Nach Monaten voller Unsicherheiten

Huskyhof darf wieder öffnen

Geht auch ohne Schnee: Norbert Kranz bei einer Tour mit einem Husky-Rollgespann.
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Geht auch ohne Schnee: Norbert Kranz bei einer Tour mit einem Husky-Rollgespann.

52 tierische Mitarbeiter lassen sich nicht einfach in Kurzarbeit schicken. Julia und Norbert Kranz vom Huskyhof in Ridderade sind daher froh über die neue Änderung der niedersächsischen Corona-Verordnung. Nach einem halben Jahr Zwangspause dürfen sie endlich wieder öffnen.

Ridderade – Neugierig stecken die Huskys ihre Schnauzen durch den Zaun, als sich die Frau von der Kreiszeitung nähert. Ein Gast! Eigentlich nichts Ungewöhnliches auf dem Huskyhof in Ridderade. Normalerweise kommen von Oktober bis Ende März rund 500 Besucher, um mit den Schlittenhunden rund ums nördliche Wietingsmoor zu pesen. Dann ist Hauptsaison, dann wird der finanzielle Grundstock fürs Jahr gelegt. Doch in den vergangen sechs Monaten waren die Gästetouren nicht erlaubt. Lockdown.

Seit letzter Woche darf der Huskyhof von Norbert und Julia Kranz wieder öffnen, dank der Änderung der Corona-Verordnung. Touren mit den großen Roll-Gespannen sind zu dieser Jahreszeit nicht mehr möglich – sobald das Thermometer über zehn Grad steigt, wäre das für die Huskys zu anstrengend. Aber immerhin kann jetzt das Sommerprogramm starten. „Eine ganze Saison ohne Gäste war auch für die Hunde doof“, sagt Julia Kranz.

Sommerprogramm auf dem Huskyhof Ridderade: Trekkingtouren und Zeit mit den Huskys

Zum Sommerprogramm gehören Trekkingtouren mit den Tieren. Außerdem haben Besucher bei einem Vor- oder Nachmittag auf dem Hof Gelegenheit, Zeit mit Huskys zu verbringen. Vorsicht: Die sind ganz schön verschmust.

Bei den Trekkingtouren sind Mensch und Husky über einen Bauchgurt mit einer flexiblen Leine verbunden.

Norbert und Julia Kranz haben den Hof über mehr als zehn Jahren mit viel Schweiß und Leidenschaft aufgebaut. Norbert war es, der die Begeisterung für Schlittenhunde mit in die Beziehung brachte. „Im Winter 2000 habe ich in Norwegen auf einer Huskyfarm als Huskytrainer gearbeitet, weil mich das einfach interessiert hat. Dass das hier dabei rauskommt, war nie geplant“, erzählt er. Doch eins kam zum anderen, und aus einem Hobby wurde eine Lebensart.

Der Huskyhof ist ein Tierschutzprojekt. Familie Kranz nimmt Schlittenhunde auf, die ein neues Zuhause brauchen – etwa, weil ihre Besitzer nicht mit ihnen klarkommen. In Ridderade wirken die Hunde sanftmütig und ausgeglichen. Der Platz, das Rudel und die Bewegung verändern die Tiere. Das stellen Norbert und Julia Kranz immer wieder fest. Sie vermitteln Huskys auch an verantwortungsvolle Halter, zum Beispiel sportliche Familien. Manche Tiere könnten gut bei langen Spaziergängen oder mit dem Fahrrad ausgelastet werden, sagt Norbert Kranz. Es muss also nicht gleich ein Schlittenhunde-Gespann sein.

Julia Kranz mit Hündin Ennamera.

Corona durchkreuzte Pläne für die Wintersaison auf dem Huskyhof Ridderade

Die Sache mit den Gästetouren entwickelte sich zufällig. „Die Trainingswagen haben immer einen Sitz“, erklärt er. „Irgendwann haben die ersten gefragt, ob sie eine Runde mitfahren könnten.“ Mit einem Schmunzeln ergänzt der Musher (so werden Schlittenhundeführer im Fachjargon genannt): „In der ersten Saison hatten wir vier Gäste. Und wir waren stolz.“ In diesem Winter wären es täglich vier gewesen, hätte Corona nicht sämtliche Pläne durchkreuzt. Nur zwei Touren waren möglich, bevor die halbjährige Zwangspause mit dem Lockdown Light begann. Julia Kranz verdeutlicht: „Für uns war das kein Lockdown Light. Wir waren von Anfang an voll betroffen und hatten hundert Prozent Ausfall.“

Futter brauchten die Tiere trotzdem. Die 52 Hunde verschlingen pro Tag rund 25 Kilo. „Das würde nicht gehen, hätten wir nicht einen Futterhersteller, der es gut mit uns meint“, sagt Norbert Kranz. Zudem haben alle Huskys Paten, die mit einem Futterkostenzuschuss das Tierschutzprojekt unterstützen.

