„Querelen um Geschlechtergerechtigkeit“

Linke im Landkreis vor Zerreißprobe

M. Stricker

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Er kümmerte sich um die Mitgliederverwaltung, pflegte Internet-Seiten und Soziale Medien für den Kreisverband der Linken im Landkreis Diepholz. Doch jetzt kehrt Martin Stricker dem Kreisvorstand enttäuscht den Rücken: „Ich trete mit sofortiger Wirkung von all meinen Parteiämtern zurück“, sagt der Twistringer – und begründet diesen Schritt mit „anhaltenden Querelen um die Geschlechtergerechtigkeit im Kreisverband Diepholz“. Stricker ist fest überzeugt: „Die Linke im Landkreis Diepholz steht vor einer Zerreißprobe.“

Ähnlich sieht das Vorstandssprecher Henry Rohde. „Ich bin auch soweit, dass ich mein Amt zurückgeben möchte. Aber ich überlege noch, ob ich weitermache“, erklärte der Vorstandssprecher auf Anfrage. Weil ein zweiter Rücktritt dem Kreisverband sehr schaden könne, wolle er vorerst Sprecher bleiben – und die Konflikte über Gespräche lösen: „Ich möchte, dass alles auf vernünftige Gleise kommt.“

Anlass für den großen Frust ist offensichtlich die Frauenquote, die im Kreisvorstand zu einem Machtkampf geworden ist: Sowohl die Funktionen der Sprecher als auch die der Beisitzer sind paritätisch besetzt. An der Spitze des Kreisverbands stehen als Sprecher Ulrike Lampa-Aufderheide und Henry Rohde.

Rund 40 Mitglieder stark ist der Kreisverband der Linken zurzeit. „Wir haben schlicht zu wenig aktive Frauen, die sich für ein Amt innerhalb der Partei bewerben“, erklärt der bisherige Mitgliederverwalter und Vize-Schatzmeister Stricker. „Da wir aber aufgrund der Frauenquote laut Satzung verpflichtet sind, Frauen in den Vorstand zu wählen, kann sich unsere Sprecherin Ulrike Lampa-Aufderheide ihres Postens im Vorstand sicher sein und schalten und walten, wie es ihr beliebt“, klagt Stricker. Er ist frustriert: „Unsere Vorsitzende drängt permanent darauf, dass die Mitglieder des Vorstands für mehr Frauen sorgen sollen, aber selbst unternimmt sie rein gar nichts.“

H. Rohde

Außerdem kritisiert er, dass den Männern im Kreisverband bei ablehnenden Beschlüssen unterstellt würde, sie seien grundsätzlich gegen Frauen – wie bei der Aktion zum Weltfrauentag: „Da waren von einer Frau 200 Euro beantragt worden, um dafür Rosen zu kaufen und öffentlich zu verteilen.“ Stricker stimmte dagegen. „Denn es war nicht klar, ob die Rosen dort ankommen, wo sie hinsollten“, blickt er auf offene Organisationsfragen. Zu Unrecht fühlte sich der Twistringer in die frauenfeindliche Ecke gedrängt. Bisher habe er für die Linke ein sehr zeitintensives Ehrenamt geleistet, sagt Stricker. Er habe Texte formuliert, Grafiken und Videos erstellt, Anschreiben für die Mitglieder erarbeitet und versendet. „Ich sehe nicht ein, dass mein zeitintensives Engagement als Selbstverständlichkeit hingenommen wird und von unserer Sprecherin nur Anweisungen von oben herab kommen“, klagt Stricker.

Dessen Rücktritt bedauert Rohde sehr: „Er ist sehr aktiv. Seit Martin das gemacht hat, hatten wir wesentlich mehr Zulauf.“ Auch Rohde beklagt den Ton seiner Sprecher-Kollegin, spricht sogar von „beleidigenden Worten“. So ein Umgang miteinander gehe gar nicht: „Wir sind als Sprecher gleichgestellt.“ Rohde will es nicht hinnehmen, dass die zurzeit erkrankte Sprecherin „Anweisungen“ per Mail schicke. Wenn jemand sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht ausüben könne, müsse er sich zurückziehen und anderen die Arbeit überlassen.

U. Lampa-Aufderheide

Ulrike Lampa-Aufderheide wollte zu den Vorwürfen öffentlich nicht Stellung nehmen: „Solche Dinge müssen intern geklärt werden.“ Sie bestätigte, dass es bei bestimmten Entscheidungen Meinungsverschiedenheiten gegeben habe. Geschlechtergerechtigkeit sei bei der Linken sehr wichtig: „Dafür setze sich mich ein, darauf bestehe ich.“ Es sei traurig, dass sich die Betreffenden nicht an sie persönlich, sondern an die Presse gewandt hätten. „Wenn Frauen ein bisschen stärker sind, kommt sofort die Argumentation, sie sind nicht kompetent genug“, so die Sprecherin – und fügt abschließend hinzu: „Keiner ist perfekt. Jeder hat seine persönliche Präferenz, davon profitieren am Ende alle.“

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