Landkreis will Einrichtung aber erhalten

Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge schließt

In der Flüchtlingsaufnahmeeinrichtung an der Hohen Straße in Twistringen leben im Augenblick nur elf junge Flüchtlinge.

Twistringen - Von Anke Seidel. In 27 Tagen ist Schluss: Dann schließt die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Twistringen ihre Pforten – bildlich gesprochen. Das bestätigte Landrat Cord Bockhop auf Anfrage.

Wie gestern bereits ausführlich berichtet, leben in Twistringen zurzeit nur elf Flüchtlinge, neun von ihnen sogenannte „Uma“ (unbegleitete minderjährige Asylsuchende). Zwar will der Landkreis die Einrichtung in Twistringen erhalten, doch mit einer vollen Belegung ist offenbar nicht mehr zu rechnen – wenn die internationale Lage so bleibt wie sie im Moment ist.

Im Rahmen der Amtshilfe hatte der Landkreis Ende Oktober die ehemaligen Schulräume an der Hohen Straße in Twistringen für das Land als Flüchtlings-Erstaufnahmestelle eingerichtet – mit bis zu 200 Plätzen. Als Betreiber hatte der Landkreis das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) ins sprichwörtliche Boot geholt und diese Zusammenarbeit vertraglich besiegelt. Ende des Monats läuft dieser Vertrag aus. Zu diesem Zeitpunkt ende auch die Amtshilfe für das Land, so erläuterte der Landrat. Es habe mittlerweile genügend andere Kapazitäten für die Unterbringung.

Andererseits muss der Landkreis selbst bis zum Ende des Monats formal 1 800 Asylbewerber aufnehmen. Diese Menschen sollen dezentral – sprich in den Städten und Gemeinden des Landkreises – untergebracht werden. Das habe er mit den Bürgermeistern so vereinbart, sagte Bockhop. Denn die dezentrale Unterbringung eröffne bessere Integrationsmöglichkeiten und erhöhe die Akzeptanz.

Gleichwohl soll die zentrale Unterkunft in Twistringen bestehen bleiben. „Im Hintergrund und für Notfall-Situationen“, erläuterte der Landrat.

Flucht, Asyl und Integration – das Thema ist komplex und stellt sowohl den Landkreis als auch seine Kommunen vor enorme Herausforderungen. Denn es sind die selben Menschen, die zwar einen unterschiedlichen Status und damit in unterschiedliche Zuständigkeiten fallen – aber in jedem Fall Wohnraum und Hilfe zum Lebensunterhalt brauchen.

In der Landesaufnahmestelle sei das Land für die Flüchtlinge zuständig, erläutert der Landrat. Aber sobald die Menschen registriert und medizinisch untersucht worden seien, hätten sie den Status des Asylbewerbers – und damit sei der Landkreis zuständig.

Er muss für die ihm zugeteilten Menschen für Wohnraum und Lebensunterhalt sorgen – und seine Ausländerbehörde darüber entscheiden, wer Bleiberecht hat und wer nicht.

Sind Flüchtlinge als Asylbewerber anerkannt und bemühen sie sich um Arbeit und Integration, ändert sich ihr Status noch einmal: Sie sind nun Migranten – Bürger mit ausländischen Wurzeln, deren Kinder im Schulunterricht oft besondere Unterstützung brauchen. Aber das gelte genauso für andere Migranten aus anderen EU-Ländern, gibt der Landrat zu bedenken – und blickt auf Neubürger aus dem Osten Europas, sprich Polen oder dem Baltikum.

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