Leoni Beckmann und Team planen Restaurant „Restlos glücklich“ in Berlin

Essen auf den Teller und nicht in die Tonne

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Leoni Beckmann kämpft gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Twistringen - Von Jan Schmidt. Restlos glückliche Gäste – der wohl größte Wunsch eines jeden Restaurantbetreibers. Aber ist es möglich, dieses Ziel mit abgelaufenen Lebensmitteln zu erreichen? „Ich bin da optimistisch“, sagt Leoni Beckmann (27), gebürtige Twistringerin. In Berlin plant sie die Eröffnung des bundesweit ersten Restaurants, in dem mit Nahrungsgütern gekocht wird, die eigentlich in der Tonne landen würden.

Beckmann formuliert es etwas anders: „Ein Restaurant gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.“ Schon im Herbst soll das „Restlos glücklich“ seine Türen öffnen. Es könnte ein Ort entstehen, an dem Lebensmittel wieder mehr wertgeschätzt werden, hofft die Wahl-Berlinerin.

Als Bildungsmanagerin leitet sie ein sechsköpfiges Planungsteam in einem Kreuzberger Gründerzentrum: „Wir wollen mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass Lebensmittel wirklich Mittel zum Leben sind. Und wir wollen zum Umdenken über das eigene Wegwerfverhalten anregen.“ Laut Beckmann landen in Deutschland jedes Jahr mehr als elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Landwirte könnten häufig bis zu einem Drittel ihrer Produkte nicht an den Handel verkaufen, weil Farbe, Form oder Größe nicht den Normen entsprächen.

Gegen Verschwendung von Lebensmitteln

„In unserem Restaurant finden diese völlig geeigneten Nahrungsmittel Verwendung – und zwar in wechselnder Auswahl an Vor-, Haupt- und Nachspeisen“, erklärt Beckmann.

Ihre Motive für das Projekt sind durchaus ehrenwert, denn einen wirtschaftlichen Aspekt gibt es quasi nicht. Das Restaurant soll nicht gewinnorientiert betrieben werden. Stattdessen fließen sämtliche Überschüsse in gemeinwohlorientierte Projekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „In Schulprojekten erkunden wir mit Kindern und Jugendlichen den Weg unserer Lebensmittel vom Feld bis auf den Teller. Und in Kochkursen machen wir das, was unsere Großeltern noch so gut konnten – aus überschüssigen Lebensmitteln entstehen die zauberhaftesten Gerichte“, schildert die gebürtige Twistringerin.

Bis es soweit ist, steht eine Menge Arbeit an. Das Planungsteam muss viele Herausforderungen gleichzeitig meistern, zum Beispiel Kooperationsvereinbarungen mit Landwirten, Supermärkten, Bio-Läden, Getränkelieferanten und Lebensmittelketten.

„Anfangs hatten wir noch Bedenken, dass wir der Tafel etwas wegnehmen könnten“, erzählt Beckmann. Aber schnell sei klar geworden, dass in Berlin so massenhaft Lebensmittel in der Tonne landen, dass die Tafel als Hilfsorganisation das Restaurant sogar ausgesprochen gutheiße. Das gesamte Team handele aus der Überzeugung heraus, die Menschen könnten ihren Sinnen besser vertrauen als dem Haltbarkeitsdatum.

„Unser Ziel ist es, so viele Lebensmittel wie möglich zu retten.“ Nach der Eröffnung sollen in der Restaurantküche vor allem biologische, saisonale und regionale Produkte verarbeitet werden. Zwei angestellte Köche kümmern sich um die fachgerechte Zubereitung, sämtliche andere Aufgaben übernehmen zunächst Freiwillige.

Als Vorbild dient dem Berliner Team ein Restaurant in Kopenhagen, das mit einem ähnlichen Konzept bereits gut wirtschaftet. „Wir brauchen aber natürlich eine Anschubfinanzierung“, betont Beckmann und weist auf eine bereits gestartete Crowdfunding-Kampagne hin.

Das Prinzip beruht auf Spenden: Privatpersonen, die das Vorhaben unterstützen möchten, können einen Beitrag in beliebiger Höhe zusteuern. Mindestens 15000 Euro werden für den Start benötigt. „Ich hoffe besonders auf die Unterstützung der Twistringer“, sagt Leoni Beckmann, die zwischendurch immer mal wieder in ihre Heimatstadt zurückkehrt.

Nach Abschluss ihres Bachelor-Studiums (Public Management) in Bremen absolvierte sie ihr Master-Studium in Berlin-Potsdam, danach unter anderem Praktika beim Goethe-Institut und der Deutschen Botschaft in Bolivien. Leoni Beckmann spricht Englisch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch. „Ich habe das Gefühl, dass es jetzt an der Zeit ist für ein Restaurant wie 'Restlos glücklich'.“

www.startnext.com/restlosgluecklich

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