Unterschiedliche Meinungen beim Thema Sportförderrichtlinien

Kurz vor der Zielgeraden

Ein Fußball liegt auf einem Rasenplatz in einem Tornetz.
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Symbolbild: Fußball im Tornetz

Twistringen – Die Sportförderrichtlinien in Twistringen stammen aus dem Jahr 1993. Die FWG-Fraktion hat schon 2019 angeregt, sie auf einen aktuellen Stand zu bringen. Passiert ist das bis heute nicht.

Das liegt unter anderem daran, dass zwischendurch die Idee aufkam, einen Stadtsportring zu gründen. Der hätte sich dann auch mit den Sportförderrichtlinien auseinandersetzen sollen. Doch dieser Weg endete in einer Sackgasse. Nach all dem Hin und Her ist die Politik jetzt aber auf der Zielgeraden. Der Ausschuss für Bildung, Erziehung, Senioren und Soziales gab am Donnerstag Grünes Licht für eine aktualisierte Version der Richtlinien.

Die Neufassung rückt bei der Frage, wie Geld verteilt werden soll, die Jugendarbeit in den Fokus. Eine den Sportheimen und -anlagen zugeordnete Betriebskostenunterstützung soll es nicht mehr geben. Vorgesehen ist, die Ansätze auf insgesamt knapp 30 000 Euro zu erhöhen (bisher 25 000 Euro).

Für Mitglieder unter 18 Jahren will die Stadt einen pauschalen Zuschuss zahlen: sechs Euro pro Jugendlichen. Vereine, die „herausragende Jugendarbeit“ betreiben, sollen ein extra Sümmchen obendrauf bekommen (pro Mitglied acht Euro zusätzlich). „Ob eine herausragende Jugendarbeit betrieben wird, soll sich daran orientieren, dass in dem Verein mindestens 100 Jugendliche gemeldet sind“, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Derzeit trifft das für die vier klassischen Sportvereine zu. Der SV Heiligenloh soll allerdings weniger bekommen, weil er die Sporthalle und den Sportplatz der Grundschule Heiligenloh nutzt.

Heinfried Dießelberg von den Grünen warnte am Donnerstag vor einem Schnellschuss und wollte das Thema am liebsten von der Tagesordnung streichen. Vor dem Hintergrund, dass die Diskussionen über die Neufassung der Richtlinie bereits so lange andauern, mag das zunächst verwundern. Der springende Punkt ist aber, dass kurzfristig Stellungnahmen von Vereinen eingegangen waren.

So hinterfragt die DLRG Twistringen, wieso eine herausragende Jugendarbeit laut den neuen Richtlinien nur dann geleistet werde, wenn in einem Verein mindestens 100 Jugendliche gemeldet sind. Sie regte an, noch einmal über die Wortwahl und den zusätzlichen Bonus für große Vereine nachzudenken. Würde man bei den Vereinen statt den absoluten Zahlen das prozentuale Verhältnis von Jugendlichen und Erwachsenen betrachten, würde sich ein anderes Bild ergeben. Vereine würden benachteiligt, nur weil sie keinen Massensport betreiben. „Ist das wirklich so gewollt? Ist es so gewünscht, dass es in Zukunft noch weniger Randsportarten oder sogar für das Allgemeinwohl tätige Vereine wie die DLRG gibt?“, schreibt die DLRG.

Der SCT merkte an, dass in den neuen Richtlinien nicht mehr berücksichtigt werde, dass die Anlagen vom SCT auch für Schulsport genutzt werden.

Dießelberg führte an, dass hier Richtigkeit vor Schnelligkeit gehe. Horst Küpker (FWG) entgegnete, dass sich die Fraktionen seit 2019 einig seien, dass sich bei den Richtlinien was tun müsse. Alle Vereine würden partizipieren. „Ich weiß, dass die Vereine sehnlichst darauf warten“, sagte er. „Wenn wir das jetzt noch mal verschieben, geben wir ein Zeichen, dass wir das nicht ernst nehmen und die Hilferufe nicht hören.“

Die Sportförderrichtlinien sehen auch vor, 27 000 Euro für Investitionen von Vereinen bereitzuhalten. Dießelberg forderte, diesen Punkt vorerst herauszunehmen. „Wir befinden uns derzeit in einer Pandemiesituation und die finanziellen Folgen sind noch nicht absehbar.“ Da müsse man ehrlich darüber reden, wofür wie viel Geld ausgegeben werden kann, zumal es noch Punkte gebe wie die Diskussion über die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge oder den Bau des Dorfgemeinschaftshauses Marhorst. „Wir nehmen uns da Handlungsspielraum“, sagte auch sein Fraktionskollege Jürgen Schulze.

Katrin Schwarze (CDU) meinte, dass es wichtig sei, voranzukommen. Nachjustieren könne man immer noch – im Falle der DLRG zum Beispiel durch die Bezuschussung von Schwimmunterricht. Küpker ergänzte, dass es angesichts der Pandemie sicher einen Nachtragshaushalt geben werde, durch den sich nachträglich noch was regeln lasse. Markus Thiede (FDP) sagte, dass es bald Lockerungen geben könnte und es nicht mehr lang bis zur Freibadsaison sei – dementsprechend könnten Vereine die Förderung jetzt gut gebrauchen. „Ich finde, dass die Verwaltung hier sehr gut gearbeitet hat“, sagte er zu dem Entwurf der Neufassung der Förderrichtlinien.

Auch Jens Knabe vom SCT meldete sich zu Wort. Die Stadt Twistringen habe in den vergangenen Jahren die Sportvereine zwar gefördert – aber nicht in dem Ausmaß, in dem das andernorts üblich sei. „Wir werden ein bisschen belächelt, wenn wir sagen, wir mähen unsere Plätze selber und wir rennen mit einem Gartenschlauch über die Plätze, um sie zu bewässern.“ In anderen Vereinen würden das Roboter und Beregnungsanlagen erledigen. „Das können wir uns alles nicht leisten“, so Knabe. „Die Vereine erwarten von der Politik, dass etwas passiert.“

Und es passierte was: Am Ende der Diskussion standen drei Nein-Stimmen acht Ja-Stimmen gegenüber. Das letzte Wort hat aber der Rat.

Von Katharina Schmidt

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