Rund 25 Kilo Futter gehen auf dem Huskyhof pro Tag durch

Futterspenden sind lieb gemeint, aber die Huskys brauchen aufgrund ihrer Leistungen spezielle Nahrung. Davon ab: Ständig wechselndes Fressen tut ihnen nicht gut.

Wer helfen will, kann das am besten mit Geld. „Zu Weihnachten gab es einige Spenden, das war toll“, sagt Julia Kranz. Rund Sechs Monate Verdienstausfall konnten aber auch die nicht kompensieren. Mit Futter allein ist es schließlich nicht getan. Hinzu kommen weitere Kosten. „Vor ein paar Tagen waren wir zum Beispiel mit sieben Hunden beim Tierarzt“, erzählt Norbert Kranz.

Huskys können ganz schön verschmust sein. Auf dem Bild ist Tochter Hanna Kranz mit den Hunden zu sehen.

Verdienst auf dem Huskyhof blieb wegen Corona auf, die Arbeit ging weiter

Der Verdienst blieb monatelang aus. Die Arbeit nicht. Die Tiere müssen fit bleiben und sich auspowern, ob Gäste kommen oder nicht. Sie brauchen Pflege, Futter, und das gut 4500 Quadratmeter große Areal bleibt nicht von allein in Schuss. Dazu kommt die Büroarbeit: Termine absagen, neu vereinbaren, wieder verschieben,... „Es war deutlich mehr Arbeit als sonst, aber es kam nichts dabei raus“, bringt es Norbert Kranz auf den Punkt.

Staatliche Hilfen kamen laut der Beiden nur sehr zögerlich an. Und wenn, dienten sie ausschließlich dazu, Betriebskosten zu decken.

Zum Vormerken: Radtour geplant

Die AG Gästeführung plant bei einer Radtour am 5. September einen Stopp beim Huskyhof in Ridderade. Unter dem Motto „Twistringen entdecken – tierisch gut!“ soll es per Rad immer der Schnecke nach durch Ridderade gehen. Das heißt: entlang der TEA (Twistringer Erlebnisroute Archäologie). In Ridderade hat die TEA vor nunmehr fast elf Jahren ihren Anfang genommen. Sollte Corona die angedachte Tour zulassen, folgen genauere Infos dazu zu einem späteren Zeitpunkt. 

Schon im Frühjahr und Sommer 2020 machte sich Corona auf dem Huskyhof bemerkbar. Julia und Norbert Kranz betreiben dort auch eine Hundepension. Viele Kunden fuhren aber nicht in den Urlaub. Ergo brauchten sie niemanden, der sich um ihre Hunde kümmert. Ein weiteres Standbein sind Schlittenhund-Urlaube für Deutsche in Schweden. Auch da: Corona-Flaute. Schweden wurde Risikogebiet. „Kein Mensch hat da Urlaub gebucht“, sagt Julia Kranz, die für den Huskyhof ihren Job als Lehrerin auf Eis gelegt hat.

Zweiten Standort in Schweden

Für ihre Schweden-Touren haben die Naturliebhaber einen Zweitsitz im 1600 Kilometer entfernten Ljungdalen. Sie bauten dort eine Hundeanlage und zimmerten 2017 in Eigenarbeit ein Holzhäuschen daneben. Das hat inzwischen Gesellschaft von einem weiteren Gebäude.

Um Ostern rum haben sie in Schweden erstmals Touren für einheimische Tagesgäste angeboten. Wäre klar gewesen, wie lange sich der Lockdown in Deutschland zieht, hätten sie damit schon eher Geld verdienen können. Stattdessen waren sie in Ridderade, weil sie ständig damit rechnen mussten, dass es dort wieder losgeht. Ihr Terminkalender war ja theoretisch voll. „Diese Monate sind uns flöten gegangen, weil wir immer wieder vertröstet wurden. Ein bisschen mehr Weitsicht wäre hilfreich gewesen. An vielen Stellen hat man sich verarscht gefühlt“, kritisiert Julia Kranz.

Corona ist nicht der erste Rückschlag. 2017 hat Sturm Xavier den größten Teil der Anlage in Ridderade massiv verwüstet. Mittlerweile sieht es schöner aus als zuvor. Endlich können sich auch wieder Gäste davon überzeugen.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Huskyhofs Ridderade: www.hundetouren.de

Von Katharina Schmidt

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