Orgelherbst-Konzert begeistert in St. Anna

Kühne Werke des jungen Bach

Fritz Siebert aus Hannover bescherte den Orgelherbst-Zuhörern in St. Anna einen wunderbaren Konzertabend. - Foto: Hoffmeier

Twistringen - Von Anette Hoffmeier. „Hier sind ein genialer Komponist, ein großartiger Künstler und ein herrliches Instrument zusammengekommen“, fasste eine Zuhörerin den wunderbaren Abend zusammen. Etwa 60 Zuhörer hatten sich am Sonntag zu „Johann Sebastian Bach in Weimar“, zum zweiten Konzert des Twistringer Orgelherbstes in der St.-Anna-Kirche eingefunden.

Auf dem Programm standen Werke, die Bach (1685-1750) im Alter von 23 bis 32 Jahren in Weimar als Organist am Hofe von Herzog Wilhelm Ernst komponiert hatte. St.-Anna-Kantor Johannes Schäfer kündigte „kühne Werke“, noch nicht so abgeklärt wie Bachs spätere Stücke, aus der Experimentierphase des noch jungen Komponisten Bach an.

Als Organist begrüßte Schäfer am Sonntag Fritz Siebert aus Hannover, der eigentlich Cembalist ist und, wie er von sich selbst sagt, „Orgel nur zum Vergnügen“ spielt. Dies konnte man das ganze Konzert über spüren. Er zündete auf der Becker-Orgel zeitweilig ein Feuerwerk der Töne, mal so kräftig, dass die ganze Kirche voller Musik war und die Bänke vibrierten, mal intonierte er sehr filigran und verspielt, aber immer souverän und ausdrucksstark.

Im Programm wechselten sich große Orgelwerke – „Pièce d’Orgue a 5“, „Concerto in C-Dur“ oder die „dorische Toccata“ (Toccata und Fuge d-Moll) – mit feinen Choralbearbeitungen – „Valet will ich dir geben“, „Fantasia über Christ lag in Todesbanden“ und „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ – ab. Das „Trio G-Dur“ erklang sehr verspielt, die schnellen Läufe waren ausgesprochen gleichmäßig und erinnerten an eine Flötenuhr, an eine Spieluhr mit Orgelpfeifen.

Den krönenden Abschluss bildete die sehr bekannte „Passacaglia in C-Moll“. Bei diesem äußerst kraftvollen Werk erfüllte Siebert die gesamte Kirche mit Klang und nahm die Zuhörer mit in einen besonderen Klangraum. Er feierte ein sehr energiegeladenes, rauschendes Orgelfest. Nachdem der letzte Ton verklungen war, breitete sich zunächst eine spannungsvolle Stille aus, bevor das Publikum den Organisten mit langanhaltendem Applaus belohnte.

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