Unter Corona-Bedingungen überreicht

Kulturpreis für Strohmuseum

Heike Paul steht hinter der  alten Hutpresse im Twistringer Strohmuseum.
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Heike Paul mit der alten Hutpresse.

Die Nachricht war nicht neu, und trotzdem war es am Dienstag ein besonderer Moment im Museum der Strohverarbeitung Twistringen: Landrat Cord Bockhop verlieh dieser Einrichtung den mit 7 500 Euro dotierten Kulturpreis des Landkreises. Unter strengen Coronaschutz-Vorgaben, versteht sich. 

  • Strohmuseum Twistringen erhält Kulturpreis
  • Alte Hutpresse muss umgerüstet werden
  • Kreative Schaffensphase liegt hinter dem Näh- und Kreativteam

Twistringen –  Manche Dinge lassen sich nicht so genau zählen. Zum Beispiel, wie viele Getreidehalme zur Erntezeit auf den Feldern stehen. Oder wie viele ehrenamtliche Arbeitsstunden bereits in das Twistringer Strohmuseum geflossen sind. Seit dem Jahr 1992 engagieren sich dort regelmäßig 40 bis 50 Personen, um Besuchern aus dem gesamten norddeutschen Raum die Geschichte der Strohverarbeitung zu zeigen. Der Vorsitzende des Trägervereins, Heinrich Brinkmann, freut sich daher, dass Landrat Cord Bockhop dem Museum am Dienstag den Kulturpreis des Landkreises Diepholz überreicht hat.

Natürlich würden sich die Gästebetreuer auch über das Dankeschön der Besucher und deren strahlende Gesichter freuen, sagt Brinkmann. „Aber die Anerkennung durch die Verwaltung, ob Stadt oder Kreis, hat eben eine besondere Bedeutung“, findet er. Der Vorsitzende hebt hervor, dass der öffentliche Bereich von dem Engagement der ehrenamtlichen Helfer profitiere.

Eine Festveranstaltung, wie sie traditionell beim Kulturpreis üblich ist, soll noch nachgeholt werden. 

Bei der Preisverleihung: Landrat Cord Bockhop (links), die Vorsitzende des Kulturbeirates Edith Heckmann (rechts) und Heinrich Brinkmann (Mitte), Vorsitzender des Museumsvereins.

Bereits im Herbst 2019 hatte der Kreis-Kulturbeirat entschieden, dass er das Museum der Strohverarbeitung mit dem Preis würdigen möchte. In der Zeit bis zur Verleihung am Dienstag ist viel passiert. Corona hat das Land ein Stück weit auf den Kopf gestellt.

Auch für das Museums-Team war und ist es ein ungewöhnliches Jahr. Klar: Die Pandemie macht sich auch in finanzieller Hinsicht bemerkbar. Ein Großteil des Besuchergeschäftes ist 2020 weggebrochen, alle Veranstaltungen mussten abgesagt werden, und aktuell müssen Museen schließen. „Aber vor allem fällt es uns schwer, dass wir uns nicht treffen können“, sagt Heike Paul, die Leiterin der Nähstube. „Wir haben hier immer total viel Spaß. Miteinander für die gleiche Sache zu brennen, fehlt total.“

Neues Gas für alte Hutpresse des Strohmuseums

Immerhin: Das Timing der aktuellen Pause ist für die Nähgruppe gar nicht mal so schlecht. Denn die alte Hutpresse von anno dazumal darf aktuell nicht genutzt werden. Das hängt mit der flächendeckenden Erdgasumstellung von L-Gas auf H-Gas zusammen. Die Gassorten unterscheiden sich in ihrem Energiegehalt. L steht für low caloric, also für einen niedrigen Energiegehalt, und H für high caloric.

Und weil das L-Gas knapp wird, gibt es die Umstellung. In diesem Zuge mussten Endgeräte daraufhin geprüft werden, ob sie mit dem neuen Gas kompatibel sind. Das betraf Heizungen, Gasherde – und eben auch die alte Hutpresse, die früher sogar noch mit Kohle und Feuer betrieben wurde.

