Betrieb in dritter Generation

Der Malerberuf ist bei Sanders Tradition

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Setzen die Familientradition im Maler-Handwerk fort: Nele und Bennet, dahinter Christiane und Carsten Sander.

Heiligenloh - Von Theo Wilke. Der Beruf hat Familientradition: Die Leidenschaft fürs Maler- und Lackierer-Handwerk, für Pinsel, Farben und Lacke hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Sander-Nachkommen gepackt, nicht nur die Männer. Bei Carsten Sanders Familie auf dem früheren Prote-Hof zwischen Heiligenloh und Lerchenhausen hat auch Gesellin Tochter Nele (25) und Sohn Bennet (29) als jüngsten Malermeister das „Virus“ gepackt.

„Mein Opa Wilhelm Sander war schon Malermeister. Er ist fast 90 geworden. Er hatte seinen Betrieb in Öftinghausen“, erzählt Carsten Sander. Sein Vater Walter habe im Familienbetrieb gelernt und sich dann als Meister in Drentwede selbstständig gemacht. Onkel Horst hat Opas Betrieb weitergeführt, und Carstens Bruder Jürgen, der ebenfalls in Drentwede das Handwerk erlernt hat, ist heute Berufsschullehrer in Syke.

Meistertitel trotz Quereinstieg

„Ich bin Quereinsteiger“, sagt Carsten Sander. Der 58-Jährige hat zunächst Kfz-Mechaniker bei Abeling in Heiligenloh gelernt. Anschließend war er Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Danach ging er bei seinem Vater in Drentwede in die Lehre. „Ich wollte Maler werden.“ 1983 wurde er Geselle, legte 1987 seine Meisterprüfung in Buxtehude ab. Bis 1997 arbeitete Carsten Sander im elterlichen Betrieb und machte sich 1998 selbstständig auf dem ehemaligen Prote-Hof. Dort lebt er mit seiner Familie schon seit 1987.

Tochter Nele wollte nach der Haupt- und Realschule zunächst auf die Wirtschaftsschule. Mama Christiane fragte: „Was willst du da?“ Nele, die nach einem Griechenland-Urlaub Taschengeld in Papas Betrieb verdiente, überlegte sich die berufliche Zukunft nochmal. Den Eltern sagte sie dann, sie könnte wohl Malerin werden. Ein paar Tage später hörte sich das so an: „Ich will.“

Und das hat die 25-Jährige nicht bereut. Leicht sei der Anfang in einer Männerdomäne nicht gewesen, sondern anstrengend, erinnert sie sich. An den rauen Ton auf den Baustellen habe sich auch erst gewöhnen müssen. Und an die Tatsache, dass sie sich mit den Männern ein Dixi-Klo teilen sollte. Aber da habe ihr Vater immer eine Lösung gefunden, manches Mal bei Nachbarn einer Baustelle.

Carsten Sander kennt die Probleme. Er hat vorher schon mehrere weibliche Auszubildende gehabt. Lustig fand Nele, dass Kunden immer zuerst zu den männlichen Mitarbeitern gingen und sich erkundigten und etwas besprechen wollten. „Dabei hatte ich die Bauleitung“, erzählt sie. Seit 2010 ist sie Malergesellin und könne sich auf den Baustellen durchaus behaupten.

Zurzeit hat der Betrieb zwei Meister, vier Gesellen, zwei Lehrlinge und Ehefrau Christiane Sander als Bürokraft.

Auch 29-jähriger Bennet macht Meister

Gerade erst hat der nächste Sander-Spross seinen Meister im Maler- und Lackiererhandwerk gemacht. Der 29-jährige Bennet ist wie sein Vater Quereinsteiger. Bennet hat vorher Feinwerkmechaniker in einer Twistringer Firma gelernt, danach in zwei weiteren Betrieben gearbeitet. 2014 wollte Bennet nicht mehr: Die Arbeit fand er zu eintönig und die beruflichen Aufstiegschancen äußerst gering.

Bennet Sander möchte später den elterlichen Betrieb übernehmen. Er begann seine Ausbildung zu Hause, war nach eineinhalb Jahren fertig, weil er schon eine Berufsausbildung hat. 2016 startete er auf der Meisterschule in Vollzeit. Ende Januar 2018 schloß er die Schule mit Erfolg ab.

Auf Nachfrage schüttelt Mutter Christiane den Kopf: „Wir haben ihn nie beeinflusst. Bennet hat sich aus freien Stücken entschieden.“ Für die Eltern sei es eine doppelte Freude, weil der 29-Jährige nicht nur seinen Meister habe, sondern auch in die Familienfirma einsteige.

Der Sohn erzählt daraufhin begeistert: „Die Arbeit ist spannend und abwechslungsreich. Da gibt es andere Problemlösungen, als an der Werkbank ein Stück Eisen zu bearbeiten.“ Die ganze Familie sei mit Leidenschaft dabei und anderen Menschen gegenüber sehr aufgeschlossen.

Vater Carsten hält die alte Handwerkstechnik hoch, etwa das Vergolden in erhaltenswerten historischen Gebäuden. In Kirchen haben Sanders schon oft gearbeitet. Zum Beispiel in Heiligenloh, in Twistringen, Colnrade, auch im Verdener Dom. Die jüngste Baustelle sei das Bassumer Stift.

Auf die Frage nach dem schlimmsten Erlebnis überlegt Carsten Sander nur kurz: „Wir mussten mal in einer Messie-Wohnung arbeiten. Da stapelte sich der Müll bis zur Decke, bis auf einen kleinen Durchgang. Das war eine Katastrophe!“

Und auch die Freizeit eint die Familie: Die Mitglieder sind aktiv in der Feuerwehr und sammeln Oldtimer.

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