Lothar Geisler aus Twistringen sammelt alte Wärmekraftmaschinen

Der Dampfplauderer

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Lothar Geisler zeigt eine Auswahl seiner schönsten Stücke. In der Hand hält er die kleinste Dampfmaschine der Welt.

Twistringen - Von Maik Hanke. Wenn sich metallene Kolben rhythmisch vor- und zurückbewegen und eine kleine Flamme in einen Zylinder gesaugt wird, ist Lo-thar Geisler zufrieden. Wenn dann auch noch aus einem Rohr weißer Rauch aufsteigt, dann ist er glücklich. Der 57-jährige Twistringer sammelt leidenschaftlich gerne alte Dampfmaschinen.

Es ist doch eigentlich schon mystisch, findet Geisler: Man erhitzt Wasser, und heraus kommen Bewegung und Kraft. Bei der Dampfmaschine kann man sogar annähernd erkennen, wie das geschieht.

„Das waren noch nachvollziehbare Maschinen“, sagt Geisler. Die heutigen Motoren sind Blöcke, bei denen man nur noch zu prüfen brauche, ob der Ölstand stimmt. „Aber vom Prinzip her ist nichts Neues dazugekommen“, sagt Geisler. In den heutigen Autos steckt also gewissermaßen noch immer Technik von vor 100 Jahren. Geisler führt weiter aus: Selbst Kernkraftwerke würden immer noch mit von Wasserdampf angetriebenen Turbinen arbeiten.

„Für mich geht es darum, zu zeigen, was damals schon gefertigt wurde“, sagt Geisler über die Faszination seines Hobbys. Es gehe um die „Grundprinzipien, wie sie funktionieren und welche Elemente nötig sind, um sie zum Laufen zu bringen“. Den studierten Ingenieur interessiert die Technik. Er mag aber auch den Stolz der alten Maschinen, erzählt er. Damit meint er etwa liebevolle Verzierungen, die an heutigen Maschinen undenkbar wären.

Kleine Dampfmaschinen waren früher Statusobjekte: „Das war, was heutzutage der Mercedes ist“, sagt Geisler. „Leute, die sowas hatten, hatten richtig Geld.“

Geisler hat als Kind keine Dampfmaschine besessen. Seine erste bekam er mit 20 Jahren geschenkt. Ein kleinteiliges Gerät aus dem19. Jahrhundert, gefertigt mit Uhrmacherpräzision.

Die Faszination für die Maschinen hat Geisler schon lange, ein echter Sammler ist er aber erst seit zweieinhalb Jahren. Für diesen kurzen Zeitraum hat er sich aber bereits einen beträchtlichen Fundus an Geräten aufgebaut.

Kleine Gemeinschaft

mit viel Fachwissen

Heute gehören ihm, bescheiden geschätzt, 80 Apparate, manche sind kleine von Modellbauern konzipierte Spielereien, manche uralte Originalmaschinen aus kleinen Handwerksbetrieben. Geisler ist Teil einer Gemeinschaft von fünf Menschen aus der näheren Umgebung, die sich den Wärmekraftmaschinen verschrieben haben. „Jeder hat einen anderen Schwerpunkt“, sagt Geisler. Seiner sind alte Lehrmodelle. Zurzeit recherchiert er mit einem Freund die Geschichte der in Vergessenheit geratenen Firma Bischoff aus Dresden. So etwas sei wie Detektivarbeit, sagt Geisler.

Am 25. und 26. Juli stellt er mit seiner Gemeinschaft in der Senffabrik Leman in Eystrup aus. Für September oder Oktober plant die Gruppe eine Ausstellung im Kreismuseum in Syke.

Geisler hat in zweieinhalb Jahren aber nicht nur Maschinen, sondern auch jede Menge Wissen angehäuft. Er weiß zu berichten vom Heronsball – der ersten überlieferten Dampfmaschine von etwa 100 vor Christus –, wie der Ausdruck „Made in Germany“ vom Stigma zum Qualiätssiegel wurde oder dass James Watt die Dampfmaschine nicht erfunden, sondern nur verbessert hat. Und wenn Geisler erst mal ins Plaudern kommt, dann läuft auch er wie eine gut geölte Dampfmaschine.

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