Wieder mehr Zeit füreinander einplanen

Landkreis fördert Eltern-Kind-Nachmittage: Niemand ist unwichtig

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Das Essen ist fester Bestandteil des Rituals der Eltern-Kind-Nachmittag in der Kita Pusteblume.

Twistringen - Von Marc Lentvogt. „Wollt ihr reinkommen?“ Dirk Hillmann öffnet die Tür zum Bewegungsraum der Kindertagesstätte Pusteblume, und schon umarmt ihn ein junges Mädchen. Ein lang gezogenes „Jaaaaa“ erschallt aus zahlreichen Kindermündern. Auf den Fuß folgen die ersten Erwachsenen. Es ist Eltern-Kinder-Nachmittag.

Dagmar Beuke-Pölking, stellvertretende Kita-Leiterin, und Dirk Hillmann, Sozialpädagoge beim Verein für sozialpädagogische und lerntherapeuthische Hilfen (VSL) aus Vechta, sorgen dafür, dass bei den Terminen alle Familien Zeit füreinander finden. Das Programm Familien und Nachbarschaft (FuN) des Landkreises soll den Teilnehmern ermöglichen „sich positiv in der Familie zu erleben“, erklärt Hillmann.

Zu Hause klappe das nicht immer, sagt Beuke-Pölking. Und wenn es gelingt, unterbrechen Telefonpausen oder der Haushalt häufig das konzentrierte Miteinander. Während der drei Stunden in der Kita bleiben alle Ablenkungen draußen.

Beisammen in intimer Atmosphäre

Es ist eine sehr intime Atmosphäre, in der die Familien beieinander sind. Basierend auf Ritualen erleben sie den Nachmittag. Beuke-Pölking und Hillmann haben Spiele mitgebracht, oder besser gesagt ein Regelwerk und einzelne Materialien. Zunächst werden die Eltern nach vorne gebeten, ihnen werden die Regeln erklärt. Es folgen die Kinder, sie holen die Materialien ab. Gemeinsam lernen die Familien das Kooperationsspiel kennen.

Dieses Vorgehen wirkt zunächst wie eine Kleinigkeit, vielleicht sogar wie ein Umstand, doch er sichert, dass niemand außen vor bleibt, jedem eine Rolle zuteil wird – insbesondere in Familien mit mehreren Kindern.

Am Donnerstag beginnen die Familien nach dem Eröffnungslied, damit eine Murmelbahn zu bauen. Etwas Tesafilm, ein paar Scheren, einige leere Rollen Haushaltspapier – die Endergebnisse unterscheiden sich nach einer Viertelstunde dramatisch voneinander. Bei einer Bahn geht es um Geschwindigkeit, der zweiten wurde eine Kurve verpasst, und auch ein Modell mit Dekopalme darf bestaunt werden. Die Unterschiede sind nur logisch, denn alle Familien haben untereinander eine ganz eigene Dynamik entwickelt.

Das Wohlfühlen steht im Vordergrund

Die beiden Betreuer geben dem Nachmittag nicht nur Struktur, sie sorgen auch dafür, dass die Familien miteinander ins Gespräch kommen, Inspiration am Nebentisch finden. Ist das Spiel ein eher stiller Moment, in dem Eltern und Kinder aufeinander konzentriert sind, richtet sich der Blick in den Pausen auf die Nachbarn – was hat gut funktioniert, wie konnten die unterschiedlich alten Kinder einbezogen werden? Die Unterschiede in den Familien ermöglichen, in wenigen Minuten viele Perspektiven kennenzulernen.

Nach einem zweiten Spiel muss etwas für die Konzentration getan werden – in Windeseile schieben alle die Tische zusammen und setzen sich an die Kuchentafel, die am Donnerstag sommerlich von Obst bereichert wird. Im Anschluss stehen zwei Betreuerinnen der Kita bereit. Sie kümmern sich um die Kleinen, während die Großen einen Moment des Austausches genießen.

„Familien, die in Twistringen früher keinen Anschluss hatten, haben so Kontakte gefunden. Das ist toll“, erinnert sich Beuke-Pölking an eine vergangene Gruppe. Dass das nach den FuN-Nachmittagen dieses Jahres wieder zutreffen kann, ist nicht ausgeschlossen.

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