Martin Lütjens letzte Rede / Abschied für 67 Abiturienten am Gymnasium

„Fremd sein, anders sein!“

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Auszeichnung der besten Abiturienten im Twistringer Gymnasium (v.l.): Schulleiter Martin Lütjen und Peter Bellersen mit Louis Mock, Leonard Varnhorn, Alexander Pestkowski, Frederike Rasche und Lisa Meyer.

Twistringen - Von Theo Wilke. Draußen drückende Hitze, im Forum des Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums nicht nur „coole“ Temperaturen: Hanna Borchers sorgt mit ihrem Gesang („Es wird Zeit zu gehen“) für Gänsehaut-Feeling. Insgesamt 67 Abiturienten werden am Freitag verabschiedet. In den Mittelpunkt seiner letzten Abitur-Rede rückt Schulleiter Martin Lütjen das Thema „Fremd sein, anders sein! Ein Merkmal unseres Alltags!“.

Erstmalig gibt es am Twistringer Gymnasium die Traumnote 1,0: für Louis Mock aus Marhorst, gefolgt von Leonard Varnhorn (1,3). Zu den Besten, die besonders ausgezeichnet wurden, gehören auch Alexander Pestkowski, Lisa Meyer und Frederike Rasche. Alica Heynemann hatte in ihrer Facharbeit aus einer Buchvorlage über Hildegard von Bingen einen Comic gestaltet. Dafür gab es auch eine Geldprämie.

Oberstufenkoordinator Peter Schwarze umschrieb die zwei Oberstufenjahre mit Klausuren, Tests, Präsentationen, Experimenten, Abi-Party-Organisation, Kuchenbacken und Kurstreffen bis zum nächsten Morgen. Die Noten könnten sich sehen lassen: Jeder Fünfte habe eine 3 vor dem Komma, sagenhafte 60 Prozent einen 2er-Schnitt, mehr als 20 Prozent schafften ihr Abi mit einer 1 vor dem Komma (landesweit nur 15,6). Abitur-Durchschnittsnote: 2,4 (Niedersachsen: 2,6).

Nach acht Jahren Schule würden sich die Abiturienten sicher auch ein wenig fremd fühlen, so Schulleiter Lütjen. Das Fremd-Sein habe viele Aspekte, etwa am ersten Schultag, beim Vorstellungsgespräch, in der fremden Stadt, an der neuen Uni oder in der Firma. Der Schulleiter zitierte Schriftsteller Martin Walser. Wie bei anderen deutschen Juden „bestand die mir zugeteilte Rolle nur allzu oft darin, als lebendes Objekt dem demonstrativen Wollwollen des Gegenübers zu dienen“. Auch Eichendorfs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ bemühte Martin Lütjen. Der Sohn eines Müllers reiste in die Fremde und erlebte Erstaunliches.

„Ihr seht, wer auf Reisen geht, sich in die Fremde begibt, kann sein Glück machen“, hatte einst die Deutschlehrerin dem Schüler Lütjen mit auf den Weg gegeben. Der Schulleiter heute: Sich aufzumachen, dazu gehöre Mut, wie beim Taugenichts. Das gelte im wohlgemeinten Sinn auch für die Abiturienten.

Und zur Situaion in Twistringen: „Fremde kommen zu uns, Flüchtlinge. Muss uns das Angst machen? Nein!“, betonte Lütjen. Seine Überzeugung: „Wir haben die Möglichkeiten, Fremden und Flüchtlingen zu zeigen: Wir erkennen euch als Mitmenschen an.“ Nicht nur den Abgangsschülern wünschte er, nicht tatenlos zuzusehen, sondern sich zu engagieren, um auch das eigene Fremd-Sein zu überwinden.

Bürgermeister Martin Schlake hatte „ein bisschen Gänsehaut“ beim Anblick der Abiturienten. Mit dem Zeugnis in der Tasche müssten sich die Jugendlichen nun eigene Lebensziele setzen, dabei dürften sie aber, achtend und wertschätzend, nicht den Blick für andere verlieren.

Abifeier in Twistringen

Vize-Landrätin Ulrike Schröder forderte die Abgänger auf: „Abite – Geht jetzt!“ Sie würden nun das schützende Dach dieser „wunderbaren, bunten und offenen Schule“ verlassen, die zudem ganz viel menschliche Bildung vermittele.

Die Elternvertreter Bärbel Diedrichs und Holger Theek erinnerten unter anderem an das viele „Brote schmieren“ und bemühten zum Schluss Johann Wolfgang von Goethe: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ Jetzt sei die Zeit für die Flügel.

Der Abiturjahrgang:

Twistringen: Isabelle Bejenke, Kim Bellersen, Marco Bergmann, Mirsad Berisa,Lennart Beuke, Niklas Beuke, Luca Henrik Beuke, Hendrik Block, René Blome, Hanna Borchers, Isabelle Brunkhorst, Raphael Busch-mann, Jannis Diedrichs, Anna Dießelberg, Finn Feldmann, Vera Feldmann, Joyce Ferderer, Jonas Fieweger, Mara Fischer, Niklas Hartmann, Jule-Sophie Havekost, Fred Heuermann, Philip Hohnstedt, Gia Huy Huýnh, Marco Kerls, Melissa Kerls, Daniel Kramer, Ina Kröger, Verena Lameyer, Georg Lampe, Sara Le, Laura Lüers, Pia Meier, Charlotte Meyer, Stephanie Meyer, Lisa Meyer, Louis Mock, Lukas Müller, Alexander Pestkowski, Laura Pille, Viola Plagemann, Frederike Rasch, Johannes Schade, Kenneth Scharrelmann, Greta Schubert, Rebecca Schütte, Mona Semken, Emily Uhlhorn, Leonard Varnhorn, Maren Wessels, Lukas Weßels, Hanna Wieczorek, Hendrik Wiese, Monja Wiese, Sarah Wilkens, Sarah Wilkens.

Bassum: Alica Heynemann, Sophie Koffon, Ann-Kathrin Mertins, Simon Prekel, Tabea Joana Rieckers, Frederik Stierwaldt, Josephine Theek, Marie Woida.

Barnstorf: Jennifer Boerrigter.

Eydelstedt: Marc Pascal Boutter, Anna Tabea Rohlfing.

Ehrung für besondere fachliche Leitungen: Louis Mock (Geschichte, Deutsch, Politik-Wirtschaft), Frederike Rasche (Kunst), Rebecca Schütte (kath. Religion), Hanna Borchers (Sonderpreis Musik), Philip Hohnstedt (Chemie, Mathematik), Johannes Schade (ev. Religion), Charlotte Meyer und Verena Lameyer (Musik).

Hildegard-von-Bingen-Prämien der Karin-und-Peter-Würtz-Stiftung: Louis Mock (1000 Euro), Leonard Varnhorn (600 Euro), Alexander Pestkowski, Lisa Meyer, Frederike Rasche (je 200 Euro).

Facharbeit: Alica Heynemann (1000 Euro) für ihr Hildegard-Comic-Buch.

Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes: Louis Mock und Leonard Varnhorn.

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