Kräfte der Kultur stärken

Twistringens Kulturbeauftragte Katja Bischoff blickt auf 17 Programme seit 2009

+
Ein Schwerpunkt der Twistringer Kulturarbeit rückt Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt, unter anderem mit Kunst-, Theater- und Musikangeboten, aber auch mit Workshops. 

Twistringen - Von Theo Wilke. „Die Kräfte der Kultur stärken, heißt die Gesellschaft bessern.“ Das Zitat stammt vom weltberühmten Dirigenten Daniel Barenboim. Dieser Satz ist auch für die Twistringer Kulturbeauftragte Katja Bischoff ein Leitspruch. Seit 2009 ist sie im Amt. Seitdem gab es 17 Programme, 150 städtische Veranstaltungen, 10 Großprojekte und 50 Kooperationen. Und manches Angebot war, zugegeben, umstritten. Bischoff hat auch dicke Bretter bohren müssen, um Twistringern und Gästen Kultur-Highlights näher zu bringen. Vor einigen Jahren brachten heftige Einsparungsdebatten im Rat Kultur und Amt sogar in Gefahr.

Die studierte Politologin, die seit 2007 in Twistringen lebt und für 19,5 Stunden in der Woche angestellt ist, hat sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Im Gegenteil: Bischoff hat die Twistringer Kultur als Marke mit dem Logo „T“ als rote Pinselstriche entwickelt und etabliert. Das war nicht immer leicht, es gab und gibt immer noch Widerstände, nicht nur in der Politik. Dabei bringen das professionelle Layout des Kultur-Folders (Programm-Faltblatt), entsprechende Plakate und Eintrittskarten sowie Kulturpass, Geschenk-Gutscheine und Kulturtasche mehr Auswärtige in die Stadt.

Schon vor 2009 existierte das Kultur-Kontor. Dort wirken heute viele Beteiligte, etwa Kirchen, Strohmuseum, Stadtbücherei und Förderverein, Alte Ziegelei, Galerien und Ehrenamtliche. Das Kontor tagt zweimal pro Jahr, im November und Juni. Das neue Kulturangebot wird vorgestellt. Es gibt Terminabsprachen, gemeinsame Aktionen und einen Ideenaustausch.

Twistringer Säulen sehr nachhaltig

Beispielhaft nennt Katja Bischoff die Kulturbude auf dem Weihnachtsmarkt, die Twistringer Weihnachts-CD und das Sagenbuch. Auch den Hochzeitswald hat die Kulturbeauftragte mit Leben gefüllt.

Besonders nachhaltig ist das Projekt „Twistringer Säulen“. An deren Entstehung bis 2012 waren bei künstlerischer Begleitung viele Menschen aus den Ortschaften mit ihren Handabdrücken in Ton beteiligt. „Ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt zur Förderung von Kunst im öffentlichen Raum“, erinnerte Katja Bischoff vor Weihnachten den Fachausschuss des Stadtrates. Und Manfred Rickers, Marhorsts Ortsbürgermeister, hat sogar gelobt, dass „das ganze Dorf da mitgemacht hat“. Die Twistringer Säulen als Alleinstellungsmerkmal vor dem Rathaus ziehen die Blicke von Passanten und Durchreisenden auf sich.

Katja Bischoff

2017 hat die Kulturbeauftragte maßgeblich die Ausstellung „Als ich noch ein Junge war“ über Erich Kästner in der Stadtbücherei, verbunden mit dem ersten Jugendschreibwettbewerb „Emil“, auf die Beine gestellt und damit Twistringen besonders in den überregionalen Fokus gerückt. Außerdem gab es eine Bilderausstellung mit Werken von litauischen Künstlern im Museum der Strohverarbeitung: auch ein Zugpferd für die Kultur in der Stadt und für die Städtepartnerschaft mit Kaisiadorys.

Viel Arbeit hat Katja Bischoff hinter den Kulissen: neben der Vorbereitung des Jahreskulturprogramms zum Beispiel Kooperationen mit den Schulen pflegen, etwa durch die wiederkehrende Ausstellung „SchoolArt“. Hinzu kommen Marketing, Imagewerbung für die Stadt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Anmeldungen von Veranstaltungen bei der Gema, Abrechnungen mit der Künstlersozialkasse, Budgetverwaltung und die Einwerbung von Drittmitteln.

Förderung aus- und nicht abbauen

Auch die Ausrichtung des Frühjahrsempfangs, des Volkstrauertages im Rathaus sowie Zuschüsse an Heimat- und Verschönerungsvereine gehören zum Aufgabenfeld. Über die Zuschüsse entscheidet Bischoff aber nicht.

„Das Kulturprogramm sowie Projekt und Entwicklung machen den Hauptteil meiner Arbeit aus“, erläutert die Netzwerkerin, die mit ihrer Familie in Heiligenloh lebt. Inzwischen reicht das Kulturangebot von Konzerten, Kabarett, Comedy und Lesungen über Theater, Feste und Workshops bis zu Kunstausstellungen und Vorträgen für Kinder und Erwachsene aller Altersstufen.

„Zugang zu Kultur ist elementar“

„Um junge Menschen zu befähigen, am gesellschaftlichen Leben konstruktiv teilzunehmen, ist der Zugang zu Kultur elementar“, so Bischoff. Wichtig sei, Bildung, Kunst, Musik und Theater erfahrbar zu machen und die Kreativität zu fördern.

Bischoff sieht sich auch als Impulsgeberin, Koordinatorin und Ansprechpartnerin. Und ist überzeugt: Die kulturelle Entwicklung in Twistringen ist positiv.“ Sie möchte die Kulturförderung nicht ab-, sondern ausbauen, etwa durch neue regelmäßige Events wie die 2015 einmalige „Twuster Sommertied“. In der Stadt treten Prominente auf, die sonst nur in großen Hallen und Städten gastieren. Beispielhaft: der Wissenschaftskabarettist Vince Ebert oder das Duo Kelpie wiederholt im vergangenen Jahr.

Katja Bischoff setzt auf Vielfalt, Nachhaltigkeit, Qualität und Kontinuität. Auch wenn Veranstaltungen mal nicht so gut besucht sind.

„Kultur ist ein harter Standortfaktor und entscheidend für die zukünftige attraktive Gestaltung des Lebens in Twistringen – und von hoher Relevanz für die Gewinnung von Neubürgern“, betont die Heiligenloherin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Deichbrand 2018: Der größte Aldi aller Zeiten

Deichbrand 2018: Der größte Aldi aller Zeiten

Bieryoga auf dem Deichbrand 2018 - und ihr werdet zum Bierkasten

Bieryoga auf dem Deichbrand 2018 - und ihr werdet zum Bierkasten

Hamas ruft Gaza-Waffenruhe mit Israel aus

Hamas ruft Gaza-Waffenruhe mit Israel aus

19. Ristedter Fußball-Turnier um den „Württemberg-Cup“

19. Ristedter Fußball-Turnier um den „Württemberg-Cup“

Meistgelesene Artikel

Lastwagen, Kleinwagen und Sprinter krachen auf der B 51 ineinander

Lastwagen, Kleinwagen und Sprinter krachen auf der B 51 ineinander

„Diese Saison werden nicht alle überleben“

„Diese Saison werden nicht alle überleben“

Viele junge Bäume in Syke hängen am 75-Liter-Tropf

Viele junge Bäume in Syke hängen am 75-Liter-Tropf

Verdacht auf Drogenhandel in Twistringen: Polizei wird bei 43-Jährigem fündig

Verdacht auf Drogenhandel in Twistringen: Polizei wird bei 43-Jährigem fündig

Kommentare