Im September zweiter Praxis-Anlauf

Landarzt Winter kehrt zurück

Dr. Martin Winter - Foto: tw

Twistringen - Von Theo Wilke. „Ich bin wieder fit. Ich habe die Krankheitsphase hinter mich gebracht und kann wieder aktiv werden“, sagt Dr. Martin Winter. Im September will er seine Landarztpraxis an der Bahnhofstraße in Twistringen wieder aufmachen.

Der im November 2016 gestartete Mediziner hatte nach sieben Monaten ausgehört – aus Krankheitsgründen und weil die wirtschaftliche Insolvenz drohte. Ein vorläufiges Ende mit Paukenschlag, das öffentlich für viel Gesprächsstoff und Emotionen sorgte.

Tag der offenen Tür am 1. September

Für den 1. September lädt Dr.  Winter zu einem Tag der offenen Tür von 8.30 bis 12  Uhr ein. Danach läuft der reguläre Betrieb wieder an. Heute ist er überzeugt, dass „mein Outing was gebracht hat“. Der öffentliche Aufschrei (über Facebook, Anm. d. Red.) sei nötig gewesen. Die schlechtere Alternative wäre gewesen, sang- und klanglos unterzugehen und die Twistringer in Unwissenheit zurückzulassen, erklärt Winter.

Ende Mai war plötzlich Schluss. Patienten reagierten traurig, entsetzt und wütend, Berufskollegen fühlten sich diffamiert. Der Traum von der Landarztpraxis schien geplatzt, und Dr. Winter machte dafür auch Kollegen verantwortlich, warf ihnen üble Nachrede vor. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) kritisierte, Winter habe zu viele Gespräche mit Patienten geführt.

Winter will keine verbrannte Erde hinterlassen

Der Landarzt indes kritisiert: Es habe sich damals alles anders dargestellt, als ihm vorher in der Beratung durch die KVN vermittelt worden sei. „Es ist aus heutiger Sicht aber nicht gut für Twistringen, wenn ich aufhöre. Ich würde verbrannte Erde hinterlassen“, sagt Dr. Winter. Er habe sieben Monate lang keinen Cent verdient. Aber er habe Verantwortung übernommen, und deshalb habe er sich dafür entschieden, weiterzumachen. „Ich brauchte Zeit, mich durchzuschütteln“, fügt er hinzu. Und er habe sich auf die Suche gemacht, sich klar zu machen, was los sei. Gut findet er die Diskussionen in der Zwischenzeit, und „dass die Twistringer verstanden haben, dass sie einen zusätzlichen Hausarzt wollen“.

Martin Winter unternimmt nun einen zweiten Anlauf und wünscht sich, dass auch „abgewanderte Patienten“ wieder seine Praxis aufsuchen. Allerdings muss er Geduld haben, denn „die Patienten stimmen mit den Füßen ab“.

Beratung der KVN sei ungenügend

Der Mediziner will schauen, ob sich das Ganze in seine Richtung bewegt. Das Feedback zeige ihm jedenfalls, dass er in Twistringen als Hausarzt erwünscht sei.

Mit der KVN hat Winter noch nicht wieder gesprochen, nur über seinen Anwalt. Auf die Vereinigung ist er sauer. Man habe ihn seinerzeit damit gelockt, dass 1000 unversorgte Patienten auf ihn warteten.

Heute weiß er aber auch, dass es einige Abrechnungsquartale braucht, um auch Geld zu verdienen. Winters Kritik bleibt: „Die Niederlassungsberatung der KVN ist ungenügend.“ Er habe damals auf der Basis der KVN-Zahlen seinen Businessplan erstellt. So könne man mit niederlassungswilligen Ärzten nicht umgehen.

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