Schüler des Twistringer Gymnasiums machen mit beim Programm „Gemeinsam sind wir stark“

„Man schlägt noch doller“

Wie fühlt es sich an, wenn man bei einer Rauferei angefeuert wird? Diese und ähnliche Situationen spielen die Sechstklässler an zwei Schultagen nach. Foto: Nölker

Twistringen – Seit 2013 werden die Mädchen und Jungen des sechsten Jahrgangs am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium „stark gemacht“. Dann geht es für zwei Vormittage raus aus der Schule, um gemeinsam mit dem Klassenlehrer, Schulsozialarbeiterin Maria Stenner-Dieckmann sowie Hauptkommissar Ingo Müller Prävention zu betreiben. Mit viel Spaß, wie die Schüler der 6c einstimmig versichern.

Zu Stenner-Dieckmanns vielseitigen Aufgaben gehört es, den Bereich des Sozialen Lernens zu unterstützen und auszubauen. „Das Programm ,Wir sind stark!' ist für mich eine Hilfe auf dem Weg zum Erwachsenwerden, und ich halte es für die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder für sehr wichtig.“ Die Mädchen und Jungen können – nachdem sie in der Schule „angekommen“ und nicht mehr die Kleinsten sind – ihren Blick auf die Klassengemeinschaft richten. „Das Herstellen von Kontakten, das Aufeinanderzugehen, das Finden und Aufrechterhalten von Beziehungen und das Austragen von Konflikten sind Fähigkeiten, die nicht alle Schüler gleichermaßen beherrschen“, so die Schulsozialarbeiterin.

Deshalb sei sie froh und dankbar, mit Hauptkommissar Müller vom Fachbereich Jugend der Polizei Syke, einen Mann gefunden zu haben, der das Programm am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium durchführt.

Ziele seien unter anderem die Verbesserung der Kommunikation, Integration und Toleranz sowie Empathiefähigkeit im Bereich Gemeinschaftsförderung. Müller sei es aber auch wichtig, dass das Vertrauen der Klasse gefördert werde. Dafür gibt es spezielle Übungen. Wie zum Beispiel, sich rückwärts fallen zu lassen vom Tisch in die Arme der Mitschüler. „Dies ist eine gemeinsame emotionale Erfahrung und für denjenigen, der sich fallen lässt, eine kurzzeitige Abgabe der Kontrolle“, erklärt der Hauptkommissar.

Wie verhält man sich, wenn es zu einer Rauferei auf dem Schulhof kommt und was passiert, wenn man die Raufenden auch noch anfeuert? Macht man sich damit strafbar? Und wie fühlt es sich an, wenn man bei einer Rauferei angefeuert wird? All diesen Fragen gingen die Mädchen und Jungen nach. „Man schlägt noch doller“, so die Antwort aus der Runde.

Auch Fachbegriffe, wie „unterlassene Hilfeleistung“ und „Zeugen“ sind den Sechstklässlern nicht fremd. Gerade der Bereich Zivilcourage nehme einen wichtigen Teil des Programms ein. Die Anwesenden würden für Notsituationen sensibilisiert, lernen ein optimales Opfer- und Helferverhalten und auch, wie man sich als Zeuge verhalte.

Müller erklärte zudem Anti-Gewalt-Strategien. Dabei hat er das Alter der Kinder fest im Auge. Es soll keiner überfordert oder verängstigt werden. Ein weiteres Thema war die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers. „Hier lernen die Kinder auch ihre eigenen Grenzen kennen“, so Stenner-Dieckmann. Auch „Ich möchte das nicht!“ zu sagen, müsse gelernt werden. „Solche Kompetenzen helfen ,Nein' zu sagen zu psychischen und physischen Gefährdungen und bei der Bildung von Frustrationstoleranz“, ist sich die Schulsozialarbeiterin sicher.  sn

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