genommen, aber als unbegründet angesehen werde. Denn eine Anhörung habe entsprechend der kommunalrechtlichen Vorschriften stattgefunden. Auch der Vorwurf der Anlieger, der finanzielle Einsatz für eine Aufwertung der Naherholung im Hochzeitswald durch einen Mehrgenerationenpark sei eine Steuergeldverschwendung, wurde zurückgewiesen. Das Thema wird in den Fachausschüssen weiter beraten. Seniorenbeiratsvorsitzende Hedwig Harms befürchtet nun, dass alle Beteiligten wieder ganz am Anfang stehen.

Originalmeldung vom 26. Juli:

Twistringen - „Es gibt bereits einen bestehenden Ratsbeschluss, der besagt, dass man im Hochzeitswald etwas errichten möchte“, so Bürgermeister Jens Bley. Der nächste Schritt wäre es, die Baugenehmigung beim Landkreis einzuholen. Am Donnerstag jedoch habe der Verwaltungsausschuss die Beschwerde der Anwohner für zulässig erklärt. Der Rat befasst sich nun damit, ob sie begründet ist. Wenn ja, beginnt möglicherweise die Suche nach Alternativen.

„Aber soweit sind wir noch gar nicht“, sagt Ulrich Helms, Fraktionsvorsitzender der Freien Wählergemeinschaft. Die Beschwerde der Anwohner, müsse nun erst einmal geprüft werden. „Es ist super, dass die sich gleich gemeldet haben“, findet Helms. So könne deren Einwand direkt in den Prozess mit einbezogen werden.

Bedenken direkt der Stadt mitgeteilt

Die Anwohner selbst haben eher den Eindruck, nicht mit einbezogen, sondern seit geraumer Zeit übergangen zu werden. „Wir haben vor eineinhalb Jahren erste Gerüchte über das Vorhaben gehört“, so Nils Bohlmann, dessen Terrasse an den betroffenen Teil des Hochzeitswaldes angrenzt. Er und weitere Anwohner hätten ihre Bedenken direkt der Stadt mitgeteilt. Diese wiederum hätte angekündigt, eine Anliegerversammlung zu organisieren. Das sei nie passiert.

Mitte Mai sei im Ausschuss für Bildung, Erziehung, Senioren und Soziales der Planungsentwurf vorgestellt worden. „Wir haben uns dort eingebracht und unsere Bedenken geäußert“, so Anwohnerin Ulrike Lahrs. „Wir hatten den Eindruck, die hatten einfach keinen Bock, das zu hören“, fügt Imke Ordemann hinzu, auch sie wohnt angrenzend an den Park.

Befürchtete Lärmbelästigung

Die Gruppe hat zahlreiche Sorgen. Der wohl wichtigste Grund, warum sie sich gegen einen solchen Platz aussprechen, ist die befürchtete Lärmbelästigung. „Wenn man von einem harten Arbeitstag nach Hause kommt, kann man dann nicht in Ruhe auf der Terrasse entspannen“, so Bohlmann. Damit wäre Schluss. Doch insbesondere macht den Männern und Frauen nächtliche Ruhestörung sorgen. An der Kulturbühne trieben sich schon jetzt häufig „gewisse Gruppen“ rum, die dort lauthals reden, trinken und Musik hören.

In dem Punkt machen sich Jens Bley sowie die Fraktionsvorsitzenden Ulrich Helms und Friedrich Nordmann (SPD) keine Sorgen. „Es gibt genug andere Orte, wo diese Leute eher sind“, so Nordmann. Sollte das allerdings trotzdem passieren, würde die Stadt sich einschalten und dagegen vorgehen.

Mehrgenerationenplatz an einem anderen Ort?

Der Hochzeitswald soll aufgewertet und belebt werden, das steht außer Frage, berichtet Bley. Die Anwohner, die das Vorhaben prinzipiell begrüßen, würden einen Skulpturenpark bevorzugen, etwas Ruhiges. „Man könnte aus dem Hochzeitswald einen besinnlichen Ort der Ruhe machen, und einmal im Jahr vielleicht eine Kunstausstellung organisieren“, so Bohlmann. Hin und wieder wäre tagsüber auf der Kulturbühne eine Musikveranstaltung denkbar. Dagegen hätte niemand was. Alternativ könnte der Mehrgenerationenplatz an einem anderen Ort errichtet werden: Beim Schwimmbad an der B51, zwischen Skaterbahn und Schützenhaus, im Delmepark oder in Mörsen. „Irgendwo, wo keine Anwohner gestört werden“, so Bohlmann. Diese Standorte hätten einige Vorteile: mehr Parkmöglichkeiten und eine bessere Infrastruktur etwa. „Ältere Leute können mit einem Rollator gar nicht die Brunnenstraße passieren“, sagt Birgitta Lampe, eine weitere Anwohnerin.

Ratssitzung am 28. August

Auch in anderen Fällen, etwa bei einem geplanten Weg durch den östlichen Teil des Hochzeitswaldes, wo nun auch der Spiel- und Wasserpark geplant ist, haben Anwohner den Plan verhindern können. Das aktuelle Vorhaben sei deutlich ausschlaggebender für Nachbarn, weshalb es „doch möglich sein muss, dagegen vorzugehen“, meint Bohlmann.

Wie genau es weitergeht, entscheidet vermutlich die kommende Ratssitzung am 28. August. Dort wird über die Begründetheit der Beschwerde diskutiert.

Die Bürgerbeteiligung, das betont besonders Helms, sei ein wichtiges Recht und man wolle in der Politik nicht gegen, sondern mit den Menschen arbeiten. Momentan sei noch alles offen. „Wenn wir eine gute Alternative finden, wo sich die Nachbarn nicht beeinträchtig fühlen, bin ich eher dafür.“

Nordmann hingegen kritisiert die Haltung. Einen Platz wünschen sich alle, meint er. Aber niemand wolle ihn vor seiner Haustür.

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