Kurzum: Sie ist nicht kompatibel. „So haben wir hier immer wieder neue Herausforderungen“, sagt Heike Paul und lacht. Eine Abkopplung vom Gastnetz und Umstellung auf Propangas soll das Problem nun beheben.

Wegen Corona: Keine Treffen mehr seit Mitte Oktober

Schon Mitte Oktober hat die Nähgruppe beschlossen, aufgrund des Infektionsrisikos verfrüht in die Winterpause zu gehen – also noch bevor die Verordnung vom Land Niedersachsen kam. Ihre letzten produzierten Werke konnten die Ehrenamtlichen gerade noch in der Presse mithilfe von Druck und Hitze in ihre endgültige Form bringen, bevor die Sache mit der Umstellung kam.

Die Zeit zwischen dem Lockdown im Frühjahr und ihrer Winterpause hat die Gruppe für eine kreative Schaffensphase genutzt. Die Mitglieder entwarfen neue Kreationen aus Strohgeflecht. „Als wir nach dem ersten Lockdown wieder zusammengekommen sind, war unser Lager noch sehr voll“, erzählt Heike Paul. „Deswegen haben wir uns etwas Neues einfallen lassen.“

Bettina Schröder, die im Museum im Bereich Büro und Veranstaltungskoordination arbeitet, präsentiert ein neues Taschenmodell.

Neue Kreationen im Shop erhältlich

Entstanden sind zum Beispiel moderne Umhängetaschen aus Stroh und Jeansstoff. Auch neue Hutmodelle sind in den Museumsshop eingezogen, gefertigt per Handarbeit und der Hilfe historischer Maschinen. Klassiker wie die Strohsterne „made in Twistringen“ sind ebenfalls weiterhin im Shop zu finden.

Viele der Produkte aus dem Strohmuseum sind wieder in Kommen. Um Plastik zu reduzieren, besinnen sich Menschen auf altbewährte Lösungen. So sind echte Strohhalme eine Alternative zu den ab 2021 verbotenen Trinkhalmen aus Kunststoff. Und zum Transport wurden Flaschen damals in Strohhülsen, sogenannten Malotten, verpackt. Auch heutzutage gibt es noch Anfragen von Weingütern. Die Malotten werden aber in Twistringen mittlerweile nur noch zu Museumszwecken produziert, zum Beispiel bei Vorführungen an Aktionstagen.

Alternative zu Plastikhalmen: Echte Strohhalme.

Veranstaltungen für 2021 geplant ‒ Umsetzung ungewiss

Die Veranstaltungsplanung für 2021 hat das Museum bereits gemacht. Was davon in die Tat umgesetzt werden kann, ist angesichts der Pandemie noch ungewiss. Vom 28. März bis zum 2. Mai soll es eigentlich die Kunstausstellung „Landschaft im Kontext von Raum und Zeit“ mit der Künstlerin Dagmar Richard geben. Für den 1. Mai ist eine Feiertags-Entdecker-Tour geplant, für den 9. Mai der Muttertag im Strohmuseum und für Christi Himmelfahrt eine Malottenvorführung. Ebenfalls auf dem Programmzettel: Der internationale Museumstag (16. Mai), der Tag des offenen Denkmals (12. September), der Tag der Regionen (3. Oktober), die Kunstausstellung „Sandsturm“ mit Maggie Luitjens (ab 24. Oktober), ein Adventskonzert am 28. November und das vorweihnachtliche Basteln für Kinder am 19. November.

Inwieweit die Planungen noch durchkreuzt werden könnten, steht noch in den Sternen. Schon jetzt ist aber entschieden: Den Markt im Frühjahr wird es 2021 nicht geben. Laut Heike Paul wäre es zu viel Arbeit bei zu viel Ungewissheit.

Shop weiterhin geöffnet

Trotz der aktuellen Schließung ist der Shop dienstags und donnerstags zu den Bürozeiten (9 bis 11.30 Uhr) geöffnet.

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