Landwirt Arnd Brand aus Ridderade legt seine ersten Blühstreifen an / Strenge EU-Greening-Auflagen / Fünf Bienenvölker

„Machst du's nicht, fliegst du auf die Nase“

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Arnd Brands (l.) erster geförderter Blühstreifen in Ridderade. Manfred Diephaus, Ludger Hörmann und Reimund Funke (v.r.) von der Twistringer Agenda-Gruppe informieren sich.

Ridderade - Von Theo Wilke. In der Ferne bellen Huskys. Hier im Süden Ridderades fliegen fleißige Bienen und Hummeln zwischen Ringel- und Sonnenblumen, Malwen, Phacelia (Bienenweide) und Klee hin und her. Zufrieden streicht Arnd Brand mit den Händen über seinen ersten Blühstreifen, den der Landwirt in diesem Jahr angelegt hat. Der 56-Jährige erfüllt damit das von der EU geforderte und geförderte Greening.

Es setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Dauergrünland-Erhalt, Anbaudiversifizierung (Sortimentsausweitung) und ökologische Vorrangflächen. Im Fall des Ridderaders ist die Landwirtschaftskammer in Sulingen zuständig.

Tipps für

Agenda-Aktive

„Sehr sinnvoll“, lobt Manfred Diephaus. Der Steller informiert sich gemeinsam mit Ludger Hörmann und Reimund Funke von der Twistringer Agendagruppe bei Arnd Brand über dessen erste Erfahrungen. „Wir haben ja auch schon einen Teststreifen am Beerenlehrpfad in Twistringen angelegt“, erklärt der 66-jährige Diephaus. In Stelle beispielsweise hätten Agenda-Aktive bereits einige Landwirte von nützlichen blühenden Wegeseitenrändern überzeugen können.

Hörmann erklärt, warum sie nach Ridderade gekommen sind: „Wir holen uns hier Tipps.“ Und Funke ergänzt: „Wir wollen mehr Blühstreifen, das ist unser Ziel.“

Landwirt Brand schildert seinen Gästen, dass die Vorgaben des Greening gar nicht so einfach zu durchschauen beziehungsweise umzusetzen sind. „Es soll ökologische Vorrangflächen schaffen. Betriebe sind dazu verpflichtet, wenn sie weiterhin Beihilfen möchten“, betont Arnd Brand. Hier komme den niedersächsischen Agrarumweltmaßnahmen (AUM) eine besondere Bedeutung zu. Zur Erfüllung der Greening-Auflagen könnten auch Blühstreifen eine sinnvolle Alternative darstellen.

„Der Gesetzgeber schreibt uns fünf Prozent von unserer Gesamtfläche als öko-Vorrangfläche vor.“ Brands Hof hat 61 Hektar. Der Ridderader Ortsbrandmeister und Schulklassenbeauftragte der Stadtfeuerwehr Twistringen favorisiert die „Einjährigen Blühstreifen“, auf fünf Jahre festgeschrieben. Sie erlauben ihm auch den Flächenwechsel – im Gegensatz zu den „Mehrjährigen Blühstreifen“. Die seien tückisch, weil für fünf Jahre am selben Standort gebunden. Brands Sorge dabei: Quecke oder auch Distel würden auf angrenzende Ackerflächen überspringen.

Fristgerecht hat der Landwirt bis zum 14. April zwei Blühstreifen angelegt, sie müssen mindestens sechs Meter breit sein. „Das wird per Satellit überprüft. Wenn das nicht stimmt, kann das für den Landwirt richtig teuer werden“, weiß der 56-Jährige.

Brands Blühstreifen liegen an zwei Feldern, sind insgesamt rund 1,2 Kilometer lang, auf einer Gesamtfläche von 0,7 Hektar.

Im Herbst 2014 hatte er den schon etwas komplizierten Antrag an die Landwirtschaftskammer in Sulingen gestellt. Im Frühjahr kam der Bewilligungsbescheid: 490 Euro pro Hektar und Jahr. Die bisherige Beihilfe für seinen Hof betrug etwa 300 Euro.

Und wenn Arnd Brand die Auflagen eines Tages nicht mehr erfüllt? Dann fällt die die Beihilfe für seinen Hof weg. Ganz wichtig sei, erklärt er weiter, dass ein genehmigter Blühstreifen nicht eigenmächtig erweitert werden dürfe. Würde der Ridderader allerdings ohne Beihilfe noch mehr Blühstreifen anlegen, müssten sie von der Genehmigungsfläche deutlich abgetrennt sein. „Machst du das nicht, fliegst du bei der Kontrolle auf die Nase“, sagt Arnd Brand.

Auf seinen Blühstreifen tummeln sich nicht nur Hummeln und Bienen. „Der Erfolg ist sichtbar“, strahlt der Hobbyimker. Und dies gleich in zweifacher Hinsicht: Seit eineinhalb Jahren hat Brand auch fünf Bienenvölker. In diesem Jahr möchte er seinen geschleuderten Honig auch über die eigene Familie hinaus gerne abgeben.

Zum Hintergrund:

Was ist Greening?

Seit Jahresbeginn wird die bisherige Direktförderung über die Landwirtschaftskammer in eine Basis- und eine grüne Prämie (Greening) aufgeteilt.

Greening ist verpflichtend für alle Landwirte, die Direktzahlungen beantragen, ausgenommen Betriebe, die unter die Kleinlandwirteregelung fallen, sowie der ökologische Landbau. Gar nicht betroffen sind Dauerkulturen-Betriebe (Wein, Obst oder auch Hopfen).

Landwirte erhalten 30 Prozent ihrer Direktzahlungen, die sogenannte Greening-Prämie nur, wenn sie konkrete, zusätzliche Umweltleistungen erbringen. Nach einer Übergangszeit drohen empfindliche Kürzungen bei Verstößen gegen die Auflagen.

Die Hauptregeln: 1. Erhalt von Dauergrünlandflächen (zum Beispiel Wiesen und Weiden).

2. Verstärkte Anbaudiversifizierung (größere Vielfalt bei der Auswahl der angebauten Feldfrüchte).

3. Bereitstellung sogenannter ökologischer Vorrangflächen (fünf Prozent) auf Ackerland.